Mit überkreuzten Beinen sitzt Tatjana Holst auf dem Boden, ihr gegenüber zwei andere Frauen. Die Kerze zwischen ihnen soll die eigene Mittel symbolisieren, sagt Tatjana Holst, die an diesem Abend Reiki lehrt: "In diese Mitte zu kommen und dadurch sein eigenes, Gott geschaffenes Wesen zu entdecken, ist Sinn und möglich mit Reiki." Es ist eine ruhige Runde, man unterhält sich in gedämpftem Tonfall. Schließlich ist man genau dafür gekommen: Entspannung finden, innere Ausgeglichenheit.

Weg zur inneren Ruhe

"Seit meinem ersten Kurs im November habe ich nur gute Erfahrungen mit Reiki gemacht", erzählt Birgit Hoffmann aus Gereuth. "Ich bin innerlich viel ruhiger und ausgeglichener." Die Lehrerin, die nach eigenem bekunden früher ständig grübelte, nickt wissend. "Als ich vor etwa 15 Jahren meinen ersten Kontakt mit Reiki hatte, kam ich endlich zur Ruhe und konnte wieder durchschlafen. Man fühle sich mit Reiki erfüllt und glücklich, "voller Power und Energie."

Reiki? Was ist das überhaupt? "Es ist sehr komplex", gibt Tatjana Holst zu. Das Kunstwort setzt sich aus dem japanischen. "Rei", das für Universum oder Kosmos steht, und "Ki" zusammen, einem Wort für "Lebensenergie, die alles durchströmt auf der Erde." Das zusammengesetzte "Reiki" bezeichnet somit eine universale Lebensenergie, die - so glauben die Anwender - mit den Händen übertragen werden kann.

Der Ursprung des Reiki ist Legende. Im Japan des frühen 20. Jahrhunderts soll Mikao Usui, ein Dozent an der christlichen Schule in Kyoto, der Frage nachgegangen sein, wie Jesus einst heilte. Die Kenntnis um Reiki soll er nach Jahren des Suchens und Studierens in Asien und Amerika in tiefer Meditation auf einem Berg erlangt haben. Seine Lehre hat sich inzwischen in aller Welt verbreitet.

Als esoterisch kritisieren viele Zweifler den Grundgedanken, dass die Kunst des Reiki nur einem bestimmten Personenkreis vorbehalten ist und in diesem weitergegeben wird. Daher führen alle Anwender ihre Legitimation über mehr oder weniger verzweigte Wege auf Usui zurück. So auch Tatjana Holst, der die Ursprünglichkeit und das Wesentliche um Reiki nach eigenem Bekunden sehr wichtig ist. Sie sagt von sich selbst, sie sei "in direkter Linie zurück zu Mikao Usui ausgebildet"und befinde sich sozusagen in der achten Generation nach Usui. Ihre "siebte Generation" war eine Meisterin aus Würzburg. Die habe sie in einem einjährigen Meisterkurs "eingeweiht".

"Reiki", so erläutert Tatjana Holst mit Verve,"ist eine zutiefst kraftvolle und zugleich liebevolle Methode, den Menschen komplex zu erreichen." Mit der Schulmedizin, die ihren täglichen Berufsalltag im Eberner Krankenhaus bestimmt, gehe dies nur sehr begrenzt. Die Frau aus dem Eberner Stadtteil hat nach eigenen Angaben im Lauf der Jahre einiges versucht, um den Menschen anders zu helfen, als nur durch ihre Fähigkeiten als examinierter Krankenschwester. Mit Schüsslersalzen beschäftigte sie sich, Homöopathie und Bach-Blüten. Doch erst Reiki, in dem sie inzwischen den dritten Meistergrad erlangt habe, konnte sie überzeugen.


Der Mensch als Ganzes

"Reiki erreicht jeden, der sich davon angesprochen fühlt." Es wirke auf den Menschen und seine Selbstheilungskräfte in allen Ebenen seines Seins, körperlich, geistig, seelisch und spirituell. "Das Werkzeug oder die Weitervermittler sind die Hände", führt Tatjana Holst aus: Ich lege meine Hände auf, die Reiki-Energie fließt." Die meisten Menschen würden dabei eine wohlige Wärme verspüren.

Die tief entspannende Wirkung entfalte sich bei Anspannung und Stress ebenso wie bei chronischen Beschwerden und trage beispielsweise auch zur Entfaltung der Persönlichkeit bei, weiß Tatjana Holst, die von Erfahrungen mit sich selbst, Klienten und ihren "Schülern" berichtet. Jegliche therapeutische Maßnahme werde ergänzt und gefördert.

Reiki finde in vielerlei Gebieten Anwendung und "erreiche jeden", behauptet die Meisterin. Man müsse sich nur darauf einlassen. Dabei seien Frauen empfänglicher als Männer, "weil sie sensibler sind, emotionaler. Männer sind oft eher kopfgesteuert." Und dennoch haben bei ihr auch schon zwei Männer den "1.Grad Reiki "erworben.
Frau Holst spricht mit Bedacht und doch voller Begeisterung von einem "unbeschreiblichen Gefühl" und einem "unglaublichen Schatz", den sie auch selbst immer wieder neu entdecke.

Diese Erfahrung will sie mit anderen teilen. Zuletzt hat sie sich sogar eine eigene Reiki-Praxis zu Hause in Heubach (Altenberg 23) eingerichtet, die sie neben ihrer Arbeit als Krankenschwester betreibt und in der sie Geld mit Reiki verdient. Kurse und Sitzungen hält sie außerdem in den Räumen des Ifbi-Zentrums in der ehemaligen Kaserne ab.