Mit der "Backschaft" (Versorgungsmannschaft) ein Boot "slippen" (zu Wasser lassen) und "Adlerfrust" (die abendliche Lagebesprechung) abhalten klingt irgendwie abenteuerlich. Das ist es auch. Allerdings braucht man dafür nicht in exotische Länder fahren.

Michael Huth und Anton Gerstenkorn haben das alles kürzlich an der Ostsee erlebt. Dank ihrer Rettungsschwimmer-Ausbildung bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Ebern konnten sie sich beim "zentralen Wasserrettungsdienst Küste" bewerben und für eine Woche "Baywatch"-Luft an der Ostsee schnuppern.
Ganz so aufregend wie in der bekannten TV-Serie aus den 80er Jahren war die Woche dann aber doch nicht "Eigentlich haben wir meistens die Zeit tot geschlagen" verrät Anton Gerstenkorn. Doch man musste eben jeden Moment für den Ernstfall bereit sein, von dem die beiden zum Glück verschont blieben.

Immer wieder gab es zudem unvorangekündigte Übungen. In Dahme, wo die beiden aushalfen, waren 22 Rettungsschwimmer auf "Wache" eingeteilt. Die beiden Bayern waren dabei eher Exoten, denn "die meisten kommen aus Norddeutschland", berichtete Anton Gerstenkorn. Auch ein Holländer war dabei.

Kameradschaft und Zusammenhalt


Die Kameradschaft und der Zusammenhalt der Truppe sei es auf jeden Fall wert, auch den weiten Weg aus Franken auf sich zu nehmen, berichten die Freunde. "Manche, vor allem die Jüngeren, haben sich gleich wieder fürs nächste Jahr zur selben Zeit verabredet," berichtet Michael Huth. "Für viele Schüler und Studenten ist das eine Möglichkeit, Urlaub zu machen, der kaum etwas kostet."

Klar, reiner Urlaub ist das nicht, schließlich muss man dafür arbeiten. Aber die Unterhaltung ist gleich inklusive. "Und", ergänzt Anton, der als Malermeister im elterlichen Betrieb für die Lehrlingsausbildung zuständig ist, "die Erfahrungen, die man hier sammelt, sind fürs Berufsleben wertvoll. Außerdem konnten wir so unser Hobby endlich mal richtig einsetzen, nicht nur im zahmen Eberner Freibad." Zahm war vor allem das Wetter an der Ostsee nicht. "Der Wind und die Wellen waren schon heftig."

Bevor es zum Wachdienst auf die Türme ging, war Putzen angesagt, bei dem vielen Sand nicht ganz einfach, man musste die Boote zum Wasser schaffen und Flaggen hissen. Beim Übungsalarm mussten die beiden Mittzwanziger eine stattliche Strecke durch den Sand rennen. "Total anstrengend", befindet Gerstenkorn. "Schlimmer war ich dran", sagt Michael Huth. "Ich hatte den Erste-Hilfe-Koffer mit allem Drum und Dran auf dem Rücken."
Jeden Tag hat jemand anderes für die Abendunterhaltung gesorgt: "Wir hatten zum Beispiel einen Wellnessabend, haben Volleyball gespielt und wir zwei haben einen bayerischen Abend mit Haxen, Leberkäse, Gerupftem und Musik von den Troglauer Buam und Hubert von Goisern organisiert". Die Nordlichter waren begeistert.

Seemannstaufe


Doch das Highlight für die Beiden war der letzte Abend, an dem sie ihre "Seemannstaufe" erlebten. "Das war teilweise total eklig", lachen sie im Nachhinein. Denn sie mussten Neptun die Füße küssen, eklige Brühe trinken, bekamen Wasser und Sand über den Kopf geschüttet und Fischkadaver umgebunden. Und das alles mitten am Strand, so dass das Spektakel für die Strandbesucher groß war. "Das gehört einfach dazu, damit man dazu gehört", so Michael Huth.

Rettungsschwimmer an der Ostseeküste


Für den Zentralen Wasserrettungsdienst an der Küste können sich weitere Interessenten melden.
Das Mindestalter beträgt 15 Jahre. Erforderlich ist der Nachweis einer Rettungsschwimmer-Ausbildung, wie sie die DLRG in Ebern anbietet. Bewerben kann man sich über den Zentralen Wasserrettungsdienst Küste der DLRG in Bad Nenndorf, Im Niedernfeld 1-3, oder per Internet ZWRD-K@DLRG.de.