Zum siebten Mal beginnt das Jahr in Zeil mit dem Böllerschießen vom Zeiler Käppele aus. Am Neujahrstag dröhnen die Böllerschläge ab 14 Uhr durch das Maintal bis hinein in den Steigerwald und in die Haßberge. Immer mehr Zuschauer sehen und hören sich dieses Spektakel an. In Urzeiten war es vor allem veranstaltet worden, um die bösen Geister zu vertreiben. Und eines vorneweg: Die "Schläge" gehen durch Mark und Bein. Kein Wunder, zünden die Schützen doch bis zu 400 Gramm Böller-Schießpulver pro Schuss.

Die Schützen unterstreichen: Bei den Werkzeugen handelt es sich nicht um Waffen, sondern ganz offiziell um "Geräte", die das Beschussamt in Mellrichstadt alle fünf Jahre auf Herz und Nieren prüft. Und übrigens muss auch jeder Böllerschütze eine eigene Ausbildung und Prüfung nach Paragraf 27a des Sprengstoffgesetzes absolvieren. Das erläutert der Gaureferent der Böllerschützen im Schützengau Schweinfurt, Udo Nass aus dem Haßfurter Stadtteil Prappach. Zusammen mit seinem Schützenkollegen Jürgen Burger hat er den "Mörser von Belgrad" nachgebaut. Er als Schreiner und sein Kollege quasi als Dreher widmeten sich vor fünf Jahren akribisch ein Jahr lang in Feierabendarbeit dieser Aufgabe. Der atemberaubende Moment war - geschützt im Bunker - der erste Testschuss in einem Steinbruch durch das Beschussamt Mellrichstadt - Vorschrift.


Bis zu 30 Böllerschützen sind da

Die Stadt Zeil begrüßt, wie in ihrer Mitteilung deutlich wird, die Neujahrsaktion auf dem Zeiler Kapellenberg. Zu den Böllerschützen aus dem Schützengau gehört allen voran die Zeiler Abteilung der Schützengesellschaft. Zu Gast sind Schützen aus Heilgersdorf (Landkreis Coburg), aus Ebrach (Kreis Bamberg) sowie aus dem Landkreis Schweinfurt mit Forst und Sennfeld. Die Böllerschützen selbst begrüßen diesmal eine Gastgruppe aus dem hessischen Riedberg (bei Fulda), so dass sich heuer auf dem Kapellenberg wohl zwischen 25 und 30 Böllerschützen aufstellen. Die Zeiler Schützen, stilecht in Tracht und Uniform gewandet, mit ihren historischen Nachbauten (Handböller und Schaftböller), das ist ein imposanter Anblick. Beginn des Böllerschießens ist um 14 Uhr.
Eröffnungssalut, langsames und schnelles Reihenfeuer, Doppelschlag und Ehrensalut bilden die Tradition zur Begrüßung des neuen Jahrs. Den ersten Böller darf der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) an der kleinen Kanone zünden.


Alte Tradition im Land

Das Böllerschießen hat eine durch alte Chroniken belegbare Geschichte, die bis in das 15. Jahrhundert zurückreicht. Der katholische Bischof wurde mit Böllerschüssen begrüßt und verabschiedet; so wurden Fürsten und Obrigkeit begrüßt und verabschiedet.

Kaum mehr bekannt ist, dass Gefahren (etwa Hochwasser) einst durch Böllerschießen mitgeteilt wurden. In abgelegenen Wohngebieten wurde die Geburt eines Kindes durch Böllerschüsse verkündet.
Beliebt ist das Böllern bis heute bei Polterabenden und Hochzeiten sowie bei Jahresfesten. Aus alten Quellen geht hervor, dass in Franken schon vor Hunderten von Jahren an hohen kirchlichen Festen geböllert wurde. Die Stadt Zeil und die Schützengesellschaft heißen die Besucher willkommen; bei Kaffee und Kuchen kann man danach laut Udo Nass später im Schützenhaus über dieses Hobby mehr erfahren.


Der Zeitplan

Die beiden christlichen Kirchengemeinden möchten in Zusammenarbeit mit der Stadt Zeil mit den Bürgern das neue Jahr 2017 begrüßen. Um 16.30 Uhr beginnt der ökumenische Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Michael, Zeil, es folgt der Neujahrsempfang auf dem Marktplatz (bei schlechtem Wetter im Rudolf-Winkler-Haus).