Wie meistern Kommunen die Herausforderungen der Flüchtlingsintegration, wie wird die Herausforderung zur Chance für das Gemeinwesen, für die Wirtschaft - und natürlich für die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die dritte Regionalkonferenz für Mainfranken. Sie stand unter dem Motto "Integration als Chance für Mainfranken" und fand im Schüttbau in Rügheim statt.

Die Region Mainfranken GmbH um Geschäftsführerin Asa Peterssonn hatte zu der Konferenz Landräte und Bürgermeister, haupt- und ehrenamtlich Engagierte in der Flüchtlingsarbeit eingeladen, dazu Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) , die Soziologin Bettina Reimann vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin, Regierungspräsident Paul Beinhofer und Professor Theresia Wintergerst, die Fachliche Sprecherin des Fachforums Demographischer Wandel/Fachkräftesicherung der Region Mainfranken GmbH. Der Politische Sprecher dieses Fachforums ist Landrat Wilhelm Schneider (CSU), der sich über das große Interesse der Behörden und Verbände freute. Er sei als Landrat stolz darauf, dass es in Mainfranken, vor allem aber im Landkreis Haßberge bislang gelungen ist, die Flüchtlinge gut unterzubringen, zu betreuen und zu integrieren. Und er zeigte sich zuversichtlich, dass sich die aufgenommenen Menschen als Bereicherung in kultureller wie wirtschaftlicher Hinsicht erweisen.


Integration vor Ort

"Ich sehe in der gesellschaftlichen Vielfalt, die in unseren Dörfern und Städten wächst, wertvolles Potenzial, das es zu achten und zu pflegen gilt", so der Landrat. Dabei komme den Kommunen eine besondere Rolle zu, denn Integration finde vor allem vor Ort statt, in der Nachbarschaft, in Kindergärten und Schulen, Vereinen und der öffentlichen Verwaltung. Hier entscheide sich, ob die Flüchtlinge die Sprache lernen, Schulabschlüsse schaffen, Wohnungen und einen Arbeitsplatz finden.

Professor Theresia Wintergerst stellte fest, dass die aktuelle Situation alte Herausforderungen im ländlichen Raum mit neuen kombiniere und die Chance für neue Lösungsansätze biete - im Leerstands-Management beispielsweise. Das Fachforum, in dem sie mitarbeitet, bemühe sich wie die Regionalkonferenz um die Weitergabe von Best-Practice-Beispielen. Für Pauschallösungen sei der ländliche Raum zu unterschiedlich, aber funktionierende Modelle könnten angepasst werden.

Anregungen erhoffte sich auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm von der Konferenz. Sie stellte fest, dass die Region Mainfranken in ihrer Geschlossenheit eine gute Entwicklung genommen habe. Im Treffen mit Ehrenamtlichen habe sie festgestellt, dass die Vernetzung wichtig sei, ebenso wie die Differenzierung. Sie warnte vor Pauschalurteilen über die Flüchtlinge und vor übertriebenen Erwartungen. "Die wenigsten können in zwei Jahren in eine Ausbildung oder eine Berufstätigkeit münden", sagte Stamm. Spracherwerb und die Anpassung der Qualifikation brauchten Zeit, damit die Integration auf einem tragfähigen Fundament steht.


Sensibilität ist gefragt

Sensibilität für den Prozess forderte auch die Soziologin Bettina Reimann ein. Viele Faktoren seien im Integrationsprozess zu beachten. Da stelle sich die Frage, wo der Wohnraum, wo die Arbeitsplätze zur Verfügung stehen; "das ist nur selten deckungsgleich". Die Frage der Mobilität stelle sich und die Frage, welche gesellschaftliche Bereitschaft zur Integration vorhanden ist.

Zur Podiumsdiskussion konnte Moderator Eberhard Schellenberger dann auch den Regierungspräsidenten Paul Beinhofer, Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU) als Sprecher der Hofheimer Allianz und Vanessa Weick vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft begrüßen. Die Hofheimer Allianz gilt als "Leuchtturmprojekt", weshalb Borst gerade erst nach Hamburg eingeladen war. Viele Flüchtlinge zieht es direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland eher in die Städte, wo es aber oft weniger Arbeitsplätze und schon gar keinen Wohnraum gibt.


Intensive Begleitung

Durch intensive Begleitung gelinge es aber, die Menschen von den Vorzügen beispielsweise in den Haßbergen zu überzeugen. Das zeigte Borst anhand einer Beispielfamilie auf. Durch die jetzt eingeführte dreijährige Residenzpflicht sieht Beinhofer dieses Bemühen unterstützt: "Die Leute wissen, dass sie erstmal drei Jahre hier sind, ebenso die Ehrenamtlichen und mögliche Arbeitgeber".

Wichtig seien Lotsen, wie sie im Landkreis Schweinfurt fast jede Kommune benannt hat, oftmals sind es die Bürgermeister selbst, so Ute Suckfüll, die die Neubürger begleiten, ob bei Behördengängen, oder bei der Suche nach Wohnungen. Dazu kommen die vielen Ehrenamtlichen, die zusätzlichen Deutschunterricht geben, sich um soziale Integration kümmern.

Ein starkes Augenmerk müsse neben dem intensiven Deutschunterricht auf die Schaffung von Wohnraum gelegt werden, sagte Beinhofer, der stolz ist, dass in Karlstadt das erste Projekt im staatlichen Programm zur Schaffung von Wohnraum für Asylanten entstanden ist. Weitere Anträge seien gestellt.
Mit viel bürokratischem Chaos mussten die ersten Betriebe kämpfen, die anerkannte Asylbewerber einstellen wollten, hier gebe es jetzt deutlich mehr Klarheit, befand der Regierungspräsident.

Dem pflichtete Vanessa Weick bei, die die IdA-Bildungsprojekte der Vereinigung der Deutschen Wirtschaft koordiniert. Die Bereitschaft in der Wirtschaft sei groß, Flüchtlinge zu beschäftigen, auch nachzuqualifizieren, weil auch Bedarf da ist. Wohnraum sei dabei ein wichtiges Thema. Derzeit leben in Unterfranken 13 000 Menschen in den Unterkünften, erklärte Beinhofer, "aber ein Viertel sind so genannte Fehlbeleger, also anerkannte Asylanten, die eigentlich eine Wohnung suchen".


Neu im Fokus

In der Diskussion wurde deutlich, dass viele Themen, die den ländlichen Raum schon länger beschäftigten, durch die Flüchtlingsproblematik neu in den Fokus rücken. Der Öffentliche Personennahverkehr ist ein solches Thema, aber auch die Förderprogramme zur Schaffung von Wohnraum oder zur Umnutzung von Leerständen, kämen der gesamten Bevölkerung zugute. "Wir haben ja schon vorher um Zuzug geworben und in diesem Bemühen sogar die Trendwende geschafft, die uns niemand zugetraut hat", so Wolfgang Borst für die Hofheimer Allianz. Deshalb ist ihm nicht bange vor den neuen Zuzügen, denn "Mitbürger kann man nie genug haben", erklärte der Bürgermeister.
Asa Petersson resümierte zum Abschluss der Tagung, dass es viel Mut und Optimismus in der Region gebe, die Herausforderung als Chance zu nutzen. In einer kleinen "Messe" konnten sich die Teilnehmer der Konferenz über die unterschiedlichsten Lösungsansätze informieren, über Bildungsangebote, Unterstützung für Ehrenamtliche, Informationsbroschüren für die Neubürger und vieles mehr.