Vom Dreiländereck bei Lörrach starteten sie ihre Tour. Wann immer möglich, wählten sie Kanäle und Nebenstraßen. Das bescherte dem Duo zwar jede Menge Umwege, aber gleichzeitig wurden die Traveller belohnt: mit langen alleegesäumten Pfaden, mit ausgedehnten Obstplantagen und Weinbergen sowie würzigem Käse und frischem Baguette unter verträumten Dorfplätzen.

Illusionsmalerei in Lyon

Zumeist den kräftigen Mistral im Rücken, rollten die Reiseradler flott vorwärts. Nachdem sie ihr Zelt auf einem kleinen Campingplatz aufgeschlagen hatten, bestaunten sie in Lyon die täuschend echte Illusionsmalerei an Häuserwänden und einen Tag später trauen sie beim Anblick des Palais Ideal ihren Augen nicht - der Briefträger Ferdinand Cheval hat hier im ausgehenden 19. Jahrhundert seinen Traum verwirklicht: 33 Jahre lange baute er aus lauter Fundstücken sein fantastisches Märchenschloss wie aus einer anderen Welt.

Natürlich darf ein Abstecher nach Donzére, der Partnerstadt Königsbergs, nicht fehlen. Mit den verwinkelten Gassen, dem groben Kopfsteinpflaster und den in die Jahre gekommenen verwitterten Bürgerhäusern gibt es durchaus Parallelen zwischen den Kommunen. Auf dem Marktplatz unter Bäumen im Halbschatten schlürfen die Franken genussvoll einen Cafe au lait.

Orange und Avignon stehen ganz im Zeichen von Kultur und Geschichte. Während Orange mit dem Triumphbogen und dem Amphitheater zwei hervorragend erhaltene Zeugen aus römischer Zeit herzeigen kann, besticht in Avignon der ehemalige Papstpalast und die Brücke Pont-Saint Bénézet, die die Rhone nur zur Hälfte überspannt; dank des Kinderliedes "Sur le pont d`Avignon..." wurde sie weltberühmt. Auf dem Weg nach Nimes kommen die Königsberger am Pont du Gard vorbei. Das 49 Meter hohe Aquädukt aus drei Arkadenreihen ist eines der prachtvollsten römischen Baudenkmäler ganz Europas.

Schwärme von Flamingos

Bei Sète waten große Schwärme von Flaminos im seichten Wasser und gründeln unentwegt nach nahrhaften Meeresfrüchten. Kurz darauf stoßen die Traveller auf den Canal du Midi, der das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet. Entlang dieses Wasserwegs erreichen sie Carcasonne, die mittelalterliche Stadt wie aus dem Bilderbuch. Zu Recht wurde die Festungsanlage mit ihren zahlreichen Zinnen, Spitztürmen und Schießscharten zum Namenspaten des gleichnamigen Gesellschaftsspiels.

Anspruchsvoll verlief der Schlussspurt: Gut konditioniert durch das dreiwöchige Radeltraining wagen sich die beiden 58-Jährigen voller Elan in die schroffe Bergwelt der Pyrenäen. Über schier endlose Serpentinen erreichen sie schließlich den entlegenen Zwergstaat Andorra. Bei strahlendem Sonnenschein zerzaust ihnen auf dem Pass Port d´Envalira auf einer Höhe von 2.408 Metern der Bergwind die Haare.