Einst wurde dort getanzt, später gebetet. Künftig aber soll sich hier alles um Naturwissenschaften drehen: Ein kleines Gebäude am Salzmarkt in Königsberg wird nach Plänen der Stadt zum Bildungs- und Ausstellungsort für die Bereiche Mathematik und Astronomie. Das geht aber nicht ohne die Unterstützung des Landkreises, denn "die Haushaltskasse ist mau", erklärte Bürgermeister Erich Stubenrauch (FW) am Donnerstag vor dem Kreistag-Wirtschafts- und Tourismusausschuss, der darüber abstimmen sollte, ob der Landkreis das Vorhaben finanziell mittragen will. Und prompt gab es harsche Kritik von einem einzelnen Ausschussmitglied, dem die ganzen Pläne noch zu unausgegoren waren, um bereits jetzt darüber abstimmen zu können.

Einzug der Naturwissenschaften


Was hat die Stadt Königsberg vor? Ein karger Saal mit Empore und Dachgeschoss soll wieder zu einem Treffpunkt werden, wie er es früher einmal war: Als ehemaliger Teil einer Gastwirtschaft kamen die Bürger damals zum Tanzen in das Gebäude am Salzmarkt 2. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Bau vorübergehend höheren Zwecken und wurde von der neuapostolischen Kirche als Not-Gotteshaus genutzt. Jetzt könnten darin in ein paar Jahren die Naturwissenschaften Einzug halten.

Die Königsberger wünschen sich das, weil sie ihren berühmtesten Sohn würdigen wollen: Johannes Müller, einer der bedeutendsten Mathematiker und Astronomen des 15. Jahrhunderts, wurde 1436 in der kleinen unterfränkischen Stadt geboren. Den Namen seines Heimatortes trug er in die Welt hinaus: Später wurde der Gelehrte gemeinhin "Königsberger" genannt, in latinisierter Form: "Regiomontanus" (Regio steht für König, Montanus für Berg).

Große Ziele


Mit Johannes Müller als Zugpferd könnte die Stadt also ein Zentrum für mathematische und astronomische Bildung schaffen, in dem insbesondere Schüler, aber auch Erwachsene ihren Kenntnisstand in Sachen Naturwissenschaft erweitern sollen. Dass es den Königsbergern ernst ist, zeigt sich auch daran, dass ein Förderverein gegründet wurde, der das Vorhaben finanziell und planerisch unterstützt. Mit aufwendigen Marketingmaßnahmen soll das "Regiomontanum" genannte Projekt zudem in ganz Deutschland bekannt gemacht werden.

Am Donnerstag nun stellte Veronika Ullsperger vom Regionalmanagement des Landratsamtes Haßberge ein erstes Kosten- und Finanzierungskonzept vor: Etwa 357.000 Euro würde das Vorhaben kosten. Maximal 150.000 Euro könnten durch die Europäische Union über "Leader", ein Förderprogramm für die Entwicklung des ländlichen Raums, gedeckt werden. Übrig blieben 207.000 Euro, die der Landkreis Haßberge und die Stadt Königsberg je zur Hälfte bezahlen sollen. Viel zu vage, fand Emil Däschner (SPD). "Da ist eine Kostenschätzung da, die beruht nicht auf einem Planungskonzept. Aber schätzen kann ich doch erst mit einem Planungskonzept", monierte er.

Die Katze im Sack


Landrat Rudolf Handwerker (CSU) entgegnete: "Um den Leader-Antrag in Gang zu bringen, muss es schnell gehen." Die Förderung sei nur möglich, wenn der Landkreis bereit ist, sich am Konzept zu beteiligen. Außerdem betrage der Landkreiszuschuss 50 Prozent am Eigenanteil der Stadt Königsberg, sei aber auf maximal 103.500 Euro festgelegt. Däschner ließ nicht locker: "Ich sehe das ganz anders. Ich kauf' doch keine Katze im Sack." Solange keine anständige Planung da sei, mit der sich die Kosten realistischer abschätzen ließen, sei das nicht zu befürworten. "Ich will nicht, dass wir Berliner Flughafen-Verhältnisse haben", warnte er. Seine Kollegen im Ausschuss sahen das weniger dramatisch: Mit Däschners Gegenstimme wurde das Regiomontanum bewilligt.