Rudolf Handwerker (CSU) sagt klar: "Um eines vorwegzunehmen: Ich werde keinen Nationalpark fordern. Ich stehe dazu: Ein Nationalpark kann nur eingerichtet werden, wenn der überwiegende Teil der Bevölkerung dahinter steht. Das ist eindeutig nicht der Fall", betont der Landrat in einem gestern veröffentlichten Schreiben zur erneut aufgeflammten Diskussion um einen Nationalpark im Steigerwald.

Allerdings hat Handwerker "starke Zweifel" an der Behauptung von Rauhenebrachs Bürgermeister Oskar Ebert, dass 95 Prozent der Bewohner der Kernzone des Steigerwaldes einen Nationalpark ablehnten. Der Landrat: "Ich habe mit vielen Steigerwäldern über dieses Problem unter vier Augen gesprochen und dabei sehr unterschiedliche Meinungen gehört. Die Befürworter und die Gegner hielten sich etwa die Waage. In einer emotional geführten Versammlung wird man solche Meinungen natürlich nicht hören."

Das Thema polarisiert

Handwerker bedauert, dass es zu dieser Frontbildung gekommen ist und die beiden Parteien, der Verein "Unser Steigerwald", der gegen die Errichtung eines Nationalparks kämpft, und der "Freundeskreis Nationalpark Steigerwald", der einen Nationalpark fordert, "sich so unversöhnlich und kompromisslos gegenüberstehen". Es werde immer wieder behauptet, Grund dafür sei, dass der Bamberger Landrat Günther Denzler und er, Handwerker, die Diskussion tollpatschig und über die Köpfe der betroffenen Gemeinden begonnen hätten. "Zwischenzeitlich bin ich davon überzeugt, dass die Auseinandersetzungen unvermeidlich waren, weil das Thema Nationalpark einfach so stark polarisiert, und zwar nicht nur bei uns."

Handwerker nennt die Nationalpark-Debatte "so, wie sie heute geführt wird, sinnlos. Bei ihr tritt eines in den Hintergrund: Der Vorschlag, den Steigerwald als Nationalpark auszuweisen, kommt vom Bundesamt für Naturschutz, das in zwei Studien festgestellt hat, dass der nördliche Steigerwald zu den fünf wertvollsten Buchengebieten Deutschlands gehört und deshalb ,eines Nationalpark würdig' ist und sogar die Chance hat, als Weltnaturerbe aufgenommen zu werden." Zwischenzeitlich seien am 25. Juni 2011 fünf "alte Buchenwälder Deutschlands" in die Welterbeliste aufgenommen worden.

Der Steigerwald hat nach Ansicht des Landrats die selbe Qualität wie diese Weltnaturerbestätten. Handwerker: "Es wäre ein unschätzbares Alleinstellungsmerkmal, wenn er als Weltnaturerbe anerkannt würde. Ich will über die positiven Entwicklungen, die das zur Folge hätte, nicht spekulieren. Für mich steht fest, dass der Naturerbestatus ein wirksamer Impuls für den Steigerwald wäre. Die ideale Basis für die Anziehungskraft und damit auch für die Wirksamkeit des Steigerwaldzentrums in Handthal."

Aussicht auf Erfolg?

Deshalb müsse man prüfen, fordert er, " ob wir uns nicht schon jetzt mit Aussicht auf Erfolg um den Status als Weltnaturerbe für den Steigerwald bewerben können, auch ohne Nationalpark." Fest steht für den Landrat: "Die Unesco fordert als Voraussetzung für ein Weltkulturerbe weder einen Nationalpark noch ein Biosphärenreservat. Kriterien sind ausschließlich eine außergewöhnliche universelle Bedeutung, die relative Unversehrtheit des natürlichen Zustandes sowie ein ausreichender Schutz und Verwaltungsplan. Anders als bei einem Nationalpark oder Biosphärenreservat ist keine Mindestgröße für ein Schutzgebiet vorgesehen."

Der Landrat rechnet vor, dass der Steigerwald schon jetzt rund 1000 Hektar habe, die heute nicht bewirtschaftet werden, sondern der Sicherung der Artenvielfalt dienen (Flächen unter Naturschutz, Naturwaldreservate und über 100 aus der Nutzung genommenen Waldorte, sogenannte Trittsteine).

Der Landrat wünscht sich eine Zusammenarbeit

Handwerkers Wunsch lautet, dass beide Parteien, die Nationalparkbefürworter und die Nationalparkgegner, aufeinander zugehen: Die Nationalparkbefürworter müssten ihre stereotypen Forderungen nach einem Nationalpark aufgeben und zusammen mit den Nationalparkgegnern, dem Verein "Unser Steigerwald", zur Förderung des Steigerwaldes die Frage prüfen und verfolgen: "Können wir beim jetzigen Schutzstatus des Steigerwalds mit Aussicht auf Erfolg einen Antrag auf Aufnahme als Weltnaturerbe stellen, oder inwieweit müssen wir ihn noch verbessern, um diesen Antrag stellen zu können."

Rudolf Handwerker ist sich "sicher, wenn der Status Weltnaturerbe für den Steigerwald das gemeinsame Ziel aller wäre, könnte für unseren Haßbergkreis viel gewonnen werden".