Sehr vernünftig endete ein Strafprozess vor dem Haßfurter Amtsgericht wegen Beleidigung. Ein 61-jähriger Rentner sah ohne weiteres ein, dass der von ihm verwendete "fränkische Ausdruck: du Aff!" nicht in Ordnung war. Er entschuldigte sich im Gerichtssaal in aller Form per Handschlag bei dem so Titulierten. Dieser nahm die Entschuldigung von Mann zu Mann an. Für die Juristen war das ein sogenannter Täter-Opfer-Ausgleich und die Sache somit vom Tisch.

Bei dem Verfahren ging es um einen Vorfall, der sich heuer am 23. September, es war ein Dienstag, auf dem großen Busplatz vor dem Haßfurter Schulzentrum ereignet hat. Der im Maintal wohnende Angeklagte war nachmittags gegen halb vier mit seinem Auto dorthin gefahren, um seinen Enkel abzuholen. Da er schon ziemlich spät dran war und jeden Moment damit rechnete, dass der Schüler aus dem Gebäude kommen würde, fühlte er sich ziemlich gestresst.

Von daher wollte er nur kurz auf der gekennzeichneten Sperrfläche halten. Aber kaum hatte er gestoppt, sprang ein Parkplatzwächter vor seine Kühlerhaube und machte ihm unmissverständlich klar, dass er hier nicht halten dürfe. Der Fahrer ließ den Motor an und fuhr ein kleines Stück weiter, befand sich aber noch immer in einer Halteverbotszone.

Sofort war der zur Busaufsicht eingesetzte Mann (59 Jahre) zur Stelle und zückte seinen Block, um das Nummernschild zu notieren. Der Aufpasser schilderte im Zeugenstand, dass es seine Aufgabe sei, darauf zu achten, dass sich auf dem Schulplatz die Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten, dass keine Hunde herumstreunen, dass niemand seine Kippen wegschmeißt - mit einem Wort, dass eben Ordnung herrscht. Dabei, so klagte er, werde er "ständig" von uneinsichtigen Autofahrern beleidigt.

Einspruch gegen Strafbefehl

Aufgrund der Anzeige des Beleidigten bei der Polizei erhielt der bis dahin völlig unbescholtene 61-Jährige am 14. November 2014 Post vom Staatsanwalt. Laut Strafbefehl sollte er eine Geldstrafe von zehn Tagessätzen à 20 Euro bezahlen. Weil er dagegen Einspruch einlegte, ist die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt angesetzt worden.

Mit der Entschuldigung zeigten sich auch Staatsanwalt Christian Lang und die Amtsrichterin Ilona Conver einverstanden. Der Strafbefehl war damit hinfällig. Dieser in der Juristensprache als Täter-Opfer-Ausgleich bezeichnete Vorgang gilt als natürlichste Form der Konflikt-Beilegung. Für eine Ausgleichshandlung zwischen Täter und Opfer - ob das eine persönliche Entschuldigung ist oder eine Wiedergutmachung - bedarf es nicht immer der richterlichen Staatsgewalt.