Organisiert hat die viertägige Veranstaltung mit Frauen und Männern aus sechs Ländern Europas ihr Taiji-Lehrer Roland von Loefen aus dem Knetzgauer Gemeindeteil Zell.

Für die 52-Jährige, die regelmäßig an Kursen im Volksbildungswerk der Kreisstadt in der alten Mainmühle teilnimmt, war das so genannte Freie Pushen, bei dem jeweils zwei Partner unter Beachtung der Taiji-Prinzipien versuchen müssen, das Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu stoßen, ganz neu. "Das habe ich vorher noch nie richtig gemacht, nur ein bisschen im Training." Christa Grübert wollte "erfahren, wie das ist."

Es ging vor allem darum, zu der so genannten Inneren Entspannung zu finden, um jedweden Stoß oder Angriff in den Boden abzuleiten. Es ist eine ganz bestimmte körperliche Befindlichkeit, die aus innerem Gleichgewicht herrührt. Taiji gibt Techniken an die Hand, um dieses innere Gleichgewicht herzustellen.

Keine Frage des Alters

Für Roland von Loefen war seine Schülerin sozusagen eine perfekte Teilnehmerin für das "Push Hands"-Treffen. "Das war nicht nur für Neulinge interessant, sondern auch für Taijiler mit viel oder wenig Push-Hands-Erfahrung. Alt oder jung war nicht wichtig. Taiji kann man auch noch mit 100 machen", betonte der 48 Jahre alte "Instructor oft the Taijiquan School of Central Equilibrium", zu deutsch: Lehrer der Taijiquan-Schule des zentralen Gleichgewichts.

Dabei hat Christa Grübert vor zwei Jahren überhaupt erst mit Taiji angefangen, nachdem ihr Mann Winfried sie überzeugt hat. "Er hat immer gesagt, das ist was für dich", lachte sie und gab zu, "anfangs noch gezögert" zu haben. Doch jetzt bleibe sie dabei. Nicht nur, weil es "so entspannend" sei.

Außenstehenden könne sie indes nur schwer erklären, warum sie von der im Kaiserreich China entwickelten Kampfkunst fasziniert ist. "Das muss man wirklich erfahren, um sagen zu können: Das gefällt mir oder eben nicht."

Ebenso ebenso großen Gefallen wie Christa Grübert am Taiji im Allgemeinen und dem "Push Hands-Treffen" in der unterfränkischen Kreisstadt im Besonderen hatte Bill Rowles. Der in der Nähe von London geborene Engländer, der als Außendienstmitarbeiter in Wiesbaden beschäftigt ist, betreibt seine Leidenschaft seit acht Jahren.
Ehemaliger Karatemeister

Davor war der 60-Jährige drei Jahrzehnte lang einer anderen Kampfkunst verfallen: "Ich war Karatemeister", erzählte Rowles. Ein Freund hätte ihn aber gebeten, es einmal mit Taiji zu versuchen. In erster Linie wegen seinem "alten Freund Roland", der ihn persönlich eingeladen hat, sei er nach Haßfurt gekommen.

Der Engländer empfand das Treffen als "eine gute Gelegenheit zu üben. Es war das erste Mal, dass ich so intensiv Push Hands gemacht habe." Er konnte laut eigener Aussage "die Taiji-Prinzipien verbessern und auch erleben." Außerdem habe er "Fortschritte gemacht. Es war für mich eine gute Erfahrung."

Mit der Atmosphäre in Haßfurt war Bill Rowles "sehr zufrieden. Es ist sehr nett, es sind nette Leute dabei, sehr gemütlich", freute sich der Wahl-Hesse, die Einladung angenommen zu haben.

Neue Freunde gefunden

"Auch das Hochwasser konnte uns nicht daran hindern, dass wir ein super Taiji-Treffen hatten", zog Roland von Loefen ein positives Fazit der Veranstaltung. Es sei einerseits "sehr anstrengend" gewesen, machte auf der anderen Seite aber "unheimlich viel Spaß. Ich habe einige neue Taiji-Freunde gefunden, die wiederkommen möchten, und ich konnte mein Verständnis des Taijiquan im Workshop weitergeben", sagte er.

Besonders freute sich der Zeller über "das riesige positive Feedback von allen Teilnehmern über die Organisation und dem Taiji-Unterricht." Ein Sonderlob gibt es für seine Frau Sabrina, Sohn Moritz und Getrud Roth, die VHS-Büroleitung in Haßfurt: "Ohne sie wäre es wahrscheinlich nicht möglich gewesen."

Ein zweites Treffen, das von 19. bis 22. Juni 2014 stattfinden soll, wird geplant. Da freut sich von Loefen unter anderem auf seinen Taiji-Lehrer aus Neuseeland, Wee Kee Jin.