"Das Schöne an der ehrenamtlichen Tätigkeit ist, dass man anderen Menschen helfen kann. Insofern sind die Rettungs- und Hilfsorganisationen sehr gute Einrichtungen. Doch für mich ist die wunderbare Kameradschaft, die ich beim THW erlebe, das höchste Gut." Mit diesen Worten beschreibt der Ortsbeauftragte des THW Haßfurt, Christian Günther aus Knetzgau, warum er sich seit 28 Jahren im Ehrenamt engagiert. Zusammen mit weiteren 68 Frauen und Männern erhielt er in einer Feierstunde im Landratsamt Haßberge in Haßfurt die Goldene Ehrenamtskarte und die Dankurkunde des Landkreises.

Mit 17 Jugendbetreuer

Christian Günther besuchte schon im Alter von zehn Jahren die Jugendgruppe des THW, angeregt durch seine beiden älteren Brüder, die damals bereits der Hilfsorganisation angehörten. "Die Jugendgruppe hat mich schnell begeistert und so habe ich mit 17 Jahren die Ausbildung zum Jugendbetreuer absolviert", so der Geehrte, der die Jugendgruppe ein paar Jahre führte, dann zwei Jahre als Zugführer tätig war und seit 2005 Ortsbeauftragter ist sowie als Fachberater des THW und bei Kontakten mit anderen Behörden und Organisationen das THW vertritt.

"Dass ich meine Funktion so gerne wahrnehme, hängt auch damit zusammen, dass die Zusammenarbeit unter den Rettungs- und Hilfsorganisationen, dem Landratsamt, der Stadt Haßfurt und der Polizei so hervorragend funktioniert und vieles aufgrund der guten Beziehungen auf dem kleinen Dienstweg erledigt werden kann", erklärte Christian Günther. "Gerade, wenn eine Schlechtwetterfront oder ein außergewöhnlicher Dauerregen gemeldet wird und die Koordination untereinander funktionieren muss, ist es hilfreich, dass sich die Führungskräfte schon vor eventuellen Einsätzen absprechen und im Voraus planen." Erst in jüngster Zeit habe es eine solche vorbildliche, vorausschauende Zusammenarbeit gegeben. "Weil die Wässernach in Wülflingen derzeit neu gestaltet wird, wurde der Bachlauf ein Stück weit verrohrt, um ungehindert im und am Bachbett arbeiten zu können. Doch in dieser Zeit wurde ein starker Regen erwartet. Die Feuerwehr Haßfurt hatte Bedenken, dass das Rohr nicht das gesamte Wasser aufnehmen könnte und die angrenzenden Häuser bedroht gewesen wären. Also haben sie bei uns vorsorglich Sandsäcke angefordert und für den Ernstfall gelagert", so der Ortsbeauftragte des THW. Seine "stets offene Art, sein über das normale Maß hinausgehendes Engagement, seine Bereitschaft, sich in Lehrgängen weiterzubilden, und seine großen menschlichen Qualitäten" würdigte das THW bereits mit der Verleihung des Ehrenzeichens in Bronze.

Dazu befragt, was er von der Verleihung der Ehrenamtskarte und der entsprechenden Feier halte, antwortete Christian Günther: "Ich halte das für eine gute Geschichte. Es ist schön, dass ehrenamtlich Tätigen eine Wertschätzung entgegengebracht wird und die Bevölkerung erkennt, dass ein solches Engagement nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile hat. Es ist gut, dass darüber berichtet wird, nach dem Motto: tue Gutes und sprich darüber. Vielleicht wird ja dadurch auch der eine oder andere dazu angeregt, auf den Zug des Ehrenamts aufzuspringen."


Respekt und Anerkennung

"Dass Sie, die Sie oft eher im Stillen wirken, heute im Rampenlicht stehen und dass Ihr Engagement heute Abend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt wird, haben Sie mehr als verdient. Denn ohne Sie wäre unser Landkreis weniger lebens- und liebenswert." Mit diesen Worten und mit der Verleihung der Goldenen Ehrenamtskarte sowie der Dankurkunde des Landkreises zollte Landrat Wilhelm Schneider in einer Feier zum Tag des Ehrenamtes im Landratsamt Haßberge 69 Frauen und Männern Respekt und Anerkennung.

Denn die Mitglieder des THW, der Freiwilligen Feuerwehren und des Bayerischen Roten Kreuzes setzen viel Zeit und Energie ein, um ehrenamtlich anderen Menschen zu helfen. Der Landrat betonte, dass die Gesellschaft ohne solche Menschen nicht funktionieren könne. Er ging sogar soweit, zu sagen "Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens, viele Vereine und Institutionen würden nicht mehr existieren. Insofern bringt die ehrenamtliche Arbeit ein großes Stück Lebensqualität für uns alle." Daher habe der Kreistag 2012 die Bayerische Ehrenamtskarte eingeführt. "Ich bin sehr froh, dass wir bei uns im Landkreis so ein vielfältiges Vereinsleben haben und dass bei uns Eigeninitiative und Selbstverantwortung großgeschrieben wird", so der Landrat. "Wir brauchen Sie und Ihren unermüdlichen Einsatz, Ihre Ideen, Ihre Verlässlichkeit, Ihre Kraft und Ihre Leidenschaft. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, Ehrenämter als gegebene Selbstverständlichkeit zu sehen." Man könne den ehrenamtlichen Kräften kein Geld zahlen, aber ihre Arbeit wertschätzen und ihnen die verdiente, öffentliche soziale Anerkennung schenken. "Sie, liebe Ehrenamtliche, tragen dazu bei, dass sich das Gesicht der Welt verändert. Und dafür möchte ich mich heute bei Ihnen im Namen des Landkreises bedanken", betonte Wilhelm Schneider.

Wie die Regierungsrätin Juliane Freund vom Bayerischen Sozialministerium berichtete, sind seit der Einführung der Ehrenamtskarte 2011 in über 70 Landkreisen und kreisfreien Städten rund 85 000 Karten ausgegeben worden. Für die 3,8 Millionen Menschen, die sich in Bayern ehrenamtlich engagieren, schaffe das Sozialministerium ein Bündel an Rahmenbedingungen. So gebe es den runden Tisch "Bürgerschaftliches Engagement", die Bayerische Ehrenamtsversicherung, den Ehrenamtsnachweis Bayern und eine Förderung in Höhe von rund zwei Millionen Euro für die 50 Koordinierungszentren Bürgerschaftliches Engagement. Auch der Landkreis Haßfurt erhalte hier eine Förderung. Außerdem hätten sich heuer in Nürnberg etwa 500 Haupt- und Ehrenamtliche aus allen erdenklichen Bereichen zum zweiten Mal am bundesweit einmaligen Ehrenamtskongress ausgetauscht. Juliane Freund sprach allen Geehrten ihren Dank aus und betonte: "Jedes Mal, wenn Sie Ihr Ehrenamt ausüben, verändern Sie etwas, vielleicht sogar alles im Leben des Menschen, dem Sie die Hand reichen."
Um den Geehrten einen schönen Abend zu bereiten, hatten das Team des Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement (Kobe) und Mitarbeiter der Sozialhilfeverwaltung ein ansprechendes Programm ausgearbeitet, das die Leiterin des Kobe, Monika Strätz-Stopfer, mit ihrer Mitarbeiterin Anja Fößel moderierte. So wurden die Gäste von den Schülern des E.T.A.-Hofmann-Gymnasiums Bamberg, Jonas Hamann (Klavier) und Veronika Böhm (Geige) und dem Zauberer Florian Müller aus Würzburg bestens unterhalten und mit einem Buffet verwöhnt.
Zum Schluss ehrte Landrat Wilhelm Schneider die anwesenden Akzeptanzpartner Susanne Haase-Leykam und Franz Haase von der Fuchs-Apotheke aus Knetzgau und den zweiten Bürgermeister Gerhard Zösch von der Gemeinde Sand.


Die Ehrenamtskarte


Bisher haben 812 Frauen und Männer beim Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement (KoBE) unter der Leitung von Monika Strätz-Stopfer die Ehrenamtskarte beantragt. 271 Mal wurde die Goldene Ehrenamtskarte ausgegeben. Diese unbegrenzt gültige Karte erhalten in erster Linie Einsatzkräfte im Rettungsdienst und Katastrophenschutz für 25-jährige und 40-jährige Dienstzeit sowie Inhaber des Ehrenzeichens des Bayerischen Ministerpräsidenten. 541 weitere Personen haben die drei Jahre gültige Blaue Ehrenamtskarte erhalten. Mit der Ehrenamtskarte kommen die Inhaber in den Genuss von überregionalen Angeboten. Zusätzlich gibt es auch im Landkreis Vergünstigungen. So haben sich inzwischen 21 Firmen, Gemeinden, Apotheken und andere bereit erklärt, als sogenannte Akzeptanzpartner zu fungieren und Vergünstigungen zu gewähren. In diesem Jahr waren die Gemeinde Sand, die Fuchs-Apotheke Knetzgau, die städtischen Betriebe Haßfurt und die Werkstatt für Gold und Silber aus Maroldsweisach neu dazugekommen.



Ausgezeichnet wurden:

Folgende Personen erhielten die Goldene Ehrenamtskarte und eine Dankurkunde für 40 Jahre ehrenamtliches Engagement: Ernst Barent, Norbert Böhm, Egfried Gebhardt, Ottmar Krines, Siegfried Krines, Günter Roßmeier, Heinrich Schmitt, Alfred Weiß (alle Sand), Manfred Biertempfel (Königsberg), Renate Dressel, Christa Meinlschmidt, Adolf Preu, Jürgen Sieber (alle Hofheim), Dieter Edelmann (Haßfurt), Wilhelm Fuß, Günter Hemmerich, Hans Hetzel, Richard Mantel, Erwin Schlereth, Hubert Voit, Josef Wirth (Knetzgau), Reinhard Kuhla (Ebelsbach), Franz Schramm (Wonfurt), Wolfgang Streng (Ebern).
Für 25-jähriges ehrenamtliches Engagement erhielten folgende Personen die Goldene Ehrenamtskarte und eine Dankurkunde: Andre Borschert (Kirchlauter), Horst und Peter Burger, Edwin Krapf, Andreas Langer, Wolfgang Müller, Harald Rödamer, Uwe Thaumüller (alle Riedbach) Rainer Deublein, Christian Günther, Hans-Theo Heueck, Siegfried Höhn, Roland Krienes, Klaus Riegler, Ralf-Peter Schenk, Bruno Schlegelmilch, Rainer Schneider, Georg Stengel, Dietmar Wächter, Klaus Walter (alle Knetzgau), Oliver Englert, Detlef Schramm, Thomas Tempel, Wolfgang Voit, Karl-Heinz Wagenhäuser (alle Wonfurt), Willibald Geuppert, Thomas Lang (alle Haßfurt), Michael Greubel, Ernst Hümmer, Michael Köttler (alle Königsberg), Stefan Höhn, Oliver Mahr, Wolfgang Mühlfelder, Christian Radler, Thomas Zösch (alle Sand), Martin Jung, Kurt Schwarz, Thomas Schwarz (alle Eltmann), Norbert Keller (Oberaurach), Robert Kleinhenz, Rainer Lux (beide Ebelsbach), Peter Köhler, Brigitte Streng (beide Ebern), Anita Köhler (Untermerzbach) und Robert Müller (Maroldsweisach).