Ein bisschen paradox ist es schon, aber auf jeden Fall positiv zu bewerten: Da wird im Laufe des Jahres 2016 bekannt, dass das Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken die Geburtshilfestation im Haus Haßfurt wegen des Defizits der drei Krankenhäuser im Landkreis eventuell schließen muss - und schon gehen die Geburtenzahlen nach oben. Am Wochenende wurde das 400. Kind 2016 auf der Gynäkologie in Haßfurt geboren. Ein Rekord.
Chefarzt Dr. Raphael Kupietz leitet die Geburtshilfe seit sieben Jahren, und in dieser Zeit ist die Zahl 400 niemals erreicht worden. Zwischen 360 und 370 Geburten waren es jedes Jahr.
Dass es jetzt schon über 400 sind und bis Ende des Jahres vielleicht 430 Geburten erreicht werden, führt er auch auf die Diskussionen um die Station und vor allem die Bemühungen der Mitarbeiterinnen, vor allem der Hebammen, zurück, die "ihre Gyn" unbedingt erhalten wollen.
Die 400. Geburt ist Emely Sophie. Am 3. Dezember hatte Mutter Sandy Weber das Mädchen zur Welt gebracht. Es ist die zweite Geburt der Haßfurterin - die erste in Haßfurt. Sohn Maximilian (fünf Jahre) hatte in Schweinfurt das Licht der Welt erblickt.


Vergleich

Sandy Weber kann jetzt zwei Geburtshilfestationen vergleichen, und sie ist voll des Lobes für Haßfurt. Alles "ist perfekt" gelaufen, schildert sie. Sie fühlt sich gut betreut. "Die Hebammen gehen perfekt auf einen ein", erklärt sie. Sie würde wieder für eine Geburt in die Haßberg-Klinik in Haßfurt kommen, auch weil die Atmosphäre dort "sehr familiär" sei.


Verunsicherung

In Schweinfurt war sie bei ihrer ersten Geburt, weil ihre Ärztin ihr dazu geraten hatte. Das Argument damals: Schweinfurt habe auch eine Kinderklinik dabei. Sandy Weber gestand, dass der Hinweis auf die Kinderklinik verunsichere. Aber jetzt, nach der zweiten Geburt in Haßfurt, weiß sie es besser.
Kann der Geburtenrekord dazu beitragen, die Geburtshilfestation in Haßfurt auf Dauer zu sichern? Eine Entscheidung darüber ist bisher nicht gefallen. Der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens hat sich darauf verständigt, die Station auf jeden Fall 2016 weiterzuführen. Anfang 2017 "wird man sich damit beschäftigen", kündigte Stephan Kolck, Vorstandsvorsitzender des Kommunalunternehmens, an. Einen kleinen Hinweis auf die Situation 2017 gab er aber: "Ich habe die Geburtshilfe im Wirtschaftsplan drin."


Zahlen

Kolck freut sich ebenso wie die ganze Station über den Geburtenrekord 2016. "Super" wären nach seiner Darstellung 450 Geburten im Jahr. 500 hält er für unrealistisch und 600 noch mehr. Die Zahl 600 wird immer wieder genannt, wenn es darum geht, eine Marke zu beschreiben, ab der eine Gynäkologie wirtschaftlich betrieben wird.