Sie will keine Radikale sein. Sie liebt die Tiere, die Menschen ebenso. Sie vertritt ihre klare Meinung, ist aber keine Verfechterin einer Patentlösung für das große Ganze. Sie ist Vegetarierin, weiß aber, dass der Büffel dazu da ist, die Menschen - vor allem die noch überlebenden Indianer - zu ernähren. Elke Dürr geht es um das "Wie" und das "Wir". Zwei Worte, eine große Herausforderung - kein Kampf, sondern eine Verantwortung, der sich die 50-Jährige stellen will.

Elke Dürr hat fast die Hälfte ihres Lebens in Ebern verbracht. Im Ortsteil Eichelberg ist sie aufgewachsen. Einige Zeit hat sie als Logopädin gearbeitet. Sich nebenbei immer noch für den Naturschutz engagiert, um dann irgendwann zu beschließen: Ich wandere aus. "Die Kulturlandschaft ist nicht so meins, irgendwas hat mir hier immer gefehlt", sagt Dürr. Ihr war es zu viel von "Was braucht der Mensch?" und zu wenig von dem, "Was brauchen andere?".

Von Profis hat sie sich die wichtigsten Kniffe von Film und Fotografie beibringen lassen und zog los - oder erst einmal aus.


Leben in Nordamerika

Luchs, Wolf, Vielfraß, Grizzly-Bär - die haben es ihr angetan. Und ganz aktuell die Büffel. Wilde Tiere eben. Und zwar solche von der freilebenden Spe-zies. All diese Raubtiere haben in Nordamerikas Wäldern noch einen Platz. Noch, denn auch hier haben die Tiere mit dem Überleben zu kämpfen.

Seit 28 Jahren lebt Elke Dürr in Nordamerika. Hat sich selbstständig gemacht, ist Filmemacherin, Umweltschützerin, Fotografin, hat die "Web of life foundation" gegründet (W.O.L.F.). Die Frau, der im Laufe des Gesprächs immer weniger englische Wörter über die Lippen kommen, trägt langes, offenes Haar. Ihre Augen sind eisblau, sie blickt ihrem Gegenüber tief in die Seele, wie es scheint. Wenn sie spricht, sprechen ihre Hände und Arme mit.
Mal ist sie im Team unterwegs, mal ganz alleine. Dann trifft sie auch mal auf einen Grizzly-Bären.

"Wir haben uns in die Augen gesehen und beide über Bord geworfen, was uns unsere Mütter gelehrt haben", sagt Dürr. Sie meint damit die Angst voreinander. Das entscheidende Gefühl, das ihrer Erfahrung nach Menschen veranlasst, Tiere wie einen mexikanischen Grau-Wolf zu erschießen, auszurotten. Elke Dürr ist davon überzeugt: Wölfe sind nicht gefährlich, nicht für den Menschen. "Es ist eine Projektion", sagt sie. Ja, ein Wolf würde vielleicht mal ein Tier reißen, aber auch dann würde er sich ein krankes Tier raussuchen. Und somit im Umkehrschluss die Herde gesund halten.

Für Dürr ist das ein Geben und ein Nehmen, das zwischen den Tieren meist immer noch gilt, von den Menschen aber ins Ungleichgewicht gebracht wurde. "Uns hat die Dualität in die Pfanne gehauen", sagt die Naturschützerin. "Tiere werden entweder verniedlicht oder verteufelt." Für Dürr gibt es nicht nur entweder oder und deshalb auch kein Lieblingstier. Sie ist der Meinung: "Wir Menschen können nicht einfach ein Tier ,rausnehmen‘, wir sind nicht die Krone der Schöpfung." Im Gegenteil: "Wir sollten eigentlich die Hüter der Schöpfung sein."


Wölfe sind Familientiere

Wenn Elke Dürr über Wölfe spricht, redet sie nicht vom Rudel. Sondern von Familie. Doch nur wenige, sagt sie, sehen hinter dem erschossenen Tier die Mutter oder den Vater, das es gleichzeitig auch war.

Dass viele Menschen Angst vor den Tieren haben, hängt für sie auch mit der Vergangenheit zusammen. Die Sagen und Gruselgeschichten (aus früheren Tagen) stellen die Raubtiere eben als "die Bösen" dar.

Deshalb arbeitet sie bei ihren Aktionen erst einmal an der Angst, erzählt sie. Bei Kindern sei das noch besonders fruchtbar, weil sie noch eine Verbindung zu den Tieren haben, die Instinkte noch intakt sind, sagt Dürr. Mit allen Sinnen lässt sie bei ihren Aktionen die Menschen den Wald erleben - fühlen, riechen, hören. Eine Erkenntnis ist der Naturliebhaberin besonders wichtig: "Es ist noch nichts verloren." Geht es nach ihr, müssen die Menschen jetzt darauf achten, wie sie weitermachen. Dürrs Rolle kann dabei sein, die Leute darauf aufmerksam zu machen, zu sagen: "Guck mal, es gibt noch was anderes."