"Ein Fahrrad hat oft in den Herkunftsländern der Flüchtlinge den Status wie bei uns das Familienauto", sagt Claudia Fischer-Curdts, Leiterin der Personalentwicklung bei der Firma FTE in Ebern. Als sie und Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) am Donnerstagnachmittag in die "Fahrradwerkstatt" an der Flüchtlingsunterkunft kommen, werden sie von mehreren Kindern erwartet. Fast alle haben einen Wunsch an "Werkstattmeister" Thomas Herrmann, nämlich ihr Fahrrad zu reparieren.

Vor allem der zwölfjährige Mohammad Abukasch zeigt sich als visierter "Fahrradmonteur." Während die anderen mehr oder weniger miteinander Spaß haben, ist Mohammad konzentriert bei der Sache. "Ich will einen Dynamo an mein Fahrrad bauen", sagt der Junge aus Syrien. Auf Nachfrage erzählt er, dass er immer wieder gesagt bekomme, dass man bei Dunkelheit nicht ohne Licht Fahrradfahren soll. "Jetzt ist es schon bald dunkel und da braucht man ein Licht am Fahrrad", plappert er eifrig drauf los.

Mit von der Partie ist der 14-jährige Faisal Ahmadi aus Afghanistan, der seit fünf Monaten in Ebern ist. "Ich gehe in die Mittelschule", sagt Faisal. Stolz ist er auf sein Fahrrad. "Damit fahre ich in die Schule, das geht schneller als wenn ich laufen müsste", freut sich der junge Mann. Weitere Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne stehen umher, beobachten, was Thomas Herrmann und sein "Lehrling" Mohammad an den Fahrrädern machen.


Unternehmen ergriff die Initiative

Dass Thomas Herrmann, ein ehrenamtlicher vom Asylhelferkreis, mit den Buben werkeln kann, ist auch der Firma FTE in Ebern zu verdanken. Claudia Fischer-Curdts sagt, dass sich die Firma spontan entschlossen habe den Asylhelferkreis in Sachen Mobilität für die Flüchtlinge zu unterstützen.

"Wir haben einige Möbel zusammengesucht, Werkzeug dazu gegeben und unterstützen die Fahrradwerkstatt auch wenn mal etwas Spezielles angeschafft werden muss. Auch hätten die Auszubildenden von FTE einen speziellen Reparaturständer für Fahrräder gebaut.

Thomas Herrmann hört das gerne: "Ohne die unbürokratische Hilfe der Firma FTE wäre vieles noch nicht möglich, was heute hier in dieser Werkstatt schon machbar ist", sagt er.

Auch Bürgermeister Hennemann ist von dem Engagement des größten Arbeitgebers in Ebern angetan. Die Stadt habe hierfür gerne einen geeigneten Raum an der Unterkunft zur Verfügung gestellt und unterstütze weiterhin gerne. "Es ist auch für uns als Stadt wichtig, dass die Flüchtlinge einigermaßen mobil im Stadtgebiet unterwegs sein können", sagte der Bürgermeister. Er hebt die Zusammenarbeit in dieser Hinsicht mit der Firma FTE und dem Asylhelferkreis hervor, zu dem "Fahrradmeister" Thomas Herrmann zählt. Dieser sagt: "Hier geht es manchmal ganz schön rund, jeder möchte, dass sein Fahrrad zuerst in Angriff genommen wird. Um hier Kontinuität einzubringen, wird es noch etwas brauchen", lacht Herrmann und schon zupft ihn wieder einer der Jungen am Hemd, um ihn um Rat zu fragen.