von unserem Mitarbeiter Ralf Naumann

Haßfurt — Nein, das "Fliegerlied" haben Georg Jäger, sein Sohn Philipp und dessen Freund Fritz nicht gesungen. Außer Pilot Uwe Vogt hätte es ohnehin niemand gehört. Zum Singen blieb angesichts der vielen Eindrücke bei dem 20-minütigen Rundflug, der unter anderem über den Steigerwald führte, aber keine Zeit. Außerdem erfuhren die drei Passagiere, die sich beim Fliegerfest des Haßfurter Motorflugclubs (MFC) in Haßfurt am Sonntag einen Ausflug in der Luft gönnten, sehr viel Interessantes.
Denn wenn Vogt, mit Unterbrechung seit 30 Jahren MFC-Mitglied, normalerweise in der Luft unterwegs ist, dann hat er bis zu 189 Fluggäste an Bord: Der Schweinfurter ist Kapitän bei einer bekannten irischen Fluggesellschaft und bringt zumeist Urlauber mit einer Boeing 737-800 an ihre Ziele. Vom Airport Frankfurt/Hahn geht es dann zu Orten in ganz Europa, Nordafrika oder den Kanaren.
Doch weil er erst in einigen Tagen wieder im Einsatz ist und, "ich denke, nach Teneriffa" fliegt, setzte er seine Erfahrung bei den Rundflügen ein. In einer kleinen Cessna 172. "Das ist halt mein Hobby", begründete Uwe Vogt, warum er freiwillig auch immer wieder in kleine Maschinen steigt. Natürlich sei es "ein großer Unterschied, schon alleine aufgrund der Anforderungen. Es ist, wie wenn man beruflich Bus fährt und als Hobby ein Motorrad oder einen Oldtimer in der Garage hat", sagte der 53-Jährige lachend, der bereits vor drei Jahrzehnten seinen Pilotenschein gemacht hat.
Dass sich ein kleiner Flughafen beziehungsweise Flugclub regelmäßig der Öffentlichkeit vorstellt, hält er indes für "unglaublich wichtig. Die Fliegerei", betonte er, "ist schließlich eine ganz tolle Sache. Und man muss es den Leuten ja irgendwie näher bringen. Mit was geht es besser als solch einer Veranstaltung?". Für Vogt gibt es immer noch zu viele Berührungsängste. Und die gelte es, weiter abzubauen, meint der Pilot.
Als Anziehungspunkt entpuppten sich am Sonntag wieder die ausgestellten Flugzeuge und Hubschrauber. Der vereinseigene, Mitte der 80er Jahre ausgemusterte "Starfighter F 104 G" ebenso wie die "Zlin", die "North America T6" oder die "Bell 47" von Uli Streich, der aus der Nähe von Würzburg unter den gespannten Blicken zahlreicher Zuschauer extra zu einem Besuch eingeflogen ist.
Die kleinen Besucher konnten zudem das große Löschfahrzeug 60/60 der Flughafenfeuerwehr, das Boot der Wasserwacht oder die Hüpfburg genau unter die Lupe nehmen. Die Bundeswehr informierte in ihrem "Show-Truck".


Gottesdienst mit Segnung

Es war also ein schöner Tag am Haßfurter Flughafen. Nicht nur weil Petrus seine Schleusen im Gegensatz zum völlig verregneten Vorjahr geschlossen hielt. Auch weil Oberkirchenrat i. R. Gotthart Preiser und Kaplan Michael Schmitt am frühen Nachmittag anlässlich des 60. Jubiläums des MFC erstmals einen ökumenischen und vom kleinen Bezirksposaunenchor des Dekanats Rügheim (Leitung Jürgen Koch) musikalisch umrahmten Fliegergottesdienst zelebrierten, bei dem sie anschließend die gelandeten Flugzeuge segneten.
Einzig Peter Hanusa zeigte sich etwas geknickt, denn der angekündigte Testflug der von ihm in vielen Jahren nachgebauten "Focke Wulf 190" durfte nicht stattfinden. Die Verkehrslandeplatz Haßfurt-Schweinfurt GmbH hatte kurzfristig ihr Veto eingelegt. Aus Sicherheitsgründen, weil die endgültige Betriebserlaubnis für die Maschine noch nicht vorliegt. "Natürlich bin ich etwas enttäuscht. Aber ich habe andererseits Verständnis für die Entscheidung, es geht ja schließlich um Sicherheit", sagte der Fluglehrer aus Hirschaid. Er rechnet nun "spätestens im nächsten Jahr" mit der Premiere. "Wir gehen jetzt zügig mit der Erprobung voran. Wenn es klappt und das Wetter mitspielt, werden wir schon am nächsten Samstag in Schweinfurt weitere Testflüge mache