Als Autodiktat lernte er Gitarre, als Hobby-Gitarrist hielt er bei der Musikschule das (Noten-)Heft in der Hand: Hermann Bauer wurde als Retter und "Mr. Musikschule" beim Neujahrsempfang der Stadt geehrt. Ihm zur Seite stand eine, die mit einem Italienisch-Kurs für Anfänger begonnen hatte, danach 32 Jahre lang die Geschicke der Erwachsenenbildung in Ebern bestimmte und zum "Gesicht der VHS" wurde, wie es Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) beim Festakt am Donnerstagabend in der Frauengrundhalle plastisch beschrieb.

Dem ungleichen Paar stand ein Dritter zur Seite, teils mit seinem historischen Konterfei, teils leibhaftig zurückgekehrt in der Person von Dr. Rudolf Kreutner, dem Festredner der Rückert-Gesellschaft in Schweinfurt, der das Leben und Werk des Sprachengenies vorstellte, dessen Todestag sich heuer zum 150. Mal jährt, was auch in Ebern, wo Rückert von 1809 bis 1821 bei seinen Eltern im jetzigen Finanzamt lebte, mit mehreren Veranstaltungen begangen wird.

Vom profund-ausführlichen und mit vielen humorvollen Passagen gewürzten Vortrag Kreutners "zehren wir den Rest des Jahres", fand Bürgermeister Hennemann zum Abschluss der zweieinhalbstündigen Veranstaltung, die als Startschuss für die Rückert-Feierlichkeiten galt.


Im Postkarten-Format

So stellte das Stadtoberhaupt einen Wettbewerb vor, mit dem Bürger, Schüler und Künstler aufgerufen werden, bis zum 31. März Postkarten zum Thema Friedrich Rückert und Ebern zu gestalten, die dann von einer Jury bewertet werden. Die besten Werke werden bei einer Rückert-Party an dessen Denkmal am Pfingstmontag, 16. Mai (Rückerts Geburtstag), vorgestellt werden. Danach gehen sie in Druck und werden das Jubiläumsjahr über verkauft.

Kam Rückert als Dichter, Orientalist und Sprachengenie, der für das Erlernen einer Sprache drei Monate brauchte, zu Ruhm, und Ehre, blieb es bei Irmgard Ruhhammer bei den Anfängen von Italienisch. Dafür hat sie als VHS-Leiterin querbeet (fast) alle anderen Kurse besucht und "kann sie ruhigen Gewissens weiterempfehlen", wie Irmgard Ruhhammer, die nach zum Jahreswechsel n in den Ruhestand trat, versicherte.

Mit viel "Herzblut und Leidenschaft", so der Bürgermeister, habe sie für die VHS gearbeitet, stets ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt und dabei mitunter auch ihre gesamten Familie in "Sippenhaft genommen".


Übergangsformen mitgetragen

Der Vorsitzende des bisherigen VHS-Vereins, Franz-Josef Zeheter, würdigte darüber hinaus Ruhhammers Leistung bei der nun vollzogenen Eingliederung in die Kreis-VHS. "Es wurde bei der Struktur eine Lösung gefunden, die zukunftsfähig ist. Kein Verlust, sondern die Grundlage für einen Fortbestand."

Bei Hermann Bauer würdigte das Stadtoberhaupt dessen Rolle als Retter, als 2002 das Aus der Eberner Musikschule drohte. "Ohne ihn gäbe es sie wahrscheinlich nicht mehr." Mit seiner Amtsübernahme als Vorsitzender im Mai 2004 habe er "lieber angepackt, als groß in den Vordergrund zu drängen". So gelang es ihm, viele Zuschusstöpfe aufzumachen, da sich die Verantwortlichen finanziell stets nach der Decke strecken mussten."

Seinen Urlaub als Werkleiter bei FTE in Fischbach nutzte er oft, um Rechnungen und Überweisungen zu erledigen, da er seit 2011/2012 auch ohne Kassier dastand." Das zeichne den Pragmatiker Bauer aus, der auch in der neuen Form der Musikschule mitarbeite. "Jetzt haben wir eines seiner Ziel, ein stärkeres kommunales Engagement erreicht, und stehen auch für eine Ausdehnung auf Kreisebene bereit", sagte Hennemann mit Blick auf Landrat Wilhelm Schneider (CSU) in den Zuhörerreihen.

Dass die Arbeit der Musikschule, die der Frank-Zappa-Fan Hermann Bauer lange Jahre leitete, Früchte trägt, bewies deren Saxofon-Quartett, das den Festabend musikalisch umrahmte.


Kulturschaffende im Mittelpunkt

Da das Programm wie auch die Gästeliste das Kulturleben in der Stadt in den Mittelpunkt stellte, gab sich Bürgermeister Hennemann bei seinem Rück- und Ausblick prosaisch: Sein Vorhaben-ABC reichte von Asylbewerber bis Zukunft, wobei er einige Punkte vertiefte und dabei auch ganz unliterarisch und verwaltungstrocken in die Wasser- und Kanalwelt abtauchte, um die anstehenden Ergänzungsbeiträge zu begründen und die Zahlungsmoral zu heben.

Schwärmerisch wurde das Stadtoberhaupt dagegen, als er auf Friedrich Rückert zu sprechen kam, der von den Ebernern zwar nicht viel gehalten haben soll, aber trotz seiner Stationen in Würzburg, Jena, Rom, Zürich, Luzern und Neapel immer wieder nach Ebern zurückgekehrt sei. "So schlimm kann es also in Ebern gar nicht gewesen sein, oder hatten es ihm die Mädchen angetan?", fragte das Stadtoberhaupt.

Zumindest mit seiner Geburtsstadt Schweinfurt ging der Dichter noch viel härter ins Gericht. Wie Dr. Rudolf Kreutner ausführte, hat er "bis in den Tod hinein darüber geflucht hat, dass er aus einer Stadt stammt, die das Schwein im Namen trägt".

Kreutner wartete mit vielen Anekdoten aus dem Leben des Sprachen-Genies auf, vor dem "kein Rock sicher war", der bis ins zarte Alter von 38 Jahren keine feste Anstellung hatte und vom Vater finanziert wurde.

In Ebern entstand Rückerts erstes gedruckte Werk: die "Vier Märlein", ein Buch über seine kleinere Schwester. Und es entstanden Lieder gegen Napoleon wie auch Almanache für die Damenwelt, die "gut zum Strickzeug passten".

Kreutner zitierte Rückert, der sich über die Eberner lustig machte, die bei der Fronleichnams-Prozession unterhalb seines Fensters das Evangelium plärrten, und seine Unlust als Professor aufzutreten. "Ich kann nicht lehren, weil ich noch so viel zu lernen habe."

Den Ebernern wird in den nächsten Monaten im Zusammenhang mit Rückert noch so manches Licht aufgehen. So soll das Haus, in dem er einst lebte, das jetzige Finanzamt, für den Rest des Jahres angestrahlt werden.