Die Bauarbeiten am Neubrückentor in Ebern haben wieder einmal einen Blick in die Geschichte der Stadt, genauer auf eine ihrer Befestigungen ermöglicht. Ebern hatte im Mittelalter ja zwei Verteidigungsanlagen: Das Mauerrechteck um die Kernstadt und einen Ring aus Palisaden um die drei Stadtviertel. Beide waren an der Ostseite gerade abgeschnitten. Hier lagen die Freihöfe der gut gerüsteten Adeligen sowie die beiden Angerseen, hier war kein Vorwerk nötig.

Der Würzburger Bischof Hermann nennt Ebern 1230 erstmals "civitate nostra" ("unsere Stadt"). Daraus kann man mit Sicherheit schließen, dass sie damals bereits durch Gräben und Wälle geschützt war. 1335 erhielt Ebern das Stadtrecht und damit war die Befestigung auch offiziell erlaubt. Das englische Wort "town" für "Stadt" hat tatsächlich mit unserem "Zaun" zu tun. Aber der hatte sich längst zur Mauer gewandelt. Noch 1822/23 sprechen die städtischen Versicherungsunterlagen von der "Burgmauer", nicht der "Stadtmauer". Hinter ihr war man eben geborgen, hinter ihr wohnten die Bürger sicher.

Mit den Mauern und Türmen war Ebern auch stolzer, freier, unabhängiger. Nicht ohne Grund sagte der Rat der Stadt deshalb nach dem Bauernkrieg von 1525 in einer Ergebenheitsurkunde an "fürstliche Gnaden", den Bischof, zu, man würde "alle Thor der Stadt ... ausheben und öffnen, auch die Thuren (Anm. Türme), Rinkmauern, ... wure (würde) dergleichen die Rigell, Schrenck (Schranken) und Stage (Pfosten) ... abprech(en) und niederleg(en), Und die on Erlaupnuß und Zugebung seiner f. G. (Anm. fürstlichen Gnaden) ... zu Ewigen Zeiten nit mehr pauen." Die Stadt hat sich so nach ihrer Beteiligung beim Bauernaufstand auf Gedeih und Verderb und ohne Schutz in die Gnade ihres Herrn ergeben.

Mauern seit 700 Jahren

Die Eberner haben also spätestens zu Beginn des 14. Jahrhunderts um ihre meist hölzernen, schindelgedeckten Häuser Mauern errichtet. Dass dies nicht in einem Zug geschah, dass man sie erhöhte, stützte, ausbesserte, verbreiterte, durchschlug und schließlich erniedrigte, zeigt allein schon ein Gang entlang des Anlagenrings zwischen Gänseturm und Pfarrgarten. Die ältesten Teile sieht man an der Südseite der Mauer. Hier sind kräftige, helle Lesesteine mit Kalkmörtel verbunden. Am Grauturm und am Diebsturm haben sie sich durch den Stadtbrand von 1430 rot gefärbt. Darüber folgen später sauberer verfugte Quader und schließlich sind solche in bester Steinmetztechnik Ende des 16. Jh. als oberstes Stockwerk auf die drei Südtürme aufgesetzt.

Das Eberner Mauerrechteck ist 260 Meter lang und 185 Meter breit. Vom Grabengrund bis zur Krone waren es mindestens elf Meter. Wie beachtlich das ist, zeigt heute noch der Abdruck an der Nordseite des Diebsturms. Von einer "Stadtbefestigung" sprach man übrigens früher dann, wenn sie höher war, als ein Reiter mit seiner Schwertspitze reichen konnte. Die Breite der Mauer schwankt heute zwischen 55 Zentimetern und zwei Metern.

Steinbrüche vor Ort

Zum Baumaterial hatte man es nicht weit. Es gab einen Steinbruch vor der südlichen Mauer, beim heutigen Spielplatz, einen anderen in Heubach und einen dritten in der Nähe der Marienkapelle im Norden. Ziegel kamen - wie heute - aus Sandhof, wo mehrere Lehmgruben das Rohmaterial lieferten. Vor der Mauer lag der Zwinger, der tiefe Graben, der zugleich als Abfallgrube genützt wurde.

An den Ecken und auf den Zwischenmauern saßen insgesamt acht Türme, die meist nach Vögeln benannt waren. Mit dem Kirchturm ergaben sie das berühmte "Eberner Kegelspiel". Es war wie der Bergfried in den Burgen ein "Symbol der Macht", hier besser des Bürgerstolzes. Und natürlich auch ein Beobachtungsposten. Was heute völlig fehlt sind die Wehrgänge entlang der Mauern. Das Landesamt für Denkmalpflege hat 1984 den Plan der Stadt abgelehnt, einen solchen beim Diebs-turm oder zwischen Grau- und Gänseturm einzurichten.

Und wenn es nun drauf ankam, wenn Türme und Mauern ihre Tauglichkeit erweisen sollten? Die Eberner Wehranlagen waren gegen Gesindel und kleinere Kriegshaufen durchaus nützlich. Wenn Karl Hoch aber schreibt: "Ebern konnte die anstürmenden Schweden dank seiner kolossalen Befestigungen zurückschlagen", so ist dies Unsinn. Heerhaufen beider Konfessionen sind im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) mehrmals in die Stadt eingedrungen und haben sie übelst drangsaliert. Die inzwischen erfundenen Kanonen hatten die Eberner Stadtmauern weitgehend nutzlos gemacht. Nur unlustig wird man im 18. Jahrhundert daran noch Ausbesserungsarbeiten vorgenommen haben. Und im 19. Jahrhundert waren die Mauern dann nur noch Romantik.

Gartenhäuschen aufgesetzt

Da bekamen sie im Osten zwei Gartenhäuschen aufgesetzt. Eines hat Pfarrer Fröhlich 1813 bauen lassen und eines entstand am Merkl-Garten. Zwei weitere "Türmlein" standen früher noch zwischen der Rittergasse und dem Diebsturm auf der Mauer. Das eine gab es vor 190 Jahren nur noch zur Hälfte und das andere wurde "zur Reparatur anderer Gemeindegebäude ganz abgebrochen".

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schämte man sich seiner altmodischen Wehr. Wie der Berliner Professor Sewing 2007 in einem Vortrag sagte, kam es überall zu einem regelrechten "Hass auf die alte Stadt". Im Notjahr 1816/17 hat man auch in Ebern "entbehrliche Türme" sowie die oberen Teile der Stadtmauer abgebrochen und mit dem Material beispielsweise die sumpfige Fahrt nach Sandhof gesichert und erhöht.

In den Folgejahren wurden die Tore an den Zufahrtstraßen des äußeren und inneren Rings eingelegt. 1822 fiel der noch gut erhaltene Spitaltorturm der Straßenverbreiterung am Stadtberg zum Opfer. 1862 hat man die Stadtmauer auf eine Innenhöhe von neun bis zehn Fuß erniedrigt. Der Eulenturm wurde 1878, der Badgassenturm 1880 eingelegt. 1879 bis 82 hat man den nach Karl Hoch zehn Meter breiten und sechs bis acht Meter tiefen "Zwingergraben" vom Grauturm bis zum Anwesen Dreßler am Ostende der Sutte aufgefüllt. Am 4. Mai 1882, schreibt Hoch, wurde im Stadtrat der teilweise Abbruch der hohen Mauer am Pfarrgarten beschlossen. Die so gewonnen Quader hat man für Neubauten genützt. So ist nach Dr. Stark das Fassoli-Haus beim Angerbachkreisel aus Steinen der Stadtmauer errichtet.

1878 wurde der Eulenturm, der an der Ostmauer stand, abgebrochen und seine Steine für 139 Mark verkauft. Der Badgassenturm mit seiner Pforte zum Mühlviertel war einer der best erhaltenen Türme der Stadt. Am 25. Juli 1880 beschloss der Stadt rat dennoch, ihn abzureißen. Der Turm wurde auf Abbruch für ganze 130 Mark versteigert.

Abkürzungen geschaffen

Ganz undurchlässig war die Stadtmauer nicht. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche kleine Durchbrüche, mit denen man sich den Umweg über die drei Tore bei den Türmen sparte. Nach Stadtschreiber Greb soll Pfarrer Schlör 1799 als erster an den Stadtrat einen Antrag auf einen Mauerdurchbruch (beim Pfarrgarten) gestellt haben. 1811 zog Rentamtsvorsteher Johann Adam Rückert nach. Er wollte ebenfalls eine Pforte, um Spaziergänge vom Zwinger nach Lützelebern machen zu können. Sein berühmter Sohn Friedrich nützte dann diese Möglichkeit häufig. Später wurde diese Lücke wieder geschlossen.

Auch Adam Schmitt im Haus Nummer 50 am Marktplatz ließ sich im gleichen Jahr die Genehmigung erteilen. Der größte Stadtmauerdurchbruch aber erfolgte 1880 am Gefängnis. Er sollte den älteren Kindern den Weg zur neuen Schule beim Diebsturm verkürzen und ist heute unentbehrlich wie die Fahrt neben dem Grauturm von 1945. Als Mitte der 1980er Jahre aus dem Finanzamtsgarten ein Parkplatz wurde, hat man die Stadtmauer vorerst zum letzten Mal durchbrochen und eine Verbindung zum Wohnmobilplatz geschaffen.

Durchgang für Fußgänger

Der Durchgang für Fußgänger neben dem Grauturm, unter dem Schäfers-Haus, entstand um 1972. Manche kleinen Pforten sind heute gar nicht mehr bekannt: So entdeckt man an der Südmauer eine im Gefängnishof und eine zwischen den Grundstücken 7 und 9 in der Rittergasse. An der Ostseite führt eine "Staffel" vom Mühlbach und der Hirtengasse zum Anwesen Schmitt hinauf. Sie musste immer frei bleiben, damit man im Brandfall das Wasser vom Mühlbach hinaufschleppen konnte. Vom Haus Kapellenstraße 8 (Dr. Roth) zur Pfarrgasse 16 (Farben-Ullrich) führte früher ebenfalls eine Treppe hinauf. Sie sparte den Umweg über den Stadtberg.
Die Stadtmauer steht seit langem unter Denkmalschutz und ist ganz im Eigentum der Stadt. Und sie verursacht Kosten bis heute. Erst 2009 wurden 18 Meter Mauer bei der Blumenhandlung Bock saniert.

Ein besonderes Problem ist der stete Bewuchs auf und an der Mauer, der vom Bauhof immer wieder beseitigt werden muss. Die Mauer ist von außen nur im Süden und Osten frei und gut sichtbar; im Norden und im Nordwesten hat man sie überbaut. Im Südwesten ist der Hang zwischen Mauer und Hirtengasse im Gegensatz zu früher stark bewachsen.