Nach diesen Angaben sind lediglich 30 Prozent aller Vollzeitstellen im Landkreis Haßberge mit Frauen besetzt. Ganz anders bei den Teilzeit- und Mini-Jobs: Hier beträgt der Frauenanteil 75 Prozent. Die "Frauen machen immerhin rund 6060 Mini-Jobs im Landkreis Haßberge. Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten: Zwei von drei der Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter", sagt Stefanie Wedde von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi).

Die Gewerkschaftssekretärin des Verdi-Bezirks Schweinfurt, zu dem der Kreis Haßberge gehört, spricht von einer "Niedriglohn-Schicht", die vom "fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt" mehr und mehr abgekoppelt werde. "Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt", so Wedde.

"Systematisch abgebaut"

Gemeinsam mit Verdi übt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) heftige Kritik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Haßberge: "Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut. Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt", sagt Ibrahim Ocak. Der Geschäftsführer der NGG-Region Unterfranken belegt dies mit Zahlen vom Pestel-Institut aus Hannover, das Verdi und NGG damit beauftragt haben, die regionale Arbeitsmarktsituation zu beurteilen.

Demnach hat die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 38 Prozent zugenommen. "Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner - mies bezahlt mit wenig Schutz", rügt Ocak. Der Geschäftsführer der NGG-Region in Unterfranken beklagt eine "völlig verlotterte Moral im Umgang mit dem Wert von Arbeit".

"Abgekoppelt"

"Für einen Niedriglohn zu arbeiten, bedeutet, dass man den Gürtel ganz eng schnallen muss. Wer dazu gezwungen ist, hat nicht mehr das Gefühl, dazuzugehören", sagt Ocak weiter. Dumpinglöhner lebten in einer "Verzichtskultur", zu der sie gezwungen seien. Ganze Familien würden vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt. "Der Gang ins Kino oder Freizeitbad ist die absolute Ausnahme - und ein Restaurantbesuch der pure Luxus."