Zwar ist das Haßfurter Stadtwerk nicht nur Lieferant für Strom, der für die Tarif- und Gewerbekunden bereits zu 75 Prozent aus regenerativen Energien erzeugt wird. Es liefert auch Erdgas, Nahwärme und Wasser, betreibt eine Altstadtgarage, ein Erlebnisbad und eine Eissporthalle und ist mit der Schnell-im-Netz GmbH" ein Anbieter für den Internetzugang.

Das Stadtwerk ist bereits an Windkraft- und Photovoltaikanlagen, an der Biogasanlage in Haßfurt sowie an der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) beteiligt und bietet bereits Naturstrom zu 100 Prozent aus Windkraft. "Wir haben immer mehr Tage, an denen wie tagsüber unsere gesamte Energie regenerativ erzeugen", so Norbert Zösch. "Ab 2014 sollen dann alle unsere Tarif- und Gewerbekunden zu 100 Prozent mit Energie aus Windkraft, Photovoltaik, der Biogasanlage und aus Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen versorgt werden."

Kein Anbieterwechsel nötig

Schon jetzt können die Kunden aufgrund einer Kooperation mit Greenpeace Energy Strom beziehen, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien besteht, ohne dafür den Anbieter wechseln zu müssen. Der gelieferte Strom wird im Unterschied zu vielen anderen Ökostromanbietern dabei direkt in der Region erzeugt. Der Strom kommt aus der Windkraftanlage Bayerhof und bei Windflaute aus der KWK Anlage am Freizeitzentrum in Haßfurt.

Auch die Bürger können beziehungsweise konnte sich an der Erzeugung regenerativer Energie beteiligen: durch eine Beteiligung am Windrad in Bayerhof oder durch die Zurverfügungstellung von Dächer für Photovoltaikanlagen.

Besonderes Augenmerk lenkte Norbert Zösch auf zwei neue Projekte: die "Energiewende daheim" und "Power to Gas". So bietet das Stadtwerk seinen Kunden an, ihr Haus mit Photovoltaikanlagen und einem Mikroblockheizkraftwerk mit einem Stirlingmotor auszustatten.

Das Stadtwerk kümmert sich um Anschaffung, Ein- und Ausbau sowie um die Wartung der Heizungsanlage, der Kunde zahlt im Gegenzug einen Wärmepreis.

Hochmodernes Projekt mit Modellanlage

Das andere Projekt bezieht sich auf die Errichtung einer Modellanlage in Haßfurt zur Umwandlung von regenerativem Strom in Gas und die Nutzung der bestehenden Erdgasinfrastruktur als Stromspeicher über das Zwischenprodukt Wasserstoff beziehungsweise synthetisches Erdgas. "Wir arbeiten hier mit Professor Dr. Johannes Paulus von der Fachhochschule Schweinfurt zusammen", so Norbert Zösch.

Derzeit liege der Antrag für eine Power-to-Gas-Anlage beim Forschungszentrum Jülich. Dieses prüfe als möglicher Projektträger, ob das Projekt innovativ und damit förderwürdig sei.

Mit den dann genehmigten Zuschüssen wäre es auch in Haßfurt möglich, den überschüssigen Strom aus den regionalen Windanlagen rund um Haßfurt ins allgemeine Stromnetz einzuspeisen. Im ersten Schritt solle Wasserstoff in einem Blockheizkraftwerk genutzt werden können und in einem zweiten Schritt solle Wasserstoff ins Erdgasverteilnetz mit zunehmender Konzentration eingespeist werden.

Die Besucher waren sehr fasziniert, beglückwünschten die Stadt zu dem innovativen Stadtwerk und nahmen viele Anregungen für ihre eigenen Kommunen mit.