Weil er mit seinem Roller zu schnell fuhr, muss ein 33-jähriger Mann für zwei Monate in den Knast. Dieses harte Urteil des Amtsgerichts Haßfurt für die strafrechtlich eher als Lappalie einzustufende Straftat des Fahrens ohne Fahrerlaubnis wird erst nachvollziehbar, wenn man sich das ellenlange Vorstrafenregister des Angeklagten, eines verheirateten, fünffachen Vaters, anschaut und bedenkt, dass er zur Tatzeit unter laufender Bewährung stand. Innerhalb von einer Woche kann der Verurteilte Berufung einlegen - und gegebenenfalls dann hoffen, dass das Landgericht Bamberg gnädiger gestimmt ist.

Erwischt wurde der Verkehrssünder am 20. September letzten Jahres abends kurz nach 19 Uhr in einer Stadt im Landkreis. Die Beamten sahen den Roller fahren und hefteten sich an seine Fersen. Dadurch stellten sie fest, dass er mit 45 Stundenkilometern stadtauswärts fuhr. Kurz vor dem Ortsschild stoppten sie ihn und wollten seine Papiere kontrollieren.

Gedrosselt?

Eine Polizeibeamtin, die damals auf dem Beifahrersitz des Streifenwagens mitfuhr, schilderte im Zeugenstand die Situation. Demnach gab der jetzt Angeklagte an, dass er die Fahrzeugpapiere zuhause habe.

Vor Gericht präsentierte der Beschuldigte einen Kaufvertrag über das Kleinkraftrad. Danach hatte er das Zweirad im Februar 2014 für 130 Euro von einem Italiener gekauft. Im Vertrag war handschriftlich eingetragen, dass der Roller auf 25 Stundenkilometer gedrosselt sei. Er wollte damit offenbar klar machen, dass es sich um ein führerscheinfreies Zweirad handelt.

Ilker Özalp für die Staatsanwaltschaft bezweifelte jedoch, dass diese Eintragung bereits von Anfang an im Vertrag stand. "Vielleicht haben Sie das erst heute früh reingeschrieben", sagte der Vertreter der Anklage.

Lange Vorgeschichte

Seit der ersten Verurteilung im Jahr 1997 haben sich insgesamt zwölf Einträge im Bundeszentralregister des Angeklagten angesammelt: Diebstahl, Sachbeschädigung sowie Betrug, Hausfriedensbruch und etliche Male Fahren ohne Fahrerlaubnis. Es handelte sich immer um sogenannte kleinkriminelle Delikte. Aber wenn die sich dermaßen häufen, wie es hier der Fall ist, wird's irgendwann brenzlig. So verwundert es nicht, dass der Straftäter bereits zweimal kurz hinter Gittern saß.

In seinem Plädoyer hielt Özalp dem hoch verschuldeten Mann zugute, dass er "nicht den Eindruck eines Schwerverbrechers" mache. Aber angesichts der zahlreichen einschlägigen Vorstrafen und vor allem wegen der laufenden Bewährung sah er keinen Spielraum für eine erneute letzte Chance und forderte vier Monate ohne Bewärhung.

Das Maß ist voll

Für Amtsrichterin Ilona Conver war ebenfalls das Maß voll. In ihrer Urteilsbegründung schloss sie sich den Ausführungen von Özalp an. Allerdings hielt sie zwei Monate für ausreichend. Ob der Verurteilte gegen den Richterspruch noch Berufung einlegt, blieb im Gericht offen.