Was sonst im Museum steht und unter keinen Umständen berührt werden darf, konnten die in großer Zahl beigeströmten Besucher des Hausbrauerfestes in Brünn hautnah erleben - und vor allem in Aktion beobachten. Landwirtschaftliche Geräte und Maschinen kamen wie anno dazumal in ihrer ursprünglichen Funktion zum Einsatz.

Dabei demonstrierten Walter Lehnert mit seinem Sohn Mathias und einige Helfer beispielsweise die Verarbeitung von Weizen. Mit einem Göbel, der von einem selbstständig im Kreis fahrenden Deutz-Oldtimer bewegt wurde, wurde ein Stiftendrescher angetrieben, der die Körner vom Stroh trennte. Das Stroh wurde von einer hand- und fußbetriebenen Schneidemaschine klein geschnitten, die Körner in einer alten Putzmühle von der Spreu gereinigt und in einer über 100 Jahre alten Schrotmühle verschrotet. Angetrieben wurde dieses ursprünglich im Lohnbetrieb eingesetzte Großgerät von einen Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1924.

Von jeher Familienbesitz


Dessen Besitzer, der mittlerweile 80 Jahre alte Wilhelm Westphal aus Hafenpreppach, kennt seinen Lanz in- und auswendig und bringt ihn mit viel Feingefühl zum richtigen Laufen. Seit Anfang an ist der Bulldog in Familienbesitz im Lohneinsatz, trieb Dreschmaschinen und die Schrotmühle an, berichtete Westhhal stolz.

Klaus Berthel aus Königsberg steht neben seinem Lanz-Bulldog, einem aus seiner umfassenden Sammlung aus den Jahren 1931 und später. Sein Opa hatte, so erzählt er, fünf Lanz, die er in den 70er Jahren verschrottete. Er machte es sich dann zum Hobby, solche Traktoren wieder zusammenzubauen. "Die halten wenigstens, mit dem neuen Zeug hast du doch nur Scherereien", lästerte der Lohnunternehmer. Denn heute könne man an der neuen Landtechnik nicht mehr einfach mit einem Schraubenschlüssel reparieren, sondern brauche zuerst einmal ein Laptop.

Dass die fast ausschließlich über 50 Jahre alten Traktoren tatsächlich noch Höchstleistungen bringen können, demonstrierten ihre Besitzer damit, dass sie ihre Lieblinge vor einen Laster spannten, um diesen eine Steigung hoch zu schleppen. Die kleineren zogen ein Neun-Tonnen-Gefährt, die großen einen 30-Tonner.
"Wir sind die ganze Woche schon aufgeregt" gestand Helga, die Frau von Walter Lehnert und Mutter von Mathias. Jeweils im Zweijahresrhythmus veranstaltet die Familie am Hausbrauerfest diese Oldtimer-Schau. "Das sind alles Freunde von uns, die heute hier ihre Maschinen ausstellen - als Gegenbesuch, weil wir auch immer irgendwo sind mit unseren Sachen" freute sie sich.

Ihr Mann Walter Lehnert hatte währenddessen alle Hände voll zu tun mit der Organisation der verschiedenen Vorführungen, ob mit Göbel, Kartoffeldämpfkolonne, Steinklopfer, Straßenwalze, Kettenraupe oder mit einem der zahlreichen alten Traktoren.

Im Blick auf den überlebensgroßen Affen auf einem Traktor meinte er trocken: "Da hockt der gleiche Aff drauf wie ich, weil ich die ganze Arbeit mach!" Und warum das Ganze? "Wenn man mal den Virus hat, ...!"