"Wir halten länger durch, deshalb fangen wir schon früher an", erklärt Maria Weber lächelnd beim Wirtshaussingen, mit dem der örtliche Seniorenkreis die 900-Jahr-Feier des Marktes Prölsdorf quasi eröffnet hat. Damit das Fest gut gelingen kann, müsse es "klaa anfang", meinte sie im Gespräch mit Berthold Moser und Frank Schilling vom Festkomitee, die natürlich auf einen Kaffee beim Wirtshaussingen der Senioren vorbeischauten - im Gepäck das Ortsbuch, das zum 900. Jubiläum entstanden ist.

Aus ganz Rauhenebrach sind dieser Tage die Senioren nach Prölsdorf gekommen, wo es am Wochenende richtig hoch her geht. "Natürlich sind wir an den Festtagen dabei", erklärt die frühere Kreisbäuerin Rosl Stahl. Neben ihr sitzt Vroni Eck, mit 92 Jahren die älteste Prölsdorferin, die sich ebenfalls auf das Fest freut.

Berthold Moser hat das Dorfbuch mitgebracht. Eineinhalb Jahre lang haben fast 30 Prölsdorfer an diesem Werk gearbeitet, das die Geschichte und die Gegenwart des geschichtsträchtigen Ortes beleuchtet. Auf den 464 Seiten findet sich auch "ein Bild von jedem Anwesen in Prölsdorf", erklärt Berthold Moser, bei dem das Buch ab sofort käuflich zu erwerben ist.

Zwei Seiten sind vorerst leer geblieben. Denn die Kirchenrenovierung liegt noch in den letzten Zügen. Zum Fest am Wochenende soll Sankt Sebastian aber in neuem Glanz erstrahlen, die Orgel fertig sein - und dann werden zwei Fotos "geschossen", die dann noch eingeklebt werden können. Der Orgelbauer Thomas Eichfelder arbeitet unter Hochdruck, sortiert die Orgelfpeifen für den Einbau. Am Montag soll ein Orgelkonzert stattfinden - momentan ist es noch spannend.

Vier Tage lang feiert Prölsdorf die urkundliche Ersterwähnung des Ortes vor 900 Jahren und das 250. Jubiläum der Kirche Sankt Sebastian. Das Festwochenende beginnt am Freitag, 12. August, mit einem Damen-Fußballspiel des SC Prölsdorf, das um 18 Uhr angestoßen wird. Ab 21 Uhr gibt es Tanz und Unterhaltung im Festzelt mit "One Last Sunset".

Der Kirchweihbaum wird am Samstag, 13. August, um 15 Uhr aufgestellt; den offiziellen Bieranstich vollführt der Schirmherr Bürgermeister Matthias Bäuerlein um 18 Uhr, umrahmt von der Heimatkapelle Prölsdorf. Zum Bieranstich wird die bayerische Bierkönigin Sabine-Anna Ullrich (22-jährige Krankenpflegerin aus Bürgstadt) erwartet. Den Stimmungs- und Unterhaltungsabend gestalten die Trunstadter Musikanten im großen Festzelt, das am Sportgelände seit einer Woche steht.

Der Sonntag beginnt um 9.30 Uhr mit einem Sternmarsch zum Kirchenvorplatz, wo ab 9.45 Uhr Domdekan Prälat Günter Putz den Festgottesdienst zelebriert. Die Ortsdurchfahrt Prölsdorf ist am Sonntag von 9 bis 11.30 Uhr gesperrt. Eine örtliche Umleitung ist eingerichtet, teilte die Gemeinde mit. In einem festlichen Zug geht es nach der Messfeier zum Festzelt, wo Mittagessen vorbereitet ist. Um 13 Uhr stellt die Dorfgemeinschaft die Chronik vor, präsentiert eine dazugehörige Ausstellung und bietet Führungen an. Um 14 Uhr findet in St. Sebastian ein Orgelkonzert mit Einlagen der "Sängerlust" Prölsdorf statt. Um 17 Uhr steigt der Wettbewerb der Rauhenebracher Gemeindeteile unter dem Motto "Spiele der Vorzeit". Um 18.30 Uhr folgt ein Fußballspiel der Prölsdorfer Ersten Mannschaft gegen Vorra. Ab 20 Uhr spielt die Musikgruppe "Tutti Frutti" zum Tanz und zur Unterhaltung auf.

Der Feiertag "Mariä Himmelfahrt" am Montag beginnt um 8.45 Uhr mit einem Festgottesdienst mit Kräuterweihe. Ein Politischer Frühschoppen mit Weißwurstfrühstück schließt sich ab 10 Uhr an. Dazu kommt die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Um 14 Uhr wird ein weiteres Damenfußballspiel angepfiffen und ab 16 Uhr musiziert Ludwig Behr zum Festausklang.

Prölsdorf, heute ein Teil der Gemeinde Rauhenebrach, gilt als ein geschichtsträchtiger Ort. Das zeigt ein Blick in die Historie. Schon um 800 gab es im Steigerwald eine Slavensiedlung. In Pfarrbüchern von Burgebrach ist Prölsdorf schon 814 erwähnt, die erste urkundliche Erwähnung jedoch nennt 1116 den Ort "Brellendorf" zwischen Theinheim und Halbersdorf.

Der Ritter Kuhn von Herbilstatt beschreibt 1445 seine Burg in Prölsdorf, 1496 wird von "Schloß Prölsdorf" gesprochen. Im Bauernkrieg erhoben sich auch die Prölsdorfer und zerstörten im April 1525 die Burg.
Oft wechselten die Herren in Prölsdorf und in den urkundlichen Erwähnungen ging es meist um Fischwasser und Jagdrechte.

1599 errichtete Fürstbischof Julius Echter die erste Schule in Prölsdorf, 1604 im Februar auch das Dorf-Helf- und Gastgericht, nachdem es 1601 in einer Gastwirtschaft eine tödliche Messerstecherei gegeben hatte. Die Errichtung dieser Gerichtsbarkeit beschwor einen Streit mit der Bamberger Regierung herauf.

1614 berichtet die Chronik von einem Hagel-Gewitter mit großem Schaden durch "Stein wie Hühnereier". Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden im Tal der Rauhen Ebrach Österreicher, Schweizer und Pfälzer angesiedelt. 1678 wurde die Zehntscheuer in Prölsdorf errichtet und 1705 das Amtsgebäude, das heutige Pfarrhaus.
Immer wieder scheiterte ein Kirchenneubau am fehlenden Geld. 1765 wurde schließlich die alte Kirche abgebrochen, die Pfarrkirche St. Sebastian im folgenden Jahr neu errichtet.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte Prölsdorfs ist das Jahr 1777, als Adam Friedrich von Seinsheim, Bischof von Würzburg und Bamberg, der Gemeinde Prölsdorf das Marktrecht verlieh. Vier Jahrmärkte und vier Viehmärkte wurden auf gewisse Tage festgelegt. Heute gibt es in Prölsdorf den Ostermarkt am Ostermontag, der die Besucher in Scharen in den Steigerwald lockt.

Nachdem 1804 die Centgerichte aufgehoben worden waren, wurde 1819 auch das Landgericht Prölsdorf aufgelöst. Der bekannte Landrichter Kummer, der einst das Grundbuch "erfunden" hatte, siedelte mit dem Landgericht nach Eltmann um. Die vier Viehmärkte wurden 1841 eingestellt, die vier Jahrmärkte hingegen waren weiter gut besucht.

Heute ist Prölsdorf ein Gemeindeteil von Rauhenebrach, der stolz auf seine Geschichte blickt. Das Kirchenumfeld wurde mit viel Eigenleistung der Bevölkerung aufgewertet und neu gestaltet. Die Prölsdorfer sind außerordentlich aktiv in den Vereinen von Blaskapelle über Sportverein und Feuerwehr bis zur Theatergruppe. Eine wesentliche Rolle im Ortsgeschehen hat auch der "Mondscheinclub", der viel mehr als ein Stammtisch ist.

Einen Ruf über die Gemeindegrenzen hinaus hat das jährliche Musikfestival "Krach am Bach". Viele Gäste sind überrascht von den vielen Gewerbetreibenden, von der Ferienwohnung über die Gastronomie bis zu Handwerksbetrieben, wenn sie dann erfahren, dass Prölsdorf lediglich 270 Einwohner hat.