1,17 Promille im Blut hatte ein 59-jähriger Autofahrer aus dem Landkreis Haßberge, als er im Januar 2015 von einer Streife der Polizei Haßfurt am Marktplatz in Zeil kontrolliert wurde. Sein Führerschein wurde sichergestellt. Gegen einen Strafbefehl legte er - mit gewissem Erfolg - Einspruch ein. Denn jetzt beim Prozess am Amtsgericht in Haßfurt wurde die Fahrerlaubnissperre reduziert und Fahrzeuge, die er berufsmäßig fahren muss, werden von der Sperre ausgenommen.

Der 59-Jährige erklärte, dass er nur 300 Meter gefahren sei. Von einer Gaststätte, bei der sein Auto verkehrswidrig abgestellt war, wollte er nur zum Marktplatz in Zeil fahren, um es dort "legal zu parken." Von einer Bekannten, die in der Nähe wohnt, wollte er sich nach Hause fahren lassen, sagte der Mann.

Auf Vorhalt des Staatsanwalts Thomas Heer räumte er ein, in der Gastwirtschaft vier Bier getrunken zu haben. Er habe dort nur etwas erledigen wollen...

"Der Sachverhalt stellt sich klar da", sagte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Tilman Fischer. "Unser Ziel ist es, dass die Rechtsfolgen der Tat gemildert werden, damit mein Mandant, der beruflich dringend auf seine Fahrerlaubnis angewiesen ist, nicht in Existenzprobleme gerät."

Gehört wurde der Sachbearbeiter der Polizei. Er gab an, dass der Angeklagte bei der Kontrolle gesagt habe, dass er nach Hause fahren wollte. Die Strecke bis zu seiner Wohnung, so wurde später festgestellt, hätte mehrere Kilometer betragen.

Das Bundeszentralregister wies nach den Angaben von Richterin Ilona Conver keinen Eintrag auf. Allerdings war er im Fahreignungsregister vermerkt. Im Februar 2014 war er mit einem geringen Alkoholwert erwischt worden, was ihm eine Geldbuße von 500 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot eingebracht hatte.

In seinem Plädoyer hielt der Staatsanwalt Thomas Heer dem Angeklagten zugute, dass er geständig und kooperativ gewesen sei und niemanden in Gefahr gebracht habe. Erschwerend sei jedoch der Voreintrag wegen Alkohol mit Geldbuße und Fahrverbot. Diesen Warnschuss habe er wohl nicht so ernst genommen, sagte der Staatsanwalt. Er nahm dem Angeklagten auch nicht ab, nur bis zum Marktplatz fahren zu wollen. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 55 Euro und einen weiteren Führerscheinentzug von acht Monaten. Eventuell könnten davon Kraftomnibusse und Lastwagen, die er beruflich fahren müsse, ausgenommen werden. "Wie das die Fahrerlaubnisbehörde sieht, muss man abwarten", sagte Thomas Heer.

Was ausgeführt wurde, sei soweit klar, sagte Rechtsanwalt Tilman Fischer in seinem Plädoyer. Er nehme seinem Mandanten ab, dass er seinen Pkw nur "umparken" und nicht bis nach Hause fahren wollte. Bei der Beurteilung könne man von einem Regelfall abweichen, es sei jeder Einzelfall zu beurteilen, sagte der Verteidiger. Er beantragte einen Führerscheinentzug bis Anfang August, da sein Mandant in diesem Monat an seinem Arbeitsplatz besonders auf eine Fahrerlaubnis angewiesen ist. Auf jeden Fall sollten vom Entzug, wie vom Staatsanwalt angeregt, Busse und Lkw ausgenommen werden.

Richterin Ilona Conver sprach in ihrem Urteil einen Fahrerlaubnisentzug von noch fünf Monaten aus. Ausgenommen hiervon sind Omnibusse und Lkw über 7,5 Tonnen. Auch muss der Verurteilte eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 55 Euro, also 2475 Euro, zahlen. Die Fahrstrecke, die der Angeklagte zurücklegte, spiele keine Rolle. Er hätte überhaupt nicht fahren dürfen, sagte die Richterin. "Der Voreintrag, den Sie wegen Alkohol haben, hätte Ihnen ein Denkzettel sein sollen." Noch fünf Monate Fahrverbot erachtet sie als die unterste Grenze, auch unter Berücksichtigung seiner beruflichen Situation. Das Urteil ist rechtskräftig.