Der Erfolg muss gefeiert werden: Gleich zwei Siegesfeiern stehen in den nächsten Wochen seitens der Bürgerinitiativen "Pro Natur Tonberg" (Kirchlauter) und "Wir gegen die Vier" (Reutersbrunn/Eichelberg) an. Nach dem Rückzieher der Projektgesellschaft GUT, die sich von den Plänen im Eberner Bürgerwald auf dem Tonberg vier Windräder aufzustellen, verabschiedet hat, melden sich die Kirchlauterer Aktivisten mit einer mehrseitigen Erklärung nochmals zu Wort.

Darin wird Lob und Tadel verteilt. Ironisch dürfte der Dank an den Vorsitzenden der Bürgerwald-Körperschaft, Altbürgermeister Robert Herrmann, gemeint sein, dessen Verdienste um die Ansiedelung des Schwarzstorches gerühmt werden, hat er doch vor Jahren zusammen mit Förster Wolfgang Gnannt im Bürgerwald Biotope für diese geschützte Art anlegen lassen. Die Rückkehr der Schwarzstörche, die in einem Gutachten der Bürgerinitiative nachgewiesen wurde, das auch vor der höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken anerkannt wurde, gab letztlich den Ausschlag für die eindeutige Stellungnahme der Regierung, wonach im Naturpark auf dem Tonberg keine Windräder genehmigt werden.

Trotz dieser klaren Aussage kommt die Regierung von Unterfranken in der BI-Stellungnahme nicht ungeschoren davon. Mehrfach hätten BI-Mitglieder Kontakt zu dieser Behörde aufgenommen, aber lange "nichts von der Aussichtslosigkeit einer Genehmigung gehört", heißt es in dem Schreiben etwas blauäugig: "Die offensichtlich schon lange absehbare Ablehnung des Vorhabens, kommt dann doch, vor allem in ihrer Deutlichkeit, überraschend ", meinen die Protestführer, die mit komplexen Genehmigungsverfahren bislang nicht so vertraut waren.


Kritik am Bund Naturschutz

Auch der Bund Naturschutz kommt in der Einschätzung der BI Tonberg schlecht weg. Etwaige finanzielle Überschüsse der Kirchlauterer Bürgerinitiative kommen daher auch der BN-Konkurrenz, dem Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB), sowie dem Kindergartenverein Kirchlauter zugute. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: "Merkwürdig erscheint die Mitteilung des Bund Naturschutz Ebern, der vor der entscheidenden Stadtratssitzung am 9. Juni keine Stellung zum Projekt bezogen, in jener entscheidenden Stadtratssitzung jedoch über seinen Verbandsvertreter Dr. Herbert Barthel verlauten ließ, dass die Wildkatzen sich schon an die Industrie-Giganten gewöhnen werden. Darin sähe der BUND kein Problem, auch nicht durch die umfangreichen Baumaßnahmen. Und jetzt, Monate nach dieser wichtigen Entscheidung im Juni, stellt man sich plötzlich wegen der Wildkatze gegen das Projekt, obwohl die Wildkatzenpopulation im Gebiet doch schon seit vielen Jahren bekannt ist", lautet der Vorwurf.

Auch die Eberner SPD erntet für einen Beitrag in ihrer Partei-Postille "Roter Eber" harsche Kritik, wonach es das "Dumme" sei, dass die 10-H-Abstandsregel nicht für Nachbargemeinden gelte. "Eine Verhöhnung unserer berechtigten Interessen." Wörtlich heißt es: "Und zu nichts anderem, auch wenn dies gerne vom Eberner Bürgermeister als Maßnahme zur Stärkung kommunaler Selbstbestimmung dargestellt wurde, diene die 10-H-Regel."

Laut Bayerischem Rundfunk wollte Ebern als erste Kommune in Bayern "die 10-H-Abstandsregel mit der Bauleitplanung umgehen". Eine Entscheidung, die von Anfang an einschloss, sich damit gegen die Vorstellungen der Nachbarn zu verhalten. Kirchlauter sei als am stärksten betroffene Kommune nicht befragt, sondern am 16. März vor vollendete Tatsachen gestellt worden. "Eiskalt wollte man durchentscheiden, den Willen der gleich am Anfang bereits gegen das Projekt votierenden Nachbarn ignorierend."

Und diese Kritik zielt auch auf die GUT-Verantwortlichen ab, die sich "völlig vergaloppiert" hätten: "Was der GUT-Gesellschaft anfangs noch mit vor allem eingebrachten Verkaufsargumenten an Überzeugung gelang (zunächst genehmigten die geradezu überrumpelten Räte), zerbröckelte langsam, aber unaufhaltsam an inhaltsreichen Gegenargumenten."

Dabei bleibe festzuhalten, dass der Sinn der GUT-Gesellschaft zu begrüßen sei. Auch wenn eklatante Fehler, die gemacht worden seien, und dies beginne bei der Organisationsform dieser Gesellschaft, in den letzten Monaten nicht gerade Vertrauen gefördert hätten.