Ob das ein Zeichen ist? Die alte "National" holten Florian Hailer und Marco Maas bei einer alten Frau in nahen Hofheim ab. Die verkaufte ihnen die Registrierkasse von anno dazumal mit dem Hinweis, dass die eh nicht mehr gehen würde. "Wir haben sie in den Laden gestellt, und jetzt geht sie", Florian Hailer kann sich das Schmunzeln nicht verkneifen. Vielleicht fühlt sich die "National" da wohl? Umringt von lauter Altersgenossen aus den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts in einem Laden, den die beiden Existenzgründer schlicht auf altfränkisch "Booder" getauft haben. Zum, neudeutsch, Bader ist man früher gegangen, wenn man sich den Bart stutzen und die Haare schneiden lassen wollte. Die Städter taufen solche Läden andernorts, zum Beispiel in Fürth, "Barber-Shops". In Haßfurt geht das deutlich bodenständiger zu. Muss ja auch so sein, wenn man eines der Ur-Haßfurter Geschäfte wiederbelebt. Zwar werden im alten "Heurung-Laden" nun nicht mehr Rauchwaren und dicke Zigarren verkauft, sondern ein sauberer moderner Haarschnitt. Aber unterm Strich soll es hier in Zukunft auch gediegen zugehen.


Männer unter sich

Und: "Eins war uns wichtig, dass es einen Ort gibt, an dem Männer einfach mal unter sich sind", erklärt Florian Hailer weiter, wie sie auf ihre Geschäftsidee gekommen sind. Ihre Mädels, meint der 31-Jährige, haben schon mal nach dem Warum gefragt. So ein bisschen muss Florian jetzt selbst mit den Schultern zucken, und sein Kompagnon grinst. Männer reden einfach anders, wenn die Frauen dabei sind. "Das ist definitiv so", sagt Florian, und Marco nickt.

Damit sich die Männer auch ohne die Frauen irgendwie wohl fühlen, haben die beiden Friseur-Burschen vorgesorgt. Als Servicegetränk (dann braucht es keine Schanklizenz) gibt's eine 0,25er Helle von der Mahrs-Bräu aus Bamberg (Hailer: "Weil das die einzigen in der Gegend sind, die so kleine Flaschen abfüllen. Ein Nullfünfer wär' echt zu groß.") Wer mag, kann aber auch einfach einen Kaffee trinken - oder stilecht - einen Gin. Auch wenn hier nicht mehr geraucht wird: Irgendwie fühlt sich der Laden nach Leder und Rauch an.


Original aus Hamburg

Für ihre Einrichtung haben die Jungunternehmer nicht nur nächtelang Internetauktionsbörsen durchstöbert, sie legten auch einige hundert Kilometer auf der Autobahn zurück, um zum Beispiel einen Original-Friseurstuhl aus Hamburg zu holen oder aus Dortmund. Solche Teile (zugegeben nicht alle fränkisch, sondern aus Amerika) gibt es eben nur in der Ferne. Designstücke sind es deswegen aber nicht. Der alte Haarschneider, den man noch mit reiner Muskelkraft bedienen muss, "kann man auch noch richtig benutzen", erklärt Hailer. Oder die "Müholos", die akribisch an der Wand befestigt wurde. Den Riesenschwenkarm mit der Haarschneidemaschine dran, fanden die beiden Jungunternehmer auch im Internet. Weil Florian ein bisschen mehr über das Teil wissen wollte, nahm er sogar mit der Firma Kontakt auf. Die produziert heute noch. Allerdings moderne Schwenkarmsysteme. Die tun heute in Arztpraxen und Krankenhäusern ihren Dienst. So erfuhr Florian Hailer, dass die "Müholos" 1961 gebaut wurde.


Ohne Lockensdtab

Gibt's bei ihnen auch die Dauerwelle der 70er und 80er Jahre? Die beiden Männer lachen, "ne die hammer net" - jedenfalls fürs Erste. Wer weiß, wohin die Retro-Welle noch führt?

Männer haben jedenfalls in diesem Laden schon einige Spuren hinterlassen. Nicht nur halfen die Kumpels fleißig beim Umzug und beim Einrichten, auch die Handwerker-Väter der beiden waren mit Feuereifer dabei. Der Haßfurter Hailer-Papa richtete als Mechaniker so manches Teil, der Neuschleichacher Maas-Papa kümmerte sich als Schreiner um die Gehäuse für Spiegel und Armaturen. Und nein, Marco Maas ist nicht verwandt mit dem gleichnamigen Friseursalon, wenngleich er dort seine Lehr- und Gesellenzeit verbrachte. Der 27-Jährige weiß, was er seinem Lehrmeister (und dem eigenen Talent) zu verdanken hat. Die harte Meisterprüfung in Schweinfurt mit 1,5 Notendurchschnitt zu schaffen, das gelingt nicht jedem.


Genau richtig

Den genau richtigen Laden mit der schönen großen Glasfront gefunden und bekommen zu haben für ihren Traun von der Selbstständigkeit, das freut die beiden. Schließlich haben sie eine Weile gesucht ("Was ist leer? Was passt?") Mit dem heutigen Besitzer, einem Kunden von Marco Maas, war man sich bald einig.

Was übrigens noch jemanden freut, weil jetzt wieder ein bisschen mehr Leben im Haus ist: Eleonore Eisentraut, 87, war schon früher nicht aus dem Heurung-Laden wegzudenken. Jetzt schaut sie immer mal gerne rein bei den Jungs. Ehrensache, dass sie in dem Männersalon immer gerne gesehen ist...