Was haben die Karibikinseln Bahamas, Hispaniola, Jamaika und Kuba gemeinsam? Die richtige Antwort: Alle wurden von Kolumbus entdeckt. Seit kurzem gibt es noch was: Inge und Manfred Wagner aus Holzhausen haben diese Inseln mit ihren Velos erkundet. Beim sechswöchigen Inselhüpfen in der Karibik sammelten die beiden 58-jährigen Radler hautnahe Eindrücke von Land und Leuten.

"Ihr lasst es diesmal krachen!" - halb neidvoll, halb bewundernd reagierte ein Arbeitskollege auf die Reisepläne des Paares. Was er nicht bedachte: Die beiden buchen keinen sündhaft teuren All-Inclusive-Urlaub, sondern radeln oft "in der Pampa" und versorgen sich da, wo auch Einheimische zugreifen. Oft sparen sie Übernachtungs- und Verpflegungskosten, weil sie Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher und Topf stets dabei haben.

Ihre Erfahrung lautet: Wer auf Luxus und Komfort verzichtet, kann auch heute noch günstig die ganze Welt bereisen! Die Bahamas-Hauptstadt Nassau lockt mit kulinarischen Genüssen wie frischen Kokosnüssen oder gegrillten riesigen Schnecken. In der Dom-Rep radelt das Paar abseits der ausgetretenen Elefantenpfade der Strandresorts. Sie treffen Inselbewohner in primitiven Behausungen und besichtigen die Ruinen der ersten spanischen Siedlungen.
Chaotische Situationen erleben die Traveller am Grenzübergang zum bitterarmen Haiti. Dessen Bürger leiden bitterste Not und leiden noch immer unter den Zerstörungen des Erdbebens von 2010.

Eine locker-flockige Stimmung dagegen herrscht in Jamaika. Vor allem abends erklingt überall Reggaemusik. Die Menschen sind sehr hilfsbereit und freundlich. In den Blue Mountains werden Kaffeebohnen geröstet und per Hand gesiebt. Hier genießen die Radnomaden den angeblich besten Kaffee der Welt.

Völlig andere Eindrücke vermittelt das sozialistische Kuba. Allerorten sieht man die schönsten, ältesten und ausgefallensten Oldtimer rumfahren. Oft nächtigen die Radler in billigen Privatquartieren mit Familienanschluss.

In Havanna fallen viele alte Häuser im Kolonialstil auf, teilweise gut erhalten, teilweise in einem desolaten Zustand. Trotzdem bezaubert die Stadt durch eine idyllisch-nostalgische Atmosphäre.

Wie in Kriegszeiten stehen vor Brotläden die Menschen mit Lebensmittelmarken in langen Warteschlangen an. Auf dem Land fühlt man sich ins Mittelalter versetzt. Leichte Pferdekutschen und Rikschas ersetzen die Autotaxis, den Acker pflügen schwere Ochsen, und Kühe unter dem Joch ziehen gemächlich den Leiterwagen.

Überall verkünden die Revolutionsparolen und Che-Guevara-Plakate den Segen des Sozialismus. Obwohl - trotz der offensichtlichen Armut - die gastfreundlichen Leute einen zufriedenen Eindruck machen, befindet sich das Land im Wandel. Niemand weiß, wie lange man noch von Fidels Insel sprechen kann.