Wie sich die Trauben übers Jahr bis zur Ernte entwickeln, kann der Winzer zwar beeinflussen, aber eine große Rolle spielt dabei eben auch das Wetter. Da gibt es nicht allzu viel zu regulieren. Wasser könnte man in den Weinberg bringen, wenn es zum Beispiel so trocken und heiß war wie im Jahr 2015, aber das ist sehr aufwändig und lässt sich bei größeren, sehr steilen Hängen kaum bewerkstelligen. Mehrere Wochen wäre er damit beschäftigt gewesen, erklärt Florian Mühlfelder. Der 33-jährige Zeller ist Winzer im Nebenerwerb, geht noch einer Arbeit im Angestelltenverhältnis nach und ist seit über einem Jahr Vater. Da wird die Zeit schon mal knapp.


Wie der Wein werden soll

Trotzdem hat er einen Teil seiner Reben bewässert, insgesamt ging es darum, das Beste aus den Pflanzen herauszuholen und 2015 gab es viel Sonne, die Ernte startete im September und zog sich bis in den warmen Spätherbst im Oktober. Mit den Trauben konnte man viel anfangen. "Man hat natürlich eine gewisse Vorstellung, wie ein Wein werden soll", sagt Mühlfelder. Der 33-Jährige hat jetzt im März damit angefangen, den Jahrgang 2015 abzufüllen und er wurde nicht enttäuscht: Es seien einige viel versprechende Tropfen dabei, durch ausdauernden Sonnenschein haben sich besondere Aromen entwickelt. Allerdings zahlt der Winzer dafür einen Preis, denn die Ernteeinbußen waren laut Mühlfelder hoch wegen der Trockenheit. Im vergangenen Jahr hat der Zeller etwa 70 Hektoliter pro Hektar geerntet, in einem normalen Jahr sind es etwa 85 Hektoliter. Solche Ernteeinbußen könne er nicht jedes Jahr verkraften, allerdings ist die Devise klar: Qualität vor Quantität. Die Rebstöcke in seinen Anlagen am Zeller Schloßberg hätten zwar mehr Früchte entwickeln und tragen können, das wäre aber dem Aroma nicht zuträglich gewesen.

Diesen Weg der Qualität geht übrigens die Mehrzahl der Winzer im Kreis Haßberge beziehungsweise in ganz Franken. Das war nicht immer so, erinnert sich Mühlfelder, der Ende der Neunziger Jahre während seiner Lehrzeit die Maxime mit auf den Weg bekommen hatte, dass die Qualität entscheidend sei, nicht die Menge. Die fränkische Weinwirtschaft steckte damals in einer Krise, der Wein verkaufte sich nicht gut. Der Sinneswandel zeigte Wirkung, der fränkische Weinbau ist wieder erfolgreich. Das sei auch einer der größten Trümpfe in der Region, findet Mühlfelder. "Wir haben viele kleine Orte mit kleinen Winzern, die individuell anbauen", sagt der Zeller. Das verleihe den Weinen Charakter.


Preislich leichte Veränderungen

Roger Nüsslein, der Vorsitzende des Weinbauvereins Haßberge, freut sich trotz der allgemeinen Ernteeinbußen von 20 bis 30 Prozent über die Ergebnisse des Weinbaujahres 2015. "Reife, aromatische Trauben geben einfach guten Wein", sagt der Zeiler Winzer. Seine Weine und auch die Weine der Kollegen, mit denen er gesprochen hat, haben geschmacklich überzeugt. 2016 sei "durch die Bank ein sehr guter Jahrgang". Preislich verändert sich an den Weinen nicht viel, die Ernteausfälle könnten nicht in Form von 30 Prozent Aufschlag an die Kunden weitergegeben werden. Pro Flasche sei allenfalls mit einer Preissteigerung von 20 bis 30 Cent zu rechnen. Das sei aber "im Verhältnis zur Qualität mehr als berechtigt".