Die Faschingszeit ist beendet. Ab Aschermittwoch heißt das für viele Menschen: Genug gefeiert, jetzt wird gefastet. Das Fasten vor Ostern ist im Christentum ein alter Brauch. Wie wird im Landkreis Haßberge gefastet? Welche Bedeutung hat der Brauch für die Menschen von heute? Unsere Zeitung hat mit drei Personen aus dem Kreis Haßberge über ihre Fastenvorhaben gesprochen.

Die Fastenzeit soll auf Ostern, das wichtigste Fest im Christentum, vorbereiten. Sie dauert heuer bis Karsamstag, 26. März. Isabella Friedrich ist Gemeindereferentin im katholischen Dekanat Haßberge und kennt sich gut mit dem Fastenbrauch aus. "Die Sonntage sind fastenfrei, also sind es genau 40 Fastentage," erklärt Friedrich. Die Zahl erinnere an die 40 Tage, die Jesus (laut Neuem Testament) in der Wüste verbracht haben soll.


Bewusster leben

Der biblische Hintergrund sei für viele aber nicht mehr wichtig. "Fasten ist etwas sehr Persönliches", weiß sie. Die Limbacherin meint, die Fastenzeit passe gut in den heutigen Zeitgeist. "Das Phänomen, bewusst leben zu wollen, ist heutzutage sehr präsent. Wenn ich zum Beispiel an Fitness-Armbänder und ähnliches denke." Vieles, was jetzt wieder modern sei, habe "unsere Tradition schon immer im Angebot", so Friedrich.

Die gläubige Katholikin selbst will während der kommenden Fastenzeit auf Süßigkeiten verzichten und auf ihre Gesundheit mehr achten. Ihr geht es auch um die Frage: "Bin ich mit mir selbst zufrieden?" Sie will die Zeit nutzen, um "einen neuen Blick aufs Leben" zu werfen. Das Fasten ist für Isabella Friedrich nicht nur Verzicht, sondern bringe auch "mehr Lebensqualität" mit sich, indem man über "eingefahrene Alltagsstrukturen" nachdenke und sie gegebenenfalls ändere. Sie nimmt sich vor, die guten Vorsätze nach der Fastenzeit weiterzuleben.


Kein Fleisch an hohen Feiertagen

"An Aschermittwoch gibt's bei uns kein Fleisch. Aber Fisch ess' ich auch gern," sagt Karl-Heinz Kandler, der Bürgermeister von Kirchlauter. Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Also, ich bin ja kein Kostverächter." Neben Fisch gebe es an diesem Tag hauptsächlich Mehlspeisen, wie zum Beispiel "Kässpatzen". Außer an Aschermittwoch, Gründonnerstag und Karfreitag fastet er nicht. So hat er die Fastentradition schon als Kind gelebt und will sie auch heute noch fortsetzen. Da seine ganze Familie heute kein Fleisch isst, fällt ihm der Verzicht auch nicht schwer. An Aschermittwoch geht er außerdem gerne in eine Gaststätte in Neubrunn, die an diesem Tag kein Fleisch serviert.

Abgesehen vom Fleischverzicht an den drei Feiertagen hat sich Kandler ganz persönlich etwas vorgenommen: Er will kein Bier trinken. Seit Ende Dezember schon möchte er für "ein halbes oder dreiviertel Jahr" weitgehend auf Alkohol verzichten. Das wäre gut für die Gesundheit und "tut auch der Seele gut", sagt er. Mit dem Trinken müsse er sowieso vorsichtig sein, sagt er, denn er steht permanent in der Öffentlichkeit.

Das selbstverordnete Alkohol-Fasten ist für Kandler gar kein Problem, aber in seiner Funktion als Bürgermeister spricht man ihn oft darauf an. Wenn er zu Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten eingeladen wird, stößt er dann eben mit Orangensaft an. "Die Versuchung ist da, aber es gibt keine Ausnahmen," bekräftigt Karl-Heinz Kandler seinen Vorsatz.


Beim Fasten "geistig wachsen"

So sieht es auch Ute Ulbrich, die während der Fastenzeit auf fettiges Essen und Süßigkeiten verzichten möchte. "Mein Motto: Entweder mache ich etwas oder ich lasse es bleiben." Ulbrich arbeitet bei der "Haßfurter Tafel", die Sozialläden in Haßfurt und Eltmann betreibt, und fastet jedes Jahr. Ab heute nimmt sie sich vor, weniger Fleisch und Süßigkeiten, dafür mehr Gemüse zu essen. "Ich möchte abnehmen, auf meinen Körper achten und mehr Sport treiben," sagt die über 60-Jährige: "Aber man muss erst seinen inneren Schweinehund überwinden."

Die gläubige Christin findet, dass man beim Fasten "geistig wächst". Sie bleibt auch konsequent, obwohl ihr Mann nicht fastet. Ulbrich, die auch Kreisvorsitzende der Frauenunion ist, macht es nichts aus, wenn er dann ein Stück Kuchen essen kann und sie zuschauen muss.