Der Himmel hatte seine Schleusen weit geöffnet, als am Sonntagnachmittag in Eckartshausen das 250. Jubiläum der Dorfkirche gefeiert wurde. Der Kircheneingang war mit Birken und weiß-lila farbenen Fähnchen geschmückt, wie sie auch im gesamten Ort zu sehen waren. Zweieinhalb Jahrhunderte steht die Kirche in dem kleinen Ort, knapp einen Kilometer von der ehemaligen Grenze zur DDR gelegen, der im Mai 1978 seine politische Selbstständigkeit verloren hat und in die Marktgemeinde Maroldsweisach eingegliedert worden ist.
Pfarrer Martin Popp-Posekardt zeigte sich erfreut, dass das Gotteshaus an seinem Geburtstag in ganzer Pracht erstrahlte. "Die Eckartshäuser haben es dazu so richtig raus geputzt, es ist ein kleines, aber feines Kirchlein", sagte der Geistliche. Eigentlich sei die Kirche, eingeweiht im Jahr 1764, schon 252 Jahre alt.


Dankbarer Anlass

Zu Geburtstagen komme er gerne, sagte Dekan Jürgen Blechschmidt, der die Predigt hielt. Jubilare würden sich über einen Besuch freuen, ein Jubiläum sei stets ein angenehmer Anlass. "Heute besuche ich eine Kirche zum Geburtstag, die Regenschirme, die Sie mitgebracht haben, sehen lustig aus vor der Kirche, schön, dass sie trotz der Wetterunbilden gekommen sind", sagte er. Er fand es schade, dass die Eckartshäuser Kirche nichts erzählen könne.

Sie könnte, wie der Dekan meinte, sicher von schönen und schweren Zeiten berichten, von vielen verschiedenen Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte Gottesdienst gefeiert haben. "Seit 250 Jahren kommen Menschen in diese Kirche, die auf Gottes Barmherzigkeit vertrauten", sagte Blechschmidt. 250 Jahre Kirche seien Grund für ein Dankgebet. Dank sagte er auch dafür, dass immer wieder Menschen für die Kirche gearbeitet haben und arbeiten.


Aus dem leben gegriffen

Ein Grußwort sprach, als Beitrag zur Ökumene, Pater Konrad Pichler aus Pfaffendorf. Er bewundere die kleinen fränkischen Dörfer, die alle eine Kirche und einen Friedhof hätten und Wert auf eigenständige Kultur legen würden, sagte er. "Der Ort Eckartshausen identifiziert sich mit seiner Kirche und das ist gut so", sagte Pichler. Bürgermeister Wolfram Thein (SPD) dankte den Eckartshäusern. In der Kirche komme zur Sprache, was Menschen bewege. Dass die Kirche gut erhalten bleibt, darauf hätten die Bürger des Ortes schon immer großen Wert gelegt. "250 Jahre Kirche Eckartshausen ist ein großes Ereignis für eure kleine, aber rührige Gemeinde und ohne eine gut funktionierende Gemeinde und eineNm rührigen Kirchenvorstand würde das Gotteshaus nicht so dastehen, wie es sich an seinem Geburtstag zeigt", sagte der Bürgermeister. Er überreichte ein Präsent an Kirchenvorstand Hans Merz. Dekanatskantor Matthias Göttemann begleitete den Gottesdienst an der Orgel und gab ihm einen würdigen musikalischen Rahmen.


Der erste Eindruck

Bevor sich die Besucher des Festgottesdienstes auf den Weg zum örtlichen Schützenhaus machten, erinnerte sich Pfarrer Popp-Posekardt kurz an die Zeit, als er mit seiner Frau in die Kirchengemeinde kam. "Wir waren beide von der kleinen Kirche und dem Ort in dem 120 evangelische Christen leben, begeistert. Wir haben schnell gespürt, dass man hier zusammenhält und wir haben Solidarität erfahren." Froh sei man in der Pfarrgemeinde Maroldsweisach, dass Eckartshausen den "Marokanern" zur Seite stehe.

Im Schützenhaus zeigte der Pfarrer bei Kaffee und Kuchen mittels einer Präsentation Stationen der Geschichte der 250 Jahre alten Kirche auf. Er verwies auf das Kirchenbuch, welches von Johann Georg Arnold zur Einweihung im Jahr 1764 gestiftet wurde, wonach das "Kirchlein" in diesem Jahr neu im spätgotischen Stil erbaut wurde.


Seltene Predigten

Viele Jahre habe die Kirche zur Pfarrei in Altenstein gehört. "Der Pfarrer kam damals nur sechsmal im Jahr zur Predigt herüber", so der Geistliche. Die übrigen Sonntage habe der Lehrer Lesepredigten gehalten. Pfarrer Popp-Posekardt erinnerte an die Pfarrer, die bis in die Gegenwart hinein für Eckartshausen zuständig waren und erinnerte mit Fotos an verschiedene Begebenheiten "rund um die Kirche" in Eckartshausen. Eine Schlussandacht im Schützenhaus am frühen Abend mit dem Gesangverein Concordia Maroldsweisach beendete den festlichen Tag.