Das Kind ist geboren. Am 29. September 2015 um 21.30 Uhr. In einem Wohnzimmer in Ebelsbach. Der Name: Bürgerinitiative Schule Ebelsbach e.V. Mit dabei: Sechs Eltern. Aufgebrachte Eltern von kleinen Schulkindern.
"33 Erstklässler gehen in Stettfeld zur Schule. Aber nur fünf davon kommen tatsächlich aus Stettfeld", erklärt Gründungsmitglied Kathrin Ziegler-Wadas. Die neu gegründete Bürgerinitiative will dafür kämpfen, dass "am besten über die Herbstferien alle Schulklassen von Stettfeld nach Ebelsbach umziehen", erklärt der neu gewählte Vereinsvorstand Philipp Zacharias.


Gehör verschaffen

Denn die Eltern sind im Juli davon überrascht worden, dass ihre Kinder nun tatsächlich in Stettfeld unterrichtet werden. "Auf dem Elternabend am 23. Februar im Bürgersaal hieß es noch, dass diese Entscheidung noch nicht getroffen wurde", sagt Zacharias. Und Gründungsmitglied Karin Kunzelmann, deren Tochter schon in die zweite Klasse geht, bestätigt das: "Ich dachte, meine Tochter würde nur ein Jahr in Stettfeld unterrichtet werden und dann umziehen."

Die Eltern hatten sich, nachdem klar war, dass die Kinder doch weiterhin in Stettfeld unterrichtet werden würden, schon im vergangenen Schuljahr zusammengetan. Sie haben Unterschriften dafür gesammelt, dass die Erstklässler vom Schuljahresbeginn an nicht in Stettfeld, sondern in Ebelsbach unterrichtet werden. 500 Unterschriften kamen bei der Aktion im vergangenen Schuljahr zusammen. Das Problem: "Keiner wollte die haben", sagt Zacharias. Der Rektor der Grundschule Ebelsbach, Winfried Schnitzer, habe, nach Aussage von Zacharias, nur angemerkt, "dass die Hälfte der Leute ja gar nicht wüsste, wofür sie da unterschreiben".


Keine Stellungnahme

Dem Fränkischen Tag gegenüber sagte Rektor Schnitzer: "Ehrlich gesagt möchte ich zu dieser Sache öffentlich keine Stellung nehmen." Er sei nicht der richtige Ansprechpartner. Außerdem "ist es seit sieben Jahren so, dass die ersten und zweiten Klassen in Stettfeld, die dritten und vierten in Ebelsbach unterrichtet werden."

Und auch beim Schulamt prallte die Aktion ab. In der Antwort-E-Mail, die der Zeitung vorliegt, heißt es: "Wir sind etwas verwundert! Haben Sie [Anm. der Red.: Philipp Zacharias] denn eine rechtliche Legitimation die ,Ebelsbacher Eltern' zu vertreten?" Das war der Schlüsselmoment. Denn mit der Gründung der Bürgerinitiative haben Zacharias und seine Mitstreiter sich eben diese nun aufgebaut.


Gründe für die Gründung

Die Bürgerinitiative Schule Ebelsbach führt bei ihrer Gründungsversammlung vielfältige Argumente dafür auf, warum es sinnvoller wäre, alle Schüler in Ebelsbach zu unterrichten. Die Schulkinder müssen beispielsweise nach der Schule rund 30 Minuten an der Haltestelle bei Wind und Wetter auf den Bus warten. "Das sind Erstklässler, die bald in der Kälte und im Schnee rumstehen", gibt Zacharias zu bedenken. Des Weiteren gehen Geschwisterkinder, obwohl an der gleichen Grundschule, in viereinhalb Kilometer voneinander entfernte Schulhäuser. Vor allem aber sei das in den 60er-Jahren gebaute Schulgebäude in Stettfeld nicht mit dem Ebelsbacher Schulhaus, das saniert wurde, zu vergleichen.

"Zwar hat uns der Stettfelder Bürgermeister extra eine Schulhausführung angeboten, doch überzeugen konnte uns das nicht", erklärt Zacharias. Stettfelds Bürgermeister Alfons Hartlieb (CSU) schildert den Grund für die Schulhausbesichtigung dem FT gegenüber etwas ausführlicher: "Das war eine riesen Sauerei eines Herrn Zacharias." Denn der habe, laut Hartlieb, behauptet, das Stettfelder Schulgebäude sei mit Asbest belastet. "Das Schulamt hat das sofort vom Gewerbeaufsichtsamt Würzburg prüfen lassen. Und was war? Nix. Alles sauber!"


Hartlieb versteht Aufregung nicht

Ganz klar ist Hartlieb nicht, warum sich eine Bürgerinitiative gegründet hat. "Das sind doch nur Begehrlichkeiten einzelner Bürger, deren Kinder jetzt eingeschult wurden. Und nun meinen die, dass die Situation geändert werden muss." Dabei werde schon im nächsten Schuljahr das ganze Thema sowieso zu den Akten gelegt, "da es doch eh einen Beschluss dazu gibt, dass die Schüler im nächsten Schuljahr in Ebelsbach unterrichtet werden und Stettfeld geschlossen wird", so Hartlieb. Das könne der Schulverbandsvorsitzende und Bürgermeister von Ebelsbach, Walter Ziegler (BNL), sicher bestätigen. Was er auch auf Nachfrage macht: "Ja, das haben wir so festgelegt. Und dazu stehe ich auch", erklärt Ziegler.

Und ein Umzug im laufenden Schuljahr? "Nein, das wird es nicht geben." Auch Hartlieb hält einen Umzug innerhalb des Schuljahres für unmöglich: "Es gibt ja auch Verträge, die eingehalten werden müssen."

Die Bürgerinitiative aber befürchtet, dass sie auch im nächsten Schuljahr wieder vertröstet würden. Hartlieb dazu: Selbst wenn er persönlich der Meinung ist, dass es durchaus zu überlegen gilt, Mittelschulklassen in Ebelsbach zu unterrichten. "Schließlich müssen diese Schüler aus der ganzen Verwaltungsgemeinde nach Eltmann gurken." Und Hartlieb daher auch der Bürgerinitiative vorwirft, "sozialen Unfrieden" zu schaffen. So sagt er dennoch: "Ich stehe zu dem Beschluss, daran lass ich mich auch messen."

Für die Bürgerinitiative Schule Ebelsbach würde die Arbeit aber nicht hinfällig werden: "Deswegen haben wir auch unseren ursprünglichen Namen Bürgerinitiative Schulhaus Ebelsbach geändert", erklärt Zacharias. Es gebe ja auch andere Themen, wie etwa die Sicherheit des Schulweges. "Wenn wir endlich den Schulweg haben, den wir wollen, dann machen wir ihn auch sicher."