Selber sieht sich ein Frührentner aus dem nördlichen Bereich des Landkreises Haßberge nur als Opfer. Aber eine Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt machte deutlich, dass sich der Angeklagte (56) keineswegs "wie ein Chorknabe " verhalten hat. Das stellte die Strafrichterin Ilona Conver klar.
Wegen Sachbeschädigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchter Körperverletzung wurde er nach fast zweistündiger umfangreicher Zeugenvernehmung zu einer Geldstrafe von 1430 Euro verurteilt.

Im Prozess selber wurden zwei verschiedene Tatkomplexe aufgerollt. Zum einen ging es um einen Vorfall, der sich am 5. Dezember letzten Jahres auf dem Ebener Marktplatz abgespielt hatte. In der Vorweihnachtszeit waren dort verschiedene Stände auf dem Weihnachtsmarkt aufgebaut. Ein 29-jähriger Mann fuhr kurz nach 16 Uhr mit seinem Geschäftswagen vor, um den Glühweinstand seines Vaters mit Nachschub zu versorgen.

Von früheren Vorfällen her war der ebenfalls am Markt anwesende Frührentner auf die Betreiber des Standes gar nicht gut zu sprechen. Er klopfte gegen das seitliche Autofenster, und als der Fahrer das Fenster öffnete, entspann sich ein kurzer, aber heftiger Wortwechsel. Schließlich wollte der Lieferant die lästige Auseinandersetzung beenden und betätigte den Fensterheber.

Autotür malträtiert

Darüber war der 56-Jährige derart erbost, dass er - laut schimpfend wie ein Rohrspatz - gegen die Autotür trat. Ob mit seinem Fuß oder mit seiner Krücke, blieb bei der Verhandlung ungeklärt. Jedenfalls entstand in der Tür ein tiefer Kratzer. Der Sachschaden wurde in einer Werkstatt auf rund 500 Euro geschätzt. Die zweite Tat ereignete sich am 26. Februar dieses Jahres gegen dreiviertel elf abends in einem Ebener Lokal. Obwohl er dort Hausverbot hatte, weigerte sich der sichtlich alkoholisierte Angeklagte, die Gaststätte zu verlassen. Schließlich rief der Wirt die Polizei, die mit einem Streifenwagen anrückte.

Drei Polizeibeamte sagten im Zeugenstand übereinstimmend aus, dass sich der Mann damals recht aufgebracht, aggressiv und renitent verhielt. Dass er sich weigerte, aufzustehen und anschließend beim Hinausführen zu Boden fallen ließ, könnte man mit dem Begriff des passiven Widerstands beschreiben. Seinem Zorn über die Ordnungshüter machte er in Kraftausdrücken Luft: Er beschimpfte die Gendarmen als "Wichser", "Schweine", "Clowns" und "Faschos".

Schließlich gelang es den Beamten, ihm Handschellen anzulegen und auf die Rückbank ihres Autos zu bugsieren. Auf der Polizeidienststelle landete er in einer Arrestzelle. Da der Aufsässige über heftige Schmerzen klagte, musste ein eilig herbei gerufener Arzt die Haftfähigkeit bestätigen. Die entnommenen Blutproben ergaben einen Wert von 1,0 Promille.

Einschlägig bekannt

Der Beschuldigte hat bereits einige Erfahrungen mit der Justiz. Von den Amtsgerichten in Bamberg und Haßfurt wurde er zwischen 2009 und 2012 drei Mal wegen Körperverletzung, Beleidigung, Diebstahls und Hausfriedensbruchs verurteilt. In seinem Plädoyer hielt Staatsanwalt Christopher Rosenbusch dem Mann zwar zugute, dass dieser sicher nicht "die Sonnenseiten des Lebens" genossen habe. Trotzdem rechtfertige ein schweres Schicksal keine Straftaten.

Strafrichterin Ilona Conver hielt sich mit ihrem Urteil an das vom Ankläger geforderte Strafmaß und reduzierte lediglich aufgrund der geringen Rente die Höhe des Tagessatzes. 110 Tagessätze á 13 Euro lautete der Richterspruch.

Dem Verurteilten wurde noch eine Belehrung über die Möglichkeit der Berufung ausgehändigt. Die Amtsrichterin fügte abschließend hinzu: "Ich glaube nicht, dass Sie beim Landgericht besser wegkommen."