Auch hinter Klostermauern wird gefeiert - gerade an kirchlichen Festtagen. Schwester Juliane Friedrich, Generaloberin der Erlöserschwestern, gibt einen Einblick in die Weihnachtszeit im Würzburger Mutterhaus der Schwestern in der Ebracher Gasse. Sie erläutert die Botschaft des Weihnachtsfestes und verrät, was sie sich zu Weihnachten wünscht. Juliane Friedrich (69) stammt aus Prölsdorf in der Gemeinde Rauhenebrach.

Schwester Juliane, wie verbringen Sie mit Ihrer Klostergemeinschaft den Heiligen Abend?
Juliane Friedrich: Für uns im Kloster hat Weihnachten einen besonders hohen Stellenwert. Wir feiern den Geburtstag unseres menschgewordenen Gottessohnes als Hochfest. Jesus kam auf die Erde und ist Mensch geworden, um uns zu erlösen. Wir möchten seine Erlöserliebe weiterschenken. Wir wollen uns ganz bewusst auf dieses Festgeheimnis konzentrieren. Die Gottesliebe hat ein Gesicht angenommen, Hände und Füße. Diese Liebe wollen wir in der Spiritualität unserer Gemeinschaft weitergeben. Die Vorbereitung darauf ist der Advent. Da stimmen wir uns auf das Fest ein und pflegen besondere Zeiten des Innehaltens. Höhepunkt ist dann die Christmette an Weihnachten, die sehr festlich mit unserem Schwesternchor gestaltet wird. Vorher verbringen wir einen schönen gemeinsamen Heiligen Abend. Nach dem Abendessen versammeln wir uns in unserem Festsaal. Dort schenkten uns bis vor zwei Jahren einige Schwestern sehr eindrucksvoll ein Krippenspiel. Das ist jetzt leider nicht mehr möglich. Aber einige Schwestern bereiten für unsere Gemeinschaft Meditationen, besinnliche Gedanken und weihnachtliche Impulse vor. Wir singen und tauschen unsere Gedanken aus. Das ist sehr, sehr schön.

Haben Sie als Ordensfrau an Weihnachten oder zwischen den Jahren die Möglichkeit, Ihre Verwandten zu sehen?
Ja, es ist schön, dass wir auch den Kontakt zu unseren Familien pflegen können. Wer will und in der Lage ist, kann während der Weihnachtszeit im Rahmen des Urlaubs nach Hause. Es kommen aber auch viele Besucher ins Mutterhaus.

Sie stammen aus dem Steigerwald. Wie haben Sie in Ihrer Kindheit in Prölsdorf Weihnachten gefeiert?
Für mich persönlich war Weihnachten schon immer das Fest der Feste. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, in der das Weihnachtsfest einen hoch geschätzten Platz im gesamten Jahreskreis eingenommen hat. Unsere Eltern verstanden es ausgezeichnet, die weihnachtlichen Bräuche und Rituale in der Familie zu pflegen, zum Beispiel, dass der Christbaum geholt wurde, dass die Krippe gemeinsam aufgestellt wurde und so weiter. Anfangs, das heißt in der frühen Kindheit, war das natürlich immer ein Geheimnis. Da hat dann erst am Heiligen Abend das Glöckchen geklingelt, und wir durften in das stimmungsvolle Weihnachtszimmer. Ich sehe uns jetzt noch, wie wir, mein Bruder, meine Schwester und ich, den schön geschmückten Christbaum bestaunten und wir mit unseren Eltern gemeinsam gesungen haben. ,Stille Nacht' war natürlich das schönste Lied. Dann durften wir unsere Geschenke auspacken. Ich kann mich noch an viele Dinge erinnern, die für mich höchste Glückseligkeit waren, nicht zuletzt auch, dass wir gemeinsam in die Christmette gingen.

Über welche Geschenke haben Sie sich damals als Kind besonders gefreut?
Ganz spontan erinnere ich mich an eine wunderschöne Puppe, die zu Weihnachten immer ein neues Kleid bekommen hat. Vor Weihnachten war sie einfach verschwunden, weil sie ja das Christkind geholt hatte. Unsere Mutter hat sie jedes Jahr mit viel Liebe neu eingekleidet, das war für meine Schwester und für mich wohl das schönste Weihnachtsgeschenk. Es waren oft gerade die kleinen Dinge wie Buntstifte und die damals noch eher seltenen Orangen, die uns am Heiligen Abend wirklich glücklich machten. Das sind so Kinderfreuden, die mich einfach erfüllten und die ich wohl nie vergessen werde.

Sie haben Weihnachten als "Fest der Feste" bezeichnet. Hat sich dieser persönliche Stellenwert nach den vielen Jahren im Kloster verändert?
Der Stellenwert hat sich im tiefsten Sinn nicht verändert. Im Kloster konzentrieren wir uns natürlich besonders auf das Festgeheimnis, die frohe Botschaft von Weihnachten, so dass sowohl die Vorbereitung im Advent als auch das Fest sehr spirituell geprägt sind. Ich sage so gern, wenn ich nach Weihnachten gefragt werde, wie meine Feiertage waren, sie waren klösterlich sehr schön.

Viele Alleinstehende werden gerade am Familienfest Weihnachten an ihre Einsamkeit erinnert. Wie können sie trotzdem Hoffnung daraus schöpfen?
Hier im Mutterhaus haben wir die Elisabethstube. Dort bekommen Bedürftige vor Weihnachten ein kleines Weihnachtsgeschenk und ein Festessen, das an dem Tag feierlich gestaltet wird. Es gibt weihnachtliche Gedanken von unserem Herrn Spiritual. In kleineren Konventen laden unsere Schwestern an Weihnachten auch Menschen ein, die sich einsam fühlen.

Können Sie auch einen spirituellen Impuls nennen, wie man für sich persönlich die Weihnachtsbotschaft spürbar machen kann?
Gottes Sohn wurde Mensch, um uns nahe zu sein. Daran zu glauben, ist ein Geschenk des Himmels. Dafür muss man aber offen sein und wirklich an die Weihnachtsbotschaft glauben: "Ja, ich bin nicht allein. Gott ist da, er steht mir immer zur Seite und hilft mir in jeder Lebenssituation." Ich würde auch empfehlen, die Bibel herzunehmen und mit dem Wort Gottes seine Nähe zu spüren und daraus Kraft zu schöpfen.

Inwieweit spüren Sie bei Ihrem Engagement für bedürftige Menschen eine andere Stimmung um Weihnachten als sonst im Jahr?
Vor wenigen Tagen habe ich einen Brief von einer Frau erhalten, die mir ihre Not geschildert hat. Sie wohnt weiter weg und hat unsere Adresse wahrscheinlich aus dem Internet. Es ist im Brief kein Konto angegeben. So werde ich der Familie ein schönes Paket schicken lassen. Gerade in der Zeit vor Weihnachten erreichen uns viele, viele Bettelbriefe. Wir versuchen wirklich, soweit es uns möglich ist, Bedürftigen und Menschen in ihrer Not zu helfen - übrigens nicht nur an Weihnachten.

Ist die Not in den zurückliegenden Jahren größer geworden?
Was mich vor allem immer wieder neu erschüttert ist, dass zunehmend junge Leute Hilfe brauchen. Hier eine schöne Erfahrung von unserer Elisabethstube: Vor einigen Monaten habe ich eine E-Mail aus München erhalten von einem Mann, der inzwischen 30 Jahre alt ist. Es war ein Dankesbrief, verbunden mit der Anfrage, ob es denn diese Einrichtung noch gäbe. Er war als junger Mensch hier in Würzburg und - so hat er von sich berichtet - aus eigener Schuld in Not gekommen. Er hat täglich bei uns ein warmes Essen bekommen. Es wurde nicht gefragt, warum er kommt, sondern es wurde ihm einfach geholfen. Das war ihm eine so große Hilfe, dass er wirklich Fuß fassen konnte. Er hat seinen Beruf abgeschlossen, ist jetzt in führender Stellung und möchte sich bedanken. Er hat auch angefragt, ob es die beiden Schwestern noch gibt und schrieb: "Ich weiß wohl nicht ihren Namen, aber ich fühle immer noch ihr warmes Lächeln."

Was denken Sie von Menschen, die nur aus Tradition an Weihnachten in die Kirche gehen?
Ich bin der Auffassung und auch der Überzeugung, dass es gut ist, wenn die Menschen wenigstens zu Weihnachten in die Kirche kommen. Jeder nimmt von der Christmette etwas mit in seinen Alltag. Wenn sie nur aus Tradition kommen würden, kämen sie mit Sicherheit nicht jedes Jahr. Aber es ist ein Bedürfnis da, die Sehnsucht nach dem, was der Glaube uns schenken kann. Irgendetwas aus einem Lied, aus der Predigt oder aus einem Schriftwort nehmen die Gottesdienstbesucher immer mit nach Hause.

Wenn Sie einem völlig Kirchenfremden Weihnachten kurz und prägnant erklären müssten: Was wäre für Sie die zentrale Botschaft, die Sie vermitteln würden?
Jesus ist Mensch geworden, um uns zu erlösen. Er ist ein Mensch geworden wie wir und ist uns durch seine Menschwerdung nahe bis zum heutigen Tag. Wenn wir daran glauben, dürfen wir seine Nähe und Hilfe spüren.

Das Interview stellte uns das
Bistum Würzburg zur Verfügung




Zur Person Juliane Friedrich und den Erlöserschwestern


Heimat
Schwester Juliane Friedrich (69 Jahre) stammt aus Prölsdorf im Steigerwald. Mit 14 Jahren trat sie ins klösterliche Internat der Erlöser-schwestern ein und absolvierte die Ausbildung zur Fachlehrerin. Nach dem Noviziat übernahm sie die Verantwortung für das Internat sowie für eine Klassenleitung in der Haushaltungsschule im Maria-Theresia-Haus in Schweinfurt.

Studium Von 1972 bis 1976 studierte Schwester Juliane an der Technischen Universität in München für das Höhere Lehramt an beruflichen Schulen. Nach zwei Jahren als Referendarin in Landshut übernahm sie die Schulleitung des Maria-Theresia-Hauses in Schweinfurt. 2001 wurde sie zusätzlich als Generalassistentin in die Ordensleitung gewählt. Ende des Schuljahres 2006/2007 beendete sie den Schuldienst und übergab die Schulleitung in die Hände ihrer langjährigen Stellvertreterin, der Schwester Johanna-Maria Neuerer.

Leitung Seit August 2007 ist sie Generaloberin der Würzburger Erlöserschwestern, wie das Bistum weiter mitteilte. Derzeit leben in den 18 Konventen der Ordensgemeinschaft weltweit 382 Schwestern, davon 308 im Bistum Würzburg, 53 in Tansania und 21 in den USA.