VON Ludwig Leisentritt

"Schön und lebendig gestaltet!" "Ganz toll und super gemacht!" "Authentische Wiedergabe!" "Total beeindruckend!" "Cool geworden!" "Fühl- und erlebbar!" "Viel Erfolg für dieses schöne Projekt!" Das Lob kommt an. Die Kommentare sind nur eine kleine Auswahl der Einträge im Gästebuch des Dokumentationszentrums "Zeiler Hexenturm". Im Zeitraum von eineinhalb Jahren haben unzählige Besucher aus ganz Deutschland ihre Eindrücke niedergeschrieben.

Was war geschehen?

Im Herbst 2011 ist das Dokumentationszentrum im Stadtturm und dem benachbarten ehemaligen Fronhaus eingeweiht worden. Das sind Originnalschauplätze des schrecklichen Geschehens im 17. Jahrhundert. Zwischen 1616 und 1631 sind rund 400 Menschen in Zeil ermordet worden, nachdem sie zuvor als Hexen denunziert worden sind. Zeil galt als der Brennofen Bambergs. Die dortigen Fürstbischöfe haben die Hexenverfolgung angezettelt und zahlreiche Personen aus Bamberg und der Umgebung hinrichten lassen. Auch viele Zeiler wurden Opfer des Hexenwahns.

Zur Erinnerung an dieses düstere Kapitel der Geschichte hat Zeil das Dokumentationszentrum eingerichtet. Zugleich ist es ein Ort des Gedenkens für die unschuldigen Opfer.
Seit der Eröffnung haben Tausende von Besuchern das Zentrum besichtigt. Und sich ihre Meinung dazu gebildet. Attribute, die immer wieder bei den Gäste-Einträgen vorkommen, sind: informativ, gelungen, eindrucksvoll, anschaulich, aufschlussreich, ausgezeichnet, beachtenswert, bedrückend, beeindruckend, beklemmend, bereichernd, durchdacht, empfehlenswert, erschütternd, lehrreich, mahnend, sehenswert, toll erzählt, wissenswert.
Auch aus dem Ausland kamen Besucher, etwa aus China, England, Frankreich, den USA, Chile sowie aus den drei afrikanischen Staaten Benin, Tansania und Uganda. In einigen afrikanischen Regionen ist der Hexenglaube auch heute noch verbreitet. So schreibt ein Besucher aus Tansania: "Die Turmbesichtigung ist faszinierend, und ich finde, es ist interessant, mal zu wissen, wie man in Europa das Hexenproblem bisher bewältigt hat."

"Klares Bild"

Verschiedentlich weisen Besucher darauf hin, dass sie zuvor das Buch "Die Hexe von Zeil" gelesen haben. "Danach habe ich den Hexenturm besucht. Ich konnte mir ein klares Bild machen von der damaligen Zeit voller Grausamkeit. Es ist sehr, sehr schlimm, dass so viele Menschen durch den Aberglauben umgebracht wurden - und das im "Namen Gottes". Ob er das gewollt hat?"

Ein anderer Besucher schreibt: "Dieser Ort ist ein Mahnmal auch für die Zukunft: Nie eine Ideologie über den Menschen zu stellen. Die Gesamtkonzeption überzeugt durch die Darstellung und die Inhalte." Sehr beeindruckt zeigte sich ein Mann aus Bochum "von der würdigen Form des Gedenkens - ohne Effekthascherei!"
Eine Abschlussklasse beglückwünscht die Stadt Zeil, "eine solche Einrichtung geschaffen zu haben, damit dies für immer in Erinnerung bleibt und sich in keiner Weise wiederholen kann." Eine Pfarrerin dankt "für den Mut, das Hexenthema durch die Dokumentation sichtbar zu machen und die Menschen, die umgebracht wurden, zu benamen."

"Traurige Wahrheit"

"Jeder Name", so ein Besucher aus Hammelburg, "weist auf ein Einzelschicksal hin und so bleibt die traurige Wahrheit unvergessen!" "Die Erinnerung an die Opfer sollte beibehalten werden," wünscht sich ein anderer Besucher. Birke Grießhammer aus Nürnberg, die in Zeil im Jahre 2000 ihre Ausstellung im Rudolf-Winkler-Haus präsentierte und vor einem Jahr der Stadt Zeil schenkte, schreibt: "Ein Gedenken an das große Leid ist auch für uns heute eine Verpflichtung."

Sehr positiv wird immer wieder das renovierte Gebäude (Fronhaus) hervorgehoben. "Die informative und optisch ansprechende Präsentation über die Hexenverfolgung ist verpackt in eine schöne architektonische Hülle!" "Großartig" lautet ein anderer Eintrag. "Die Renovierung ist gut gelungen. Allerdings fehlen die nahebringenden Foltergeräte. Musik ist gruselig, aber ansonsten soweit ein Muss zum Ansehen."
Auch der Stadtturm, der Teil des Dokumentationszentrums ist, wird als ein "sehr beeindruckender authentischer Ort" gesehen. "Insbesondere das Angstloch löst Beklemmungen aus!" Eine Besucherin bekennt: "Am Angstloch konnte ich gar nicht hinunterblicken!"

Das Angstloch im Turm ist eine Öffnung im Boden, durch die sogenannte Hexen in das metertiefe Verlies hinabgelassen wurden. Sie hatten keine Chance, diesem Gefängnis zu entrinnen.
Geteilt sind die Meinungen über die Dunkelheit und Unebenheit der Räume sowie die zu hörenden Geräusche. So bekennen Besucher: "Schauer rieselt über den Rücken". "Es gruselt mich und regt zum Nachdenken an. Echt gelungen." Ein anderer Eintrag: "Ich kann die Gefühle der Opfer durch die Projektionen und Töne gut nachvollziehen. Die Bilder hinter dem Vorhang gehen einem richtig unter die Haut und lassen einen die Gefühle der Opfer fühlen."

Die Dunkelheit und die Unebenheit des Bodens sind Absicht und gehören zum Konzept der Dokumentation. Sie sollen den Besucher die Unsicherheit spüren lassen, in der sich vor fast 400 Jahren die Opfer befanden,
Kritisch vermerkt ein Gast: "Etwas störend waren die lauten Nebengeräusche, auch sind bei Dunkelheit manche Textpassagen nicht gut zu erkennen." "Die Ausstellung ist gut", konstatiert ein anderer Besucher, "doch sollte die Geräuschkulisse der damaligen Zeit angepasst werden."

"Gruselig genug"

Ein anderer Gast meint: "Danke! Sehr gut gemacht. Es muss nicht gruselig sein!" Und auf einer anderen Seite ist vermerkt: "Hat mir sehr gut gefallen. Gruselig genug!" Ein weiterer schreibt: "Gute Sache! Aber wo sind die Foltergeräte?"

Auch andere Einträge beschäftigen sich mit diesem Detail. "Sehr schön, aber eine Daumenschraube als Anschauungsmaterial fehlt!" Diese Meinung teilen nicht alle. So findet ein Besucher: "Sehr schön, dass auf das Ausstellen von Folterwerkzeug des Historismus verzichtet wurde", und ein Mann aus München stellt fest: "Wirklich zu empfehlen. Ich fürchtete, auf gezeigte Grausamkeiten und Folterinstrumente zu stoßen. Jedoch wird die Sensationsgier zum Glück nicht erfüllt. Die Zeugnisse sprechen in subtiler Form für sich. Auch optisch gut gemacht", heißt es weiter.

"Angemessene Antwort"

Ein Ehepaar aus Bamberg zeigt sich dankbar, weil eine Dokumentation entstanden ist, "die sich nicht reißerisch gibt und nicht "den Grusel" bedient. Es ist gut, eine Dokumentation zu sehen, die sich den Opfern widmet und nicht dem eigenen Voyeurismus. So sieht verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema aus, der die Opfer nicht ein weiteres Mal vorführt und entrechtet. Dies ist die angemessene Antwort auf den oft unerträglichen und unseriösen Umgang mit dem Geschehenen, wie er leider zurzeit im Internet betrieben wird."

Ein Bamberger fügt an: "Die Lautstärke der ,Musik' und Geräusche haben mich beim konzentrierten Lesen der Tafeln etwas gestört. Sonst sehr interessant. Die akustische und optische Beeinflussung halte ich für störend und nicht weiterführend. Und: Es sollte ergänzt werden, dass die erforderlichen Bezichtigungen für die Festnahme fast ausschließlich aus den Aussagen der bereits Inhaftierten und Gefolterten stammten."

So manche Besucher kamen von weit her und waren zuvor auf die Dokumentation in Zeil aufmerksam gemacht worden. So liest man häufig Sätze wie: "Es wurde uns nicht zu viel versprochen!" Oder: "Deckt sich mit vielen Informationen, die ich schon hatte. Der weite Weg aus dem niedersächsischen Wendland hat sich gelohnt." Kurz und bündig bekennt ein anderer: "War froh, hier zu sein!"

Ein Pfarrer aus dem Landkreis schreibt: "Anerkennung und Danksagung an die Initiatoren dieses Dokumentationszentrums. Es ist ein sehr trauriges Kapitel der Geschichte! Aber es muss aufgearbeitet und erklärt werden. Zu allen Zeiten. Bis heute gab es Grausamkeiten, weil es auch Böses in der Welt gibt. Aber es muss besiegt werden durch das Gute und die Wahrheit. Ich war tief beeindruckt von der Art der Dokumentation und das Hineindenken in die unschuldigen Opfer. Bis hin, dass ihre Namen eingeschrieben sind im Buch des Lebens." Der Geistliche vermisst einen Hinweis auf das Ende der Hexenprozesse auch durch den Einfluss der Kirche. Er bezieht sich dabei auf den Jesuitenpater Friedrich Spee, der mit seinem Buch "Cautio Criminalis" Argumente gegen die Hexenverbrennung anführte. Auf die Situation in Zeil hatte Spees Werk allerdings kaum mehr einen Einfluss gehabt. Als das Buch 1631 erschien, beendeten im gleichen Jahr die eindringenden schwedischer Truppen den Hexenwahn in Zeil (es tobte der Dreißigjährige Krieg, 1618 bis 1648).

Wunsch an Bamberg

Vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussionen in Bamberg sind wohl die folgenden Einträge zu sehen: "Eine eindrucksvolle Ausstellung, die auch in Bamberg zu sehen sein sollte!" Eine Gruppe des "Bamberger Kreises" vermerkt: "Unsere Stadt, von der die Hexenverfolgung ausging, könnte sich daran ein Beispiel nehmen."

Ein Mitglied des Bürgervereins Mitte schreibt: "Besucht mit dem Wunsch, dass sich auch Bamberg seiner Hexen erinnern möge!" Ein Ehepaar aus der Domstadt bekennt: "Durch den Besuch hier wurde unser Wissen über die Zeit der Hexenverfolgung erweitert." Ein anderer Gast rät sogar: "Am besten, man kommt noch mal wieder!"

"Sehr stolz auf meine Stadt"

Kurz und bündig noch zwei Stimmen: "Gut, dass sich Zeil für diese Gedenkstätte entschieden hat!" "Ich bin als Zeiler sehr stolz auf meine Stadt!"
Lob finden das museumspädagogische Konzept der Ausstellung sowie die Erläuterungen durch das betreuende Team mit Birgit Geißler an der Spitze.