So etwas kann durchaus passieren. Gerade dort, wo eine übergeordnete Straße keine Vorfahrtsberechtigung mehr hat. Dies gilt für die Einmündung der Dorf-/ Bürgerwaldstraße in die Kreisstraße Heubach-Unterpreppach in der Ortsmitte von Reutersbrunn. Der auf der Kreisstraße aus Richtung Eichelberg herannahende Autofahrer muss dem von links, aus Richtung Zeltplatz kommenden Verkehrsteilnehmern Vorrang einräumen. Wenn Ortsunkundige beteiligt sind, wie sie von ihrem Navi immer wieder ins eigentlich abgelegene Haßbergdorf gelotst werden, kann es zum Zusammenstoß kommen.

Fahrer eingeklemmt

Diesen gar nicht so abwegigen Fall simulierten am Wochenende die Wehren der "Zone 4", die die Stadtteile Heubach, Eichelberg und Reutersbrunn umfasst, im Rahmen einer Schauübung. In einem umgekippten Opel Vectra war dessen Fahrer eingeklemmt worden. Gezeigt wurde, dass auch bei solch einem "eher seltenen Einsatz", so Markus Appel von der FFW Ebern, der die Erläuterungen gab, auch die Mitglieder kleinerer Wehren wichtige Aufgabe übernehmen.

Die Bergung entpuppte sich als schweißtreibende Aktion. Nicht nur die hochsommerlichen Temperaturen verlangten den Trägern der schweren Uniformen Schwerstarbeit ab.

Und das unter erschwerten Bedingungen. Die Einsatzleitung musste vor Ort übernommen werden, da die Integrierte Leitstelle in Schweinfurt nicht zur Verfügung stand. Sie war als Ersatz-Leitstelle vorgesehen, falls die oberbayerischen Kollegen, die für den G 7-Gipfel auf Schloss Elmau verantwortlich zeichneten, aus irgendeinem Grund ausfallen sollten.

Als erste Wehr am Unfallort tauchten verständlicherweise die Reutersbrunner unter Leitung von Zweitem Kommandanten Michael Walz auf, die zunächst die Lage erkundeten, Verstärkung anforderten und den auf der Seite liegenden Opel stabilisierten. Dabei kam weit moderneres Gerät zum Einsatz als die alte Spitze aus dem Jahr 1876, die zu Ausstellungszwecken auf dem Dorfplatz präsentiert wurde.

Die Bergung des Eingeklemmten übernahmen die Eberner Kollegen, die mit ihrem neuen Einsatzfahrzeuge und einer "jungen Mannschaft", so Kommentator Markus Appel, angerückt waren. Aus dem "großen Werkzeugkasten", so Appel wörtlich, kam fast das gesamte Instrumentarium zum Einsatz.

Zunächst wurde die Heckscheibe entfernt, um zum Verletzten zu gelangen, damit er erstversorgt und gegen Glas-Splitter geschützt werden konnte. Danach wurde ein fahrbares Gerüst aufgestellt, um das Dach zu entfernen.

Wo die mit bis 300 bar Druck betriebenen Spreizer am besten angesetzt werden, entnahmen die Feuerwehrleute einer Beschreibung des Fahrzeugmodells, um den eingeklemmten Fahrer möglichst schnell zu bergen. "Für den Betroffenen ist das ein traumatisches Ereignis", wusste Markus Appel, der auch die Zusammenarbeit mit Notarzt, Rotem Kreuz und - im schlimmsten Fall - Staatsanwalt ansprach.