Unter etwas anderen Vorzeichen stand heuer das Weinfest in Zeil, denn es gab ein überarbeitetes Sicherheitskonzept. Nachdem es in der Woche zuvor in Bayern zu mehreren Anschlägen gekommen war, hatten zahlreiche Veranstalter für die anstehenden Feste in der Region zusätzliche Maßnahmen eingeplant, um die Sicherheit der Besucher zu erhöhen.

Beim Zeiler Weinfest etwa gab es erstmals Taschenkontrollen an den Einlässen. Außerdem wurden schwere Fahrzeuge an den Zufahrtsstraßen aufgestellt, um eine Blockade zu bilden. Damit sollten terroristische Attentate wie das von Nizza (ein Lastwagen raste in eine Menschenmenge und tötete mehr als 80 Menschen) erschwert werden.


Gutes Zusammenspiel

Wie der stellvertretende Chef der Polizeiinspektion Haßfurt, Joachim Wolf, erklärt, hat das Zusammenspiel der Sicherheitskräfte und Helfer gut funktioniert. Die Polizei habe Präsenz gezeigt und versucht, die Besucher dabei möglichst wenig in ihrer Feierlaune zu beinträchtigen. "Wir sind sehr zufrieden und haben auch positive Resonanz aus der Bevölkerung bekommen", sagt Wolf.

Nachdem unter anderem in Zeitungsberichten im Vorfeld angekündigt worden war, dass vermehrt Taschen- und Rucksackkontrollen stattfinden werden, waren viele Besucher dem Aufruf der Veranstalter gefolgt und hatten größere Taschen oder Rucksäcke von vorneherein daheim gelassen. "Die Leute lesen also den Fränkischen Tag", sagt Wolf und lacht.


Tägliches Sicherheitsgespräch

Vor jedem Festtag kamen Sicherheitskräfte und Veranstalter zu einem Sicherheitsgespräch zusammen. Insgesamt habe das Fest einen sehr friedlichen Charakter gehabt, wie Thomas Fensel erklärt. Der Cheforganisator des Zeiler Weinfests beschreibt die Besucher als "sehr kooperativ". Die Menschen hätten es begrüßt, "dass mehr Personal da war" und für Sicherheit gesorgt hat. Der Samstag war erwartungsgemäß der besucherstärkste Festtag. Fensel schätzt, dass etwa 6000 bis 7000 Menschen in der Altstadt gefeiert haben. Der Sonntag ist erfahrungsgemäß der "schwächste Tag", am Montag haben dann noch einmal mehrere Tausend Besucher das Weinfest ausklingen lassen.


Die Klassiker

Wie Joachim Wolf erklärt, hatte die Polizei die klassischen Situationen zu bewältigen: So gab es Diebstähle, Sachbeschädigungen und betrunkene Jugendliche, die an ihre Eltern übergeben werden mussten. Glimpflich endete ein Streit zwischen zwei Männern, bei dem der eine einen Maßkrug nach seinem Kontrahenten warf. Er traf dabei jedoch zwei unbeteiligte Personen, die leicht verletzt wurden.


Kommentar von Redaktionsleiter Klaus Schmitt: Ein diffuses Gefühl der Angst

Wer am Samstag und am Sonntag durch die Reihen des Zeiler Weinfestes gelaufen ist, hat die eine oder andere Lücke entdecken können. Nicht jede Bank war besetzt, und daran war sicher nicht nur das windige Wetter am Sonntagabend oder das ausgefallene Feuerwerk, das sonst immer am zweiten Tag der Feierlichkeiten gezündet worden war, schuld. Möglicherweise hatte auch der eine oder andere mögliche Festbesucher die Anschläge von Würzburg, München und Ansbach im Hinterkopf und deshalb darauf verzichtet, zum Weinfest zu kommen. Menschenansammlungen wie bei Festen können Anschlagsziele sein, und wer sich einer solchen Gefährdung nicht aussetzen will, der muss daheim bleiben. Denn hundertprozentige Sicherheit kann kein Veranstalter garantieren, auch in Zeil nicht. Nicht jeder Rucksack wurde dort durchsucht, und wenn ein Attentäter mit einem Messer losrennt, ist die Chance eher gering, dass er im Vorfeld gestoppt werden kann. Die Sicherheitskräfte (Polizei, privater Sicherheitsdienst, Feuerwehr) zeigten in Zeil zwar deutliche Präsenz. Das beruhigt auch, aber - wie schon gesagt - hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

"Ein bisschen ein ungutes Gefühl hatte ich schon", gestand im Gespräch mit unserer Zeitung eine Frau, deren Kinder auf dem Marktplatz das Weinfest mitfeierten. Solche Gefühle beschlichen auch andere Besucher. Verstohlen wanderte der Blick auf Gäste, die vielleicht etwas anders aussahen oder die einen Rucksack dabei hatten, obwohl die Veranstalter im Vorfeld darum gebeten hatten, Rucksäcke und Taschen nach Möglichkeit zuhause zu lassen.

Das Schlimme und Perfide am Terror dieser Tage ist, dass er ein diffuses Gefühl der Angst in den Köpfen der Menschen festsetzt. Statistisch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass man Opfer eines Terroranschlages wird. Aber die Vernunft und die Statistik helfen nicht weiter, wenn die Emotionen mit im Spiel sind.
Jeder geht damit anders um. Besucher des Weinfests haben auch erzählt, dass sie die Zeitungsseiten mit den Terroranschlägen der vergangenen Tage einfach überblättert haben. Was man nicht weiß, belastet nicht! Wie auch immer: Viele Besucher des Weinfests ließen sich die Stimmung nicht verderben und feierten erst recht.