Es war der Stolz der Eberner Feuerwehr und erst vor einigen Tagen beim Hersteller abgeholt worden. Bei einer Einweisungsfahrt geriet das mit drei Mann und einer Frau besetzte Kraftpaket mit 290 PS, 15,5 Tonnen und einem Allradantrieb auf der engen Ortsverbindungsstraße zwischen der Bamberger Kreuzung und Jesserndorf wegen Gegenverkehrs nach rechts ins aufgeweichte Bankett. Dort pflügten die rechten Reifen auf einer Strecke von rund 80 Metern den Straßenrand um, ehe das das nagelneue Löschgruppenfahrzeug, vor wenigen Tagen noch als "Wunderwerk der Technik" gepriesen, gegen die Sandstein-Brüstung der Brücke über die Preppach krachte und dann - fast schon stehend - nach rechts umkippte.


Kleines Feuerwehrauto kam entgegen

Dort blieb das Fahrzeug über dem Bach auf der rechten Fahrzeugseite an einer Baumgruppe hängen. Die vier Insassen, alle Eberner Feuerwehrleute, blieben unverletzt und befreiten sich selbst aus der misslichen Lage. Am Steuer hatte ein 25-jähriger, erfahrener Feuerwehrmann gesessen. Laut Polizei, die den Schaden auf rund 400 000 Euro schätzt, hatte der Löschwagen eben eine Rechtskurve durchfahren, als der Mann am Lenker ausgerechnet wegen eines entgegenkommenden Kleinbusses der FFW Jesserndorf nach rechts auswich und so ins Bankett geriet. Zu einer Berührung der beiden Feuerwehrzeuge ist es nach Polizeiangaben nicht gekommen.

Ihre Kollegen aus Ebern und den kleineren Stadtteilwehren, die zur Hilfeleistung und Verkehrsregelung herbei geeilt waren, schauten deprimiert drein, da eine Bergung aus eigener Kraft nicht möglich war. In dem Feuerwehrfahrzeug befanden sich noch gut 2000 Liter Wasser.

Die Bergung zog sich in die Abendstunden hin. Die futuristisch anmutende Rundumbeleuchtung sowie die Funkanlage funktionierten selbst nach dem Unfall noch. Der Schaden jedoch wird auf zirka 400.000 Euro geschätzt. Zur Bergung des Löschfahrzeugs wurde die Firma Badum aus Bamberg verständigt. Bis zur Bergung wurde die Straße durch die anwesenden Feuerwehren gesperrt.


Versicherungs-Police gefunden

Ob ein Versicherungsschutz besteht? Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) frohlockte am Sonntag: "Die Police ist da", nachdem er übers Wochenende seinen Verwaltungs-Chef kontaktiert hatte.

Noch am Donnerstag hatte der Feuerwehrreferent im Stadtrat, Dieter Gerstenkorn (CSU), darauf hingewiesen, dass jeden Tag Einweisungen stattfänden, um Fahrzeugführer, Maschinisten und alle Einsatzkräfte mit den vielen neuen Details vertraut zu machen. Beim Jahresabschluss-Essen des Stadtrates in unmittelbarer Nachbarschaft zum Feuerwehrhaus hatten sich die Stadträte von der intensiven Ausbildung selbst ein Bild machen können. Dabei war es um die Steuerung der Leuchtgiraffe auf dem Dach des Löschgruppenfahrzeuges gegangen. Die hing am Samstag nach dem Unfall gegen 12 Uhr in der stützenden Baumgruppe.

Nach dem Unglück erklärte Bürgermeister Herrmann: "Bei unserer Besichtigung des neuen LF 20/16 mit dem Bauausschuss merkte ich noch scherzhaft an: Ich hoffe, dass man dieses Fahrzeug nicht bei einer Einsatzfahrt zu einem Brandort, bei dem ein kleiner Christbaum im Vorgarten brennt, in den Graben fährt", weil der Eigenschaden dann um ein Vielfaches höher wäre als der behobene Brandschaden. "Nun ist das Unwahrscheinliche leider schon eingetreten. Auf einer Einweisungs- bzw. Übungsfahrt kam das Fahrzeug von der Fahrbahn ab und legte sich auf die Seite."

Herrmanns erste Reaktion, als ihn der Kommandant telefonisch informierte: "Aber bitte nicht mit dem neuen Fahrzeug?" Seine unmittelbare Anschlussfrage: "Sind Personen betroffen?" Im ersten Fall sei leider bejaht , die zweite Frage mit "kein Personenschaden" beantwortet worden.

Der Bürgermeister weiter: "Nachdem ich den Unfallort selbst besichtigt hatte, muss ich fast sagen, wenn es nicht das neue Fahrzeug gewesen wäre, hätten wir mit Sicherheit Personenschäden zu beklagen und das wäre tragisch. Nun können wir davon ausgehen, dass unsere Vollkasko-Versicherung den Schaden übernimmt und unsere Selbstbeteiligung leisten wir in einem solchen Fall gerne."

Schon beim Besichtigungstermin wies Herrmann darauf hin, dass die zunehmend hochtechnisierte Ausrüstung der Wehren sehr hohe Anforderungen an die Ausbildung und an die Führungskräfte stelle. "Zunächst aber dürfen wir froh darüber sein, dass bei allem Bedauern über den Schaden an Material keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Welche Schlussfolgerungen künftig zu ziehen sein werden, wird mit den Führungsdienst-graden der Feuerwehr intensiv beraten."

Mithilfe eines Autokrans eines Bergeunternehmens aus Bamberg wurde das Löschfahrzeug aus dem Graben gehoben, auf die Räder gestellt und anschließend nach Ebern in den Stadtbauhof geschleppt. Dort wird es solange untergestellt bleiben, bis feststeht, was mit dem Fahrzeug passiert. Nach der Bergung zeigten sich Feuerwehrleute und Vertreter des Eberner Stadtrates zuversichtlich, dass eine Reparatur vielleicht möglich sei.

Die Weihnachtsfreude bei der Eberner Feuerwehr ist nach dem Unglück natürlich getrübt, hatte man doch jahrelang auf den Kauf des neuen Löschfahrzeugs gewartet und war nun glücklich und stolz, ein hoch modernes Einsatzfahrzeug am Standort zu haben. Erst am 11. Dezember hatten Mitglieder der Stützpunktfeuerwehr das Fahrzeug in Leonding in Österreich abgeholt und nach Ebern gebracht. Es wäre im Januar in Dienst gestellt worden, bis dahin sollten alle Feuerwehrleute auf das Fahrzeug eingewiesen sein und die Fahrer erste Übungsfahrten absolviert haben.

Markus Appel, Kommandant der Feuerwehr Ebern, zeigte sich am Unglücksort froh darüber, dass seinen Kollegen nichts passiert ist. Es sei vielleicht sogar in gewisser Weise Glück gewesen, dass das Missgeschick mit dem neuen Löschfahrzeug passiert ist und nicht mit dem alten, Baujahr 1982. Denn im neuen befinden sich Drei-Punkt-Gurte, mit denen die Insassen gesichert waren. Im alten Löschfahrzeug gibt es keine Gurte. So ist laut Appel nur Blechschaden zu beklagen und kein Personenschaden. "Wären die mit dem alten Löschfahrzeug so verunglückt, hätte es vielleicht Tote gegeben", sagte ein anderer Feuerwehrmann.

An die Unfallstelle waren mit Kreisbrandinspektor Rudi Lübke und Kreisbrandmeister Thomas Habermann zwei Vertreter der Dienstaufsicht geeilt. Auch Feuerwehr-Seelsorger Sven Stefan aus Ebern leistete vor Ort Beistand.