"Die Arbeit war mein Leben, und jetzt bin ich entlassen - nach 25 Jahren. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll", klagte einmal eine Kundin der Beratungsstelle "Frau & Beruf" und sprach damit aus, was viele fühlen, wenn sie die Kündigung auf den Tisch bekommen. Dabei ist es unerheblich, aus welchem Grund der Job weg ist. Gerade für Frauen ist der Verlust ihres Arbeitsplatzes oft ein herber Schlag gegen das berufliche Selbstbewusstsein.

Ähnlich erging es Barbara W. (Name von der Redaktion geändert) aus dem Landkreis Haßberge, die im März 2013 die Beratungsstelle im Gebäude der Wirtschaftsförderung (Landratsamt) in Haßfurt aufsuchte. Dank Landrat Rudolf Handwerker (CSU) und seiner Gleichstellungsbeauftragten Christine Stühler gibt es dort "Frau & Beruf" schon seit fast zwei Jahren, wie aus einem Bericht der Behörde hervorgeht. Barbara W. kam mit guten Qualifikationen, ist ausgebildete Bürokauffrau, und hat wiederholt als Assistenz der Geschäftsführung gearbeitet. Und trotzdem war die Stellensuche bis dato erfolglos.

Frau W. hatte frühzeitig von der Schließung ihrer Firma erfahren und sich noch im Job neu beworben. Erfolglos, zu ihrer großen Überraschung. Schließlich kommt sie zu einem Einzelgespräch in die Beratungsstelle "Frau & Beruf".

"Unsere Beraterinnen kommen alle aus der freien Wirtschaft und haben bereits in der Arbeitsmarkt- und Berufsberatung gearbeitet. Wir nehmen die Wünsche und Ziele unserer Kundinnen sehr ernst, zeigen den Frauen in der Beratung berufliche Perspektiven auf, die auch deren Wünschen und Neigungen entsprechen", erläutert die Leiterin der Beratungsstelle "Frau & Beruf", Sonja Schmitt. Und manchmal muss auch korrigiert werden: "Wenn sich zeigt, dass der Weg zum beruflichen Ziel nur mit viel Aufwand zu beschreiten ist, dann verändern sich auch mal die Ziele oder aber die Bedingungen zum Beispiel an die Arbeitszeit, den Arbeitsort oder die Entfernung zum Wohnort," sagt Leiterin Schmitt weiter.

Ähnlich war es bei Frau W.: Es wurden Lebenslauf und Anschreiben erstellt, Qualifikationsmöglichkeiten ausgelotet und die Anforderungen an eine Initiativbewerbung besprochen. Schließlich weitete Frau W. ihren Bewerbungsradius aus. Der neue Job fand sich dann in einer Stadt 30 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt: "Diesen Erfolg habe ich auch Ihrer kompetenten Beratung und Ihrem Coaching zu verdanken, wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken möchte," schreibt Frau W. später an die Beratungsstelle.

Ein Erfolg für die Stelle in Haßfurt. "Egal aus welchen Gründen eine berufliche Veränderung erfolgt: Es macht Sinn, den beruflichen Weg zu planen. Immerhin arbeiten wir bis 67, irgendwann vielleicht noch länger", sagt Sonja Schmitt. Das heißt, neben dem Spaßfaktor sind Kenntnisse über Arbeitsmarkt, Zukunftschancen bestimmter Branchen und Berufe wichtig - all das fließt in die Beratungsarbeit bei Frau & Beruf mit ein. Neben der Entwicklung von Strategien um die beruflichen Ziele zu erreichen, wird es aber oft auch praktisch, zum Beispiel beim Thema Vorstellungsgespräch - von vielen zu Unrecht gefürchtet. "Wir zeigen den Frauen die Chancen auf, die ein Vorstellungsgespräch bietet. Arbeitgeber testen den Bewerber. Und so sollte auch der Bewerber den potenziellen Arbeitgeber auf Herz und Nieren prüfen", rät Sonja Schmitt.

Die Empfehlung hat Elke B. (Name geändert) befolgt und positive Erfahrungen gemacht: "So konnte ich besser vorbereitet ins Vorstellungsgespräch gehen und die Personalchefs davon überzeugen, das ich ‚die Richtige‘ für die Stelle bin. Das Rollenspiel hat mir dabei sehr geholfen, meine Nervosität in den Griff zu bekommen."
Seit 2009 haben laut Landratsamt fast 1400 Frauen das Beratungsangebot genutzt, einige werden weiterhin betreut. Die Beratungsstelle "Frau & Beruf" ist ein Projekt des Rhön-Saale Gründer- und Innovationszentrums Bad Kissingen und wird von der Europäischen Union kofinanziert. Weitere Informationen auf www.frauundberuf-rsg.de, Telefon 0971/ 7236204, E-Mail: frau-beruf@rsg-bad-kissingen.de oder bei der Gleichstellungsbeauftragten im Landratsamt Haßberge, Christine Stühler, Ruf 09521/27655 (8.30 bis 12 Uhr), E-Mail: christine.stuehler@hassberge.de.

Die nächsten freien Beratungstermine in Haßfurt sind am 14. August und 18. September.