"Jedes Dorf, jede Gemeinde, ist ein eigener Organismus", betonte Landrat Rudolf Handwerker als Vorsitzender des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege am Freitag, als die Kreissieger im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" ausgezeichnet wurden. Kreissieger in ihren Kategorien wurden Fatschenbrunn und Kirchlauter. Sonderpreise gingen an Kreuzthal (Gemeinde Riedbach) für seine hervorragende bauliche Entwicklung, an Theinheim (Rauhenebrach) für die besondere Förderung der Jugendarbeit und eine besonders gelungene Entwicklung im sanften Tourismus. Ein Sonderpreis für die Umsetzung der Energiewende ging an die Gemeinde Gädheim.

Einen fröhlichen Bunten Abend feierten die Teilnehmer am Wettbewerb im "Silberfisch" am Schulzentrum Haßfurt. Dabei bewiesen die Dorfgemeinschaften in Musik-, Gesangs- und Wortbeiträgen, mit welcher Vielfalt sie die Jury beeindruckten. Kreisfachberater Guntram Ulsamer forderte die Anwesenden auf, die Besonderheiten und Stärken der Dörfer im Landkreis offensiver bekannt zu machen.

Nicht nur die schönsten Dörfer würden ausgezeichnet, sagte Rudolf Handwerker, sondern die Menschen, die diese Dörfer mit Leben erfüllen durch ihr Engagement in Vereinen, der Jugendarbeit oder Seniorenbetreuung. Menschen, die Verantwortung übernehmen und mit Weitblick Entscheidungen treffen. Eigeninitiative zu zeigen, besonders zu sein, das werde belohnt.

Mit dem Wettbewerb könnten Dörfer nur gewinnen, denn die Bevölkerung müsse sich neu mit ihrem Dorf beschäftigen - und die Jury liefere mit ihrem Abschlussbericht einen Blick von außen. Die Stärken der Dörfer herausstellen, das sei so wichtig wie nie zuvor, denn "Wir haben Dörfer, die in nur sieben Jahren die Hälfte ihrer 16- bis 25-Jährigen verloren haben", stellte der Landrat fest.

Kommunen haben Strategien entwickelt gegen die Bevölkerungsabwanderung

Deshalb hätten die Kommunen begonnen, Strategien zu entwickeln, die die Folgen des demographischen Wandels abfedern. Doch ob ein Landstrich in einigen Jahrzehnten noch lebendig sei, hänge "von der Pfiffigkeit und vom Engagement der Bürger und ihren gewählten Vertretern ab." Handwerker ist fest überzeugt, dass der ländliche Raum Zukunft hat, weil die Menschen hier, wie er sagte, die Probleme erkannt und die Herausforderungen angenommen hätten.

Bei den Dörfern bis 600 Einwohner wurde Fatschenbrunn Kreissieger, in der Kategorie über 600 Einwohner wurde Kirchlauter ausgezeichnet. Die beiden Orte erhielten jeweils eine Sandsteinstele, die an prominenter Stelle im Dorf aufgestellt wird. Stolz auf ihre Orte zeigten sich Bürgermeister Jochen Steppert, Oberaurachs Dritte Bürgermeisterin Anita Amend und Fatschenbrunns Ortssprecher Reiner Renner.

Es geht um Zukunftsfähigkeit

Der Wettbewerb sei längst kein "Blümchenwettbewerb mehr", betonte Kreisfachberater Johannes Bayer, der bei der Präsentation der Kreissieger den Fragenkatalog der Jury erläuterte. Es gehe um die Zukunftsfähigkeit, die Lebendigkeit. In beiden Dörfern sei eine starke Identifikation der Bevölkerung zu spüren. Viel Innovatives und dabei doch eine gesunde Einstellung zur Tradition habe die Jury kennenlernen dürfen.

In einer Pause erlebten die Gäste die Besonderheiten hautnah: Es gab Fatschenbrunner Hutzel, Theinheimer Bier und andere Spezialitäten, Kirchlauterer Honig, Kunsthandwerk und Kunst aus Gädheim. Zur Unterhaltung traten auf die Big-Band des Regiomontanus-Gymnasiums, die "Fatschenbrunner Wirtshausmusi", der Landfrauenchor Theinheim, die Heilig-Länder-Singgruppe, die Original Gädheimer Musikanten und das Bläserensemble Frankenland und Musikbahnhof.