Was aufgrund der allgemeinen Stimmungslage, wie sie bei einer Informationsveranstaltung des staatlichen Bauamtes Bamberg zu erkennen war, nicht verblüfft: Fast 57 Prozent der Abstimmer plädieren für die Ostumgehung, die durch mehrere Naturschutzgebiete europäischen Ranges führen würde, weshalb sie von den Straßenplanern als nicht umsetzbar angesehen wird.

Ein anderes Ergebnis der Umfrage indes überrascht: Fast 24 Prozent der Teilnehmer an der Abstimmung sprechen sich dafür aus, die Bundesstraße weiterhin als Hauptstraße mitten durch die Ortschaften zu führen. Knapp 20 Prozent halten die Westtrasse, wie sie vom Straßenbauamt bevorzugt wird, für die bessere Lösung.

Dass darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, liegt schon an der Tatsache, dass sich der Stadtrat von Baunach sowie der Gemeinderat von Reckendorf des Themas noch annehmen werden. Dies muss noch in diesem Jahr passieren: "Wir müssen unsere Projekte 2012/Anfang 2013 anmelden, damit sie in die nächste Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes Eingang finden und die entsprechenden Mittel bereit gestellt werden", hatte der stellvertretende Amts-Chef Andreas Eisgruber bei der Informationsveranstaltung den Zeitplan vorgegeben. "Noch ist diese Umgehung im vordringlichen Bedarf eingestuft, weil das Verkehrsaufkommen über dem Durchschnitt liegt."

Gemeindegremien am Zug


Damit es dabei bleibt, bedürfe es der Voten der beteiligten Kommunen, so Eisgruber weiter. Das sollte dabei gleichlautend ausfallen: "Das ist wichtig für die Reihung auf der Prioritätenliste." Auf die Nachfrage von Reckendorfs Bürgermeister Klaus Etterer (CSU), wann eine Realisierung der Westtrasse vorstellbar wäre, wenn sich die Gemeinden dafür aussprächen, lautete die Antwort: "Ende des Jahrzehntes."

Dass noch einige Verhandlungsrunden anstehen, geht aus den Antworten der beiden Bürgermeister hervor, die unser Portal zum weiteren Verfahrensgang befragte. Baunachs Ekkehard Hojer (ÜBB) verwies auf einen weiteren Besprechungstermin Ende September im Bauamt in Bamberg. "Danach erst wird das Thema wieder im Stadtrat behandelt. Ich denke dabei eher an November als an Oktober."

Auch der Reckendorfer Kollege Klaus Etterer setzt noch große Hoffnungen auf weitere Verhandlungen mit den Straßenplanern. "Die jetzige Westtrasse ließe der Gemeinde bekanntlich keine Entwicklungsmöglichkeiten . Daher setze ich auf einen Bereich, der um einige hundert Meter noch weiter westlicher, abseits der Reckendorfer Siedlung, liegt. Da ist auch die Topografie viel günstiger", urteilte Etterer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Unterschriften gesammelt


Etterer bekommt am Dienstag Besuch in seinem Rathaus. Mehrere Bürger aus dem Bereich der Veitenstein-/Kapellenberg-Siedlung haben in einem vierseitigen, offenen Brief an den Gemeinderat Argumente zusammengetragen, die aus ihrer Sicht gegen eine Westumgehung sprechen.

Dazu gab's eine Unterschriftensammlung, die 769 Reckendorfer, 57 Reckenneusiger, 66 Geracher sowie 36 Unterzeichner aus anderen Ortschaft unterstützen. "Solche eine Bürgeraktion hat es in Reckendorf noch nicht gegeben", fasst einer der Organisatoren die Aktion zusammen. Dieser Brief sowie die Unterschriftenliste werden am Dienstag um 17.30 Uhr vor dem Rathaus an Bürgermeister Etterer übergeben.

Während im oberfränkischen Bereich heftig um die besten Trassen für B 279-Umgehungen gerungen wird, stagniert die Entwicklung im unterfränkischen Abschnitt, wofür das staatliche Bauamt in Schweinfurt zuständig ist. Zwar gibt es jede Menge punktueller Verbesserungen, wie Linksabbiegespuren, Deckensanierungen oder abschnittsweiser Ausbau. Der große Wurf ist bei den aktuellen Planungen aber nicht dabei, da der Streckenabschnitt nördlich von Laimbach wegen des geringeren Verkehrsaufkommens nicht mehr zum "vordringlichen Bedarf" zählt.

Rentweinsdorf bleibt Problemfall


So rauschen Schwer- und Berufsverkehr noch immer mitten durch Rentweinsdorf, Pfarrweisach, Maroldsweisach und Ermershausen. Während es für Rentweinsdorf noch keinerlei Lösungsansätze gibt, geriet jüngst für Pfarrweisach (wieder) die einstige Eisenbahntrasse in die Diskussion, die weiterhin durch den Ort führen würde.
Für Ermershausen und Maroldsweisach gibt es Umgehungspläne, die auf der Zeitschiene aber in weite Ferne rückten.