Die Schülerin aus der 5e meisterte beim "Känguru"-Wettbewerb, an dem sich das Haßfurter Gymnasium heuer zum 15. Mal beteiligte, auch Schwereres: Eine 900-Gramm-Melone soll in vier Teile aufgeschnitten werden; drei davon alle so schwer wie das Vierte. Die Frage dazu: "Wie viel wiegt das schwerste Teil?"

"Ich mag Mathe sehr", sagte die Zehnjährige bei der Preisverleihung am Montag im Ganztagesgebäude "Silberfisch". "Und eigentlich liegt mir das auch ein bisschen, finde ich. So Knobelsachen die machen mir halt sehr Spaß." Die Aufgaben fand sie insgesamt "nicht so schwer."

Der Erfolg gibt ihr Recht. Maya, die den Wahlkurs "Begabtenförderung Mathematik" besucht, erreichte 97,5 von 120 möglichen Punkten. Klar, dass sie da auch 2015 antritt. Und was ist mit normalem Mathematikunterricht? Auch hier ist die Sanderin eine sehr gute Schülerin, obwohl es dort weniger Knobelaufgaben, sondern "mehr so anderes Zeug" gibt.

Seit sieben Jahren dabei, und nächstes Jahr sicherlich auch...

Für Thanh-Mai Tran aus Zeil ist der Känguru-Wettbewerb seit Jahren "eine Herausforderung". Die junge Frau aus der Q11, die 2015 Abitur macht, hat "einfach Spaß daran zu schauen, wie und ob man Aufgaben lösen kann." Thanh-Mai ist dabei die fleißigste Teilnehmerin, denn sie nahm bereits zum siebten Mal teil. Stets hatte sie großen Erfolg: Sowohl in der fünften, siebten als auch in der achten Klasse gewann sie dritte Preise.

In der achten Klasse gelang ihr sogar der größte "Känguru"-Sprung, denn sie löste am meisten aufeinanderfolgende Aufgaben richtig. Diesmal landete die 17-Jährige mit 83,25 von 150 erreichbaren Punkten erneut im oberen Bereich. Eine ihrer Aufgaben: "In der aktuellen Jahreszahl von 2014 ist die letzte Ziffer größer als die Summe der anderen drei Ziffern, und alle Ziffern sind verschieden. Wann war dies das letzte Mal der Fall?" Für einen weiteren Preis reichte es diesmal aber nicht.

Dass die Zeilerin in ihrem Abiturjahr trotzdem wieder an den Start geht, ist schon klar. "Wenn nichts dazwischenkommt, nehme ich wieder teil." Einen Tipp hat Thanh-Mai Tran: "Man sollte schon einmal an einem solchen Wettbewerb teilnehmen, um auszuprobieren, ob man Spaß an Mathematik hat oder nicht. Aber zwingen kann man natürlich keinen."

Es gibt Gründe für den Erfolg

Für Andrea Schellmann hat "Känguru" mehrere Erfolgsgeheimnisse. Ein Aspekt sei die zeitliche Begrenzung. "Bei manch anderen Wettbewerben brütet man teilweise sehr lange über einer Aufgabe, bis einem die Lösung einfällt. Dieses ‚Sitzfleisch' haben nur wenige, sehr an Mathematik interessierte Schüler", erklärt die hauptverantwortliche Lehrerin. Ferner handelt es sich um einen "Multiple Choice-Test", bei dem es zu jeder Aufgabe fünf Antwortmöglichkeiten gibt.

"Die Aufgaben sind deshalb oft im Ausschlussverfahren zu lösen." Zu guter Letzt seien die Aufgaben "abwechslungsreich. Nicht immer", macht Schellmann deutlich, "erkennt man sofort die Mathematik hinter der Fragestellung. Es geht mehr um logisches Denken als um Rechnen." Für alle Teilnehmer sei etwas dabei, und die Aufgaben auch für jeden lösbar.

Seit vielen Jahren findet der Wettbewerb für die Fünftklässler im Klassenverband statt, "um ihnen die erste Scheu zu nehmen." Herrenhofbund und Elternbeirat übernehmen die Startgelder für die "Kleinen".
Laut Andrea Schellmann haben sich die mathematischen Schwerpunkte an den Hochschulen in den letzten Jahrzehnten "sicherlich verändert". Mathematik verhelfe in vielen anderen Wissenschaftsbereichen zu neuen Erkenntnissen oder optimierten Abläufen.

Da gibt es etwa die Kryptologie, eine Wissenschaft, die sich mit Informationssicherheit beschäftigt. Viele weitere neue Themenbereiche sind entstanden. In der Schule werde verstärkt "eine neue Aufgabenkultur gepflegt"; der Alltagsbezug steht stärker im Vordergrund. Während die Kompetenzorientierung in den Focus gerückt ist, ist etwa das Beweisen von Zusammenhängen, "das für die Mathematik eigentlich wesentlich ist", heute nur selten Bestandteil des Unterrichts, sagt die Oberstudienrätin. Gerade dies werde in Wettbewerben wie Fümo (Fürther Mathematikolympiade) gefordert und gefördert, an dem jedoch nur wenige Schüler teilnehmen. Im Känguru-Wettbewerb spiele das Beweisen dagegen keine Rolle.

Die Auflösung

Ach ja: Das schwerste Stück der insgesamt 900 Gramm schweren Melone wiegt 450 Gramm. Und es war 1709 und ist somit bereits 305 Jahre her, dass in einer Jahreszahl die letzte Ziffer größer war, als die Summe der anderen drei Ziffern - und dazu noch alle Ziffern verschieden sind.



Alle Preisträger 2014



1. Preise:
Maya Steppert (5e), Jannik Markert (5b), Lukas Buld (5f), Nils Hacker (5d), Marek Eisenacher (7d), Khang Tran (9f).

2. Preise:
Kilian Hacker (5c), Jolina Kelling (5f), Jussi Geus (5d), Nathan Schrodt (6d), Ludwig Müller (6d), Paul Caupert (7b), Franziska Baum (7b), Jona Schaller (7b), Maximilian Gerschütz (9g), Lukas Krines (10e).

3. Preise:
Aylin Dix (5b), Jonas Hartwig (5f), Carlotta Lindner (5b), Raphael Tran (5d), Laura Ringer (6b), Lena Will (6b), Simon Lerche (6d), Melchior Nils (6d), Annkathrin Nowak (7a), Tim Sidon (7e), Tamara Klopf (8d), Jakob Röder (8f), Stefan Kraus (8c), Nicolas Hess (8c), Markus Krug (9f), Felix Schneider (10d).

Sprunghaft
Den größten Känguru-Sprung mit den meisten aufeinanderfolgen richtig gelösten Aufgaben machte Aylin Dix (5b), gefolgt von Franziska Baum (7b), Jakob Röder (8f) und Melina Reichert (6e). Sie erhielten jeweils ein Känguru-Shirt.


Stichwort: Wettbewerb "Känguru der Mathematik"


Der vor 35 Jahren in Australien ins Leben gerufene Mathematik-Wettbewerb, wird seit 1998 auch in Deutschland ausgetragen. Das Haßfurter Gymnasium beteiligt sich seit 1999. 37 ausgewählte Schüler beteiligten sich an der "Premiere". Danach wurde "Känguru" für alle Interessierten aller Jahrgangsstufen angeboten. Die Anzahl der Teilnehmer stieg von 228 (Jahr 2000) auf knapp 600 im Jubiläumsjahr.

Insgesamt haben 2014 über die Hälfte der Fünft- bis Zehntklässler und sogar eine Schülerin der Oberstufe teilgenommen. Die Schülerinnen und Schüler aus 38 Klassen hatten 75 Minuten Zeit, um die 24 beziehungsweise 30 Aufgaben (ab der 7. Jahrgangsstufe) zu lösen.