Weder Verlage noch Unterrichtsbücher bieten bisher Materialien für den Englischunterricht an Grundschulen an, die alle Schüler auf den gleichen Standard bringt und gerade für den Übertritt an weiterführende Schulen so wichtig wäre. Das ist nun anders: 13 Mädchen und zwei Jungen der elften Klasse am Regiomontanus-Gymnaisum in Haßfurt haben in ihrem Praxisseminar über eineinhalb Jahre Standards für den Englischunterricht in Grundschulen entwickelt. Ein großer Erfolg.

Der Grundschullehrplan sieht bislang vor, dass die Kinder bis zum Ende der vierten Klasse zehn Themenbereiche mit einem bestimmten Wortschatz können müssen.
"Dazu passend haben die Schüler des Praxisseminars Lehrmaterialien erstellt, welche der unterstützenden Vorbereitung für den Englischunterricht dienen und es den Lehrkräften ermöglichen, die Lernerfolge vor dem Übertritt an weiterführende Schulen zu überprüfen", sagte Studienrat Benjamin Götzinger, der die Arbeit der Schülergruppe betreute. Die Gymnasiasten erarbeiteten ihre Materialien in enger Zusammenarbeit mit der Didaktikerin Daniela Glos von der Universität Würzburg und testeten ihr Stationentraining an den Grundschulen in Sylbach, Eltmann und Haßfurt. Verbesserungsvorschläge konnten so unmittelbar berücksichtigt werden. Außerdem bekamen die Gymnasiasten Rückmeldung von ihrer Zielgruppe, den Grundschülern.

Freude am Lernen

Luis Sauer aus der Grundschule Eltmann war ganz begeistert und meinte: "Ich finde das recht gut. Da macht das Lernen viel mehr Freude und ist besser, als wenn man nur am Computer sitzt und Vokabeln lernt. Mit solchen Spielen macht es Spaß." Die Autoren des Stationentrainings, wie Sabrina Lautner, hatten für die Aussage die passende Erklärung. "Hier leisten die Schüler eine Eigenarbeit und sehen gleich ihre Erfolge. Das macht den Unterschied aus."
Den Gymnasiasten ist es so tatsächlich gelungen, die im Unterricht gelernten englischen Wörter und Phrasen durch das Lernen an Stationen spielerisch zu vertiefen und zu festigen.
Jedem Stationenlernen liegt ein Laufzettel bei, auf dem die Schüler angeben können, wie sie die Stationen fanden und ob sie schwer für sie waren.

Außerdem gibt es eine Lehreranleitung, eine Schüleranleitung, Arbeits- und Lösungsblätter sowie PDF- und Word-Dateien zum Weiterarbeiten.

Ein Pilz als Lehrer

Natürlich brauchte das Projekt einen Namen und die Gymnasiasten entschieden sich für "Molly the Mushroom - learn English with me" (Molly der Pilz - Lerne mit mir Englisch).
Mit besonderem Stolz verwiesen die Autoren darauf, dass alle Materialien von ihnen selbst konzipiert und erstellt worden seien, sogar die Zeichnungen, "weil wir es ja unter Lizenz stellen und mit Urheberrechten keine Probleme bekommen wollen", so eine Schülerin.

Der Projektleiter und gleichzeitig Fachberater für Englisch, Benjamin Götzinger, war begeistert von den Arbeitsergebnissen seiner Schüler. "Erstmals ist es jetzt möglich, den bayerischen Lehrplan eins zu eins bei den Schülern abzuprüfen. Das war bisher nicht möglich. Die Identifikation der Schüler mit dem Projekt war vorbildlich. Das ist ihr Baby, das sie geschaukelt haben. Es ist wirklich ein tolles Werk herausgekommen."
Schulamtsdirektorin Ulrike Brech sprach von "einer tollen Leistung, weil es jetzt für jeden Themenbereich Stationen und Sicherungsmöglichkeiten gibt. Außerdem trägt dies zu einer Vereinheitlichung der Leistungsstandards bei allen Schülern bei. Diese Stationenarbeit ist aber nicht nur für die Schüler nützlich, sondern ist auch für die Vorbereitung der Lehrer eine schöne Sache. Wir kommen damit zu einer Vereinheitlichung des Englischunterrichts über den ganzen Landkreis."

Auch die Multiplikatorin für den Englischunterricht an den Grundschulen, Claudia Gigglberger, war begeistert: "Es wäre super, wenn wir auf einem einheitlichen Grundstock beim Übertritt an weiterführende Schulen aufbauen könnten."