Etwas mehr als eine Million Euro Kosten hatte die Umrüstung der Kläranlage Kirchlauter von einer Teich- in eine moderne Scheibentauch-Kläranlage verursacht. Hatte es dazu schon kritische Stimmung wegen der Entwicklung der Kosten gegeben, so taucht nun nach einer Betriebszeit von einem Jahr ein neues Problem auf: Selbst bei trockenem Wetter kommt nun eine so große Menge an Abwasser und Fremdwasser an der Kläranlage an, dass sie das Regenrückhaltebecken und die Pumpen nicht mehr bewältigen.


Kanäle werden untersucht

Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (SPD) teilte mit, dass man deswegen nicht umhin komme, mittels einer Kanalbefahrung diesem Problem auf den Grund zu gehen.

Man habe im Vorfeld schon Schachtabdeckungen in der Hauptstraße geöffnet und dabei in den Schächten Fremdwassereintritte festgestellt. Dies gelte insbesondere in der Dorfmitte für den Bereich in der Hauptstraße an der Tankstelle Hümmer und in der Verzweigung zur Haßbergstraße und Töpferstraße.

Vom Landratsamt Haßberge habe man sowieso eine Auflage, bis zum 31. Dezember 2019, eine Planung vorzulegen, um dem Probleme des Fremdwassereintritts Herr zu werden. Deswegen sei er schon jetzt dafür, einmal das gesamte Kanalnetz von Kirchlauter, außer dem Baugebiet "an der Leite", mit einer Kamera zu befahren.


600 Prozent Fremdwasser

Bauhofmitarbeiter Thomas Kempf unterstrich dies mit seinen Ausführungen. "In unserer Kläranlage kommen derzeit täglich 600 Kubikmeter an Wasser an. Laut Einwohnerzahl und Wasserverbrauch dürften es aber nur 81 Kubikmeter sein. Damit haben wir mehr als 600 Prozent Fremdwasser, und wir schaffen es nicht einmal mehr, dieses in unser Regenrückhaltebecken zurück zu pumpen."

Dass man erst jetzt diese neuen Zahlen vorlegen könne, läge an dem neuen Messsystem in der Kläranlage, das solche Erkenntnisse neuerdings möglich mache. Man habe einfach zu viel Fremdwasser, das man ja ins Regenrückhaltebecken befördern müsse und das dauernde Pumpen koste eben auch Geld.

Auf der anderen Seite dürfe die Kläranlage auch nur mit sieben Liter pro Sekunde beschickt werden, weil sonst die Ausreinigung nicht gewährleistet sei. Der große Anfall von Fremdwasser sei nun seit Mitte Februar aufgetaucht. Anscheinend habe sich der Grundwasserspiegel sehr schnell erholt, denn in der Trockenperiode im letzten Jahr war der Grundwasserspiegel um bis zu drei Meter gefallen.

Mehrerer Ratsmitglieder hinterfragten, ob eine Befahrung nötig sei, da eine solche Untersuchung doch erst vor relativ kurzer Zeit erfolgt war, ob man nicht zunächst nur Teile des Kanalnetzes untersuchen sollte, und ob tatsächlich ein Planungsbüro eingeschaltet werden müsse, weil die Firma mit ihrer Befahrung doch auch einen Bericht für eine Sanierung erstelle.


In einem Stück

Bürgermeister Kandler verwies jedoch darauf, dass eine solche Befahrung letztmals im Jahr 2005 durchgeführt wurde. Er vertrat die Meinung, dass jetzt eine Befahrung des gesamten Kanalnetzes durchgeführt werden sollte. Für eine weitere Planung der Sanierung könnte man sich dann später entscheiden. Dies wolle man nicht übers Knie brechen.

Thomas Kempf sprach sich dafür aus, die Befahrung jetzt durchzuführen, solange der Grundwasserspiegel so hoch sei und man die Fremdwassereintritte besser feststellen könne. Bei zwei Gegenstimmen beschloss das Gremium dann die Untersuchung des gesamten Kanalnetzes des Ortes Kirchlauter mit Ausnahme der Siedlung "Leite" vorzunehmen.

Anschließend wurde die 1. Änderung des Bebauungsplanes "Leite" beschlossen, nachdem die Anhörung der Träger öffentlicher Belange ohne weitere Einwände erfolgte.
Schließlich informierte Bürgermeister Kandler über den Stand zum Radwegausbau entlang der Staatsstraße 2274 von Breitbrunn bis in Richtung der Gemeinde Rentweinsdorf. Hier hätten Gespräche mit dem Straßenbauamt stattgefunden. Bis zum Oktober müsse eine Planung vorgelegt werden, um noch in den Genuss einer 80-prozentigen Förderung zu kommen.


Unterschriftenliste übergeben

Der geplante "Bürgerwindpark Bürgerwald" am Tonberg bei Kirchlauter war zwar nicht Gegenstand der Sitzung des Gemeinderates Kirchlauter. Mitglieder der Bürgerinitiative "Pronatur Tonberg - ja zur Wahrung einer gesunden und intakten Natur und nein zu Windkraft in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet" nutzte jedoch die Gelegenheit, dem Bürgermeister eine Stellungnahme und Unterschriftenliste von rund 370 Bürgern zu überreichen und auf ihre Sorgen hinzuweisen.
Zwölf Mitglieder der Bürgerinitiative waren deswegen zur Gemeinderatssitzung gekommen und Klaus Sorgenfrei überreichte Bürgermeister Karl- Heinz Kandler (SPD) die Unterschriftenliste. Im Vorfeld hatte man sie auch schon an Landrat Wilhelm Schneider (CSU) übergeben.


Sorge um die Gesundheit

Die Bürgerinitiative "Pronatur Tonberg" räumte ein, dass die Energiewende zwingend notwendig sei, "jedoch sollte dabei nicht die Gesundheit der Bürger von Kirchlauter, Goggelgereuth und Pettstadt aufs Spiel gesetzt werden, wie es hieß.

Kirchlauter, Pettstadt und Neubrunn hatten 2014, 2000 und 2011 am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft, unser Dorf soll schöner werden" erfolgreich teilgenommen, führten die Vertreter der Initiative aus: "Bitte sorgen sie dafür, dass der Wohnwert und die Lebensqualität auch in Zukunft erhalten bleiben. Dazu gehört die Einhaltung von Mindestabständen bei Windkraftanlagen."


10-H-Regel nicht eingehalten

Mit der Einführung der 10-H-Regelung im Jahre 2014 werde bei der Aufstellung einer Windkraftanlage im Außenbereich ein Mindestabstand mit den hier geplanten Anlagedaten von 2300 Metern zur nächsten Wohnbebauung zugrunde gelegt. Der Abstand des nächsten Windrades aus der Planung der GUT zu Kirchlauter betrage aber lediglich 1350 bzw. 1050 Meter zu Goggelgereuth. Dies sei weniger als der grundsätzlich geforderte Abstand der 10-H-Regelung.

Die Bürgerinitiative wies dabei auch auf die Beeinflussung der Gesundheit in Zusammenhang mit Infraschall hin. Zahlreiche Studien aus jüngerer Zeit belegten die gesundheitlichen Gefahren bei Nichteinhalten der Mindestabstände. Bewohner in der Nähe solcher Anlagen klagten vorrangig über Schlafstörungen, Verminderung des Konzentrationsvermögens, Schwindel, Bluthochdruck, innere Unruhe oder Herzprobleme.


Schule direkt im Schallbereich

Außerdem gebe es für den Anlagentyp E 141 EP4 Windklasse III, der für die geplante Anlage im Gespräch ist, noch keine Erfahrungen mit der riesigen Rotorblattlänge von 141 Meter. Durch die örtliche Lage stehe die Grundschule direkt im Schallbereich der Windanlage I des Windparkes mit vier Windrädern.
Die Klassenzimmer seien meist im oberen Stock, also exponiert für Schallwellen im hör- und nicht hörbaren Frequenzbereich (Infraschall). Studien wiesen in solchen Fällen auf Konzentrationsschwierigkeiten und nachlassenden Leistungen von Schulkindern hin.
Ein weiterer Punkt betrifft die Rodung von Waldflächen inmitten des intakten Mischwaldbestandes am Tonberg hin und eine drohende Aufforstung in Richtung Siedlung Kirchlauter.