VON Sabine Weinbeer und Andreas Lösch

Die Situation entspannt sich langsam. Nach tagelangen Niederschlägen waren die Gewässer, die durch den Kreis Haßberge fließen, teilweise bedrohlich angestiegen. Doch gestern gab das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Bad Kissingen Entwarnung: "Das Wetter hat sich ja deutlich geändert", sagte Frank Pilhofer am Dienstag, 4. Juni.

"Die Phase mit dem Starkregen ist jetzt vorbei." Für Main, Itz, Baunach, Aurach, Rauhe Ebrach und andere Gewässer ist das eine große Entlastung. Am Main ist es laut Pilhofer so, dass noch einiges an Wasser nachkommt aus der Regnitz und dem Obermain, so dass nur mit einem langsamen Rückgang des Pegels zu rechnen ist. Aber alles spreche dafür, dass dieses Hochwasser vorbei ist.

Letzte Anzeichen für eine Verschärfung der Lage gab es am Montag, als weitere heftige Niederschläge erwartet worden waren. Doch die blieben aus, und am gestrigen Dienstag schien gar die Sonne. In Sand muss nun niemand mehr davon ausgehen, dass der Ortsteil Wörth vom Rest der Gemeinde abgeschnitten wird: Zwar war das Grundwasser im Altmaingebiet bis zur letzten freien Verbindungsstraße von Zeil nach Sand vorgedrungen, die komplette Fahrbahn musste aber nicht gesperrt werden. In Eltmann dagegen rutschten am Montag und Dienstag noch einmal ein Baum und ein Stück Hang kurz vor dem Stadtteil Dippach nach, wo bereits vergangene Woche ein großer Baum auf die Straße gestürzt war.

Aufräumen nicht möglich

"Ich kann niemanden an den Hang schicken, das ist lebensgefährlich. Die Bäume bleiben erstmal alle so liegen, auch auf der Straße". Just während Bürgermeister Michael Ziegler (CSU) am Montag bei einem Ortstermin in Dippach diese Erklärung abgab, rutschte ein dicker Baumstamm ein paar Meter tiefer. Der durchweichte Hang an der Bundesstraße 26 konnte die Bäume nicht mehr halten, die Ortseinfahrt, der Maintalradweg und eine Spur der B 26 wurden gesperrt.

Instabiler Hang

Wie instabil der Hang ist, zeigte sich am Dienstagmorgen, als es weitere Rutschungen gab. Der Dauerregen der letzten Wochen hat den Boden so durchweicht, dass die Bäume umstürzten. Da es sich bei diesem Waldstück um die Graureiherkolonie Dippach handelt, sind alle Pflegearbeiten am Wald strengen Naturschutzauflagen unterworfen, "entsprechend wenig wurde in den letzten Jahren gemacht", sagte der Bürgermeister, während es hinter ihm bedrohlich knirschte und krachte.

Überall aus dem Hang trat Wasser aus. Ziegler will klären, was nötig ist, um den Hang wieder zu stabilisieren. Klar ist, dass die Aufräumarbeiten erst beginnen können, wenn es einige Zeit nicht geregnet hat. Der Verkehr auf der B 26 wird derzeit mit einer Ampelregelung einspurig an Dippach vorbei geleitet. Die Radfahrer werden dringend gebeten, den Absperrungen Folge zu leisten und den Radweg erst ab Eschenbach wieder zu benutzen. Die Schilder sind nicht übertrieben, sie warnen deutlich: "Lebensgefahr".

Zufahrt zum Wörth in Sand

In der Gemeinde Sand geht man davon aus, dass in Bezug auf die Überschwemmungen schon das Gröbste überstanden ist. "Das Hochwasser hat seinen Höchststand überschritten. Das Wasser fließt allerdings sehr langsam ab. Die Kreisstraße vom Wörth nach Zeil bleibt deshalb vorerst noch einseitig gesperrt. Sie ist aber für Pkw und Lkw befahrbar", teilte die Gemeinde mit.

Der Mainpegel Trunstadt hat am Dienstagmorgen noch bei 5,30 Meter gelegen (Höchststand am Montagnachmittag mit 5,44 Meter); das ist ein Rückgang von weniger als einem Zentimeter in der Stunde. Der Grund dafür ist der Zufluss vom Obermain. Wie Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) erklärte, hat sich die Mainverbreiterung bei Trunstadt aber offensichtlich auf das Abflussverhalten positiv ausgewirkt, es sei eine Entlastung in Sand zu spüren.