Mit Markenbildung ist das so eine Sache. Ziemlich schwurbelige Audrücke werden da verwendet, wenn verschiedene Ideen und Möglichkeiten diskutiert und vorgestellt werden, um ein Produkt so zu präsentieren, dass alle es lieben. Da sind furchtbar viele Superlative im Spiel.

Ein Beispiel: Der Projektleiter der Marke "Allgäu", Christian Gabler, erklärte am Montag den Zuhörern in Handthal im Steigerwald-Zentrum, wie er und Akteure vor Ort es schaffen, die Region Allgäu im Bereich Tourismus in die "führende alpin geprägte Gesundheits- und Wohlfühldestination Deutschlands" zu verwandeln. Die Worte "innovativ" und "nachhaltig" kommen in dem Vortrag gefühlt so häufig vor wie Moskitos in einer lauen Sommernacht am See.

Frühere Versäumnisse

Der Grund für die in Wirtschaft und Politik beinahe inflationäre Verwendung gerade des Wortes "nachhaltig" liegt auf der Hand: Früher hat man es nur allzu oft versäumt, mehr als ein paar Jahre vorauszuschauen (siehe Billigbeton-Bauklötze als Wohn- und Geschäftshäuser in zahlreichen deutschen Altstädten aus den 1960er und -70er; siehe auch die seit dem 19. Jahrhundert über Dekade andauernde Industrialisierung der westlichen Länder, ohne auch nur im Ansatz die ökologischen Folgen für Mensch und Natur zu berücksichtigen). Da sind die politischen Akteure unserer Zeit offenbar vorausschauender, wenngleich allein die häufige Benutzung des Wortes "nachhaltig" nicht ausreicht.

Es schaut so aus, als meinten es die sechs Landkreise sowie die sechs lokalen Aktionsgruppen (LAG, siehe Infobox) ernst, die nun den Steigerwald besser vernetzen und gemeinsam weiterentwickeln wollen. Als sich die Beteiligten zu einer kleinen Vortragsreihe im - genau - Nachhaltigkeitszentrum Steigerwald trafen, ging es darum, die Weichen für die kommenden Jahre zu stellen. Die Ziele sind ehrgeizig ("Think big - denke groß" war eine der Thesen im Vortrag des Geographie-Professors Tobias Chilla von der Universität Erlangen-Nürnberg), und vieles wurde seit Beginn des Netzwerkprojekts schon in die Wege geleitet (so war etwa kurz vor Beginn der Veranstaltung in Handthal der Spatenstich für den Baumwipfelpfad im nahen Ebrach). Das Steigerwald-Zentrum selbst erfreut sich bislang guter Besucherzahlen und bietet mit wechselnden Ausstellungen und zahlreichen Veranstaltungen den Verantwortlichen zu Folge ein vielfältiges Programm.

Staat steht dahinter

Bei der Veranstaltung, zu der auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner gekommen war, wurde Eines deutlich: Die Beteiligten meinen es wirklich ernst und sie sehen sich vom bayerischen Staat den Rücken gestärkt. "Sie haben einen wichtigen Prozess in Gang gesetzt. Der Steigerwald wandelt sich vom ehemaligen Hinterhof - entschuldigen Sie diesen Ausdruck - zum identitätsstiftenden Alleinstellungsmerkmal", sagte Brunner, unter dessen Ressort Leader-Fördermittel der Europäischen Union in Höhe von 230 000 Euro sowie 40 000 Euro forstliche Mittel bereitgestellt wurden. Die weitere Finanzierung bringen die beteiligten Landkreise auf.

Welche Rolle der Kreis Haßberge in dem Konzept spielen wird, ist noch nicht spruchreif. Jedoch versicherte Landrat Wilhelm Schneider, dass hier bereits mehrere Ideen entwickelt wurden, von denen sich einige herauskristallisieren. Fest steht, dass dabei das Umweltbildungszentrum (Ubiz) in Oberschleichach eine tragende Rolle spielen soll. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als erklärter Nationalparkbefürworter - während seitens der Politik derzeit ein solcher Status abgelehnt wird - soll ins Boot geholt werden. Schnittstellen für gemeinsame Projekte gebe es genügend, so Schneider.

Ideen werden entwickelt

"Der Steigerwald ist für den ganzen Kreis Haßberge interessant", sagte der Landrat auf die Frage, ob der nördliche Landkreis bei dem Projekt Steigerwald nicht außen vor bleibe. Im Bereich Tourismus etwa ließen sich Angebots-Pakete schnüren, in denen Ausflugs- und Erlebnisprogramme zusammengestellt werden, so dass Besucher zu verschiedenen Orten in der Region gelotst werden - und die müssen nicht ausschließlich im Steigerwald liegen. Dass das Ganze nicht nur ein Schuss in den Ofen werden soll, bekräftigt Schneider: Die Politik habe hier große Chancen für die Entwicklung des ländlichen Raums erkannt und daher die Priorität bei der Konzeption und Umsetzung der verschiedenen Vernetzungsprojekte auf "hoch" gesetzt.