Sie kamen aus Wunsiedel, aus Höchstadt, aus Würzburg, um ihr bestes Stück zu präsentieren. Nicht die Ehefrau, die meist auch dabei war, sondern ihren Chrom-Liebling. Beim Oldtimertreffen am Fronleichnamstag war die Altstadt erneut proppenvoll. Das Trauma jeder Parküberwacherin.



Anderseits galt bis vor drei Jahren: An solchen Feiertagen kannst in Ebern die Gehsteige hochklappen. Funktioniert nicht mehr, weil dort Automodelle aufgereiht sind. Eines schöner als das andere. Der AC Ebern hat mit seinem Oldtimer-Beauftragten Gotthard Schleicher an der Front wieder ein Event auf die Beine gestellt, das einer Kleinstadt zur Ehre gereicht, da mittlerweile auch andere Partner erkannt haben, welch' Potenzial in so einer Veranstaltung steckt, die Mobilisten von weither anlockt.

Dazu gehört beispielsweise Stefan Montag aus Seubrigshausen bei Stadtlauringen im Kreis Bad Kissingen. Er kam nicht auf der Wäschetrommel daher geritten, sondern auf einer Miele Wanderer, Baujahr 1954. Über eineinhalb Stunden dauerte die Anreise. Da war der Fünf-Liter-Tank fast leer. Für die Heimfahrt benötigte der Schlosser und Schrauber eine neue Füllung mit dem 1:25-Gemisch.

Die Probleme plagten Christian Rohé nicht. Mit seinem Miele-Zweirad, Baujahr 1936, war er "nur" den Berg runter gedüst - von Losbergsgereuth. Er weiß aber für die Heimfahrt: "Den Berg hoch muss ich im zweiten Gang schon noch mittrampeln."

Seine 98-ccm-Modell-Sport hat er zu Ostern in Thüringen erstanden. Das Original-Kennzeichen schmückt die Maschine noch. "Da ist noch kein Hakenkreuz drauf, das kam erst ab 1937", weiß der Rechtsanwalt, dessen Maschine neidische Blicke provoziert. "Die Schaltung ist ja geil", klingt's bewundernd aus dem Munde eines Eberner.

Bewunderung, Neid, Nostalgie, Technikbegeisterung, Benzin-Plausch - zwischen diesen Stimmungslagen schwingt das Urteil über das Oldtimertreffen wenn, beispielsweise Modelle vorbei rollen, deren Wert ein Kfz-Sachverständiger auf "Liebhaberwerte bis zu 500 000 Euro" taxiert.

Wenn auf Autos hingewiesen wird, wo Walter Röhrl unterschrieben hat, oder die Geschichte eines Treser TR1 lebendig wird, von dem nur 25 Stück in Serie gebaut wurden. "Die haben einmal ein Rennen gegeneinander bestritten, gewonnen hat ein gewisser Däne namens Tom Christensen", mittlerweile DTM-Champion, erzählt Hans Limpert.

Auch Heinz Bergerhoff aus Köslau könnte Bände füllen mit den Erzählungen über seinen Opel 4/16 - Baujahr 1928. "Die Vier steht für Steuer-PS, die 16 für Brems-PS." Häh? Die Auflösung des einstigen Kufi-Ingenieurs folgt zumindest ansatzweise : "Ein Steuer-PS steht für rund 250 Kubikzentimeter Hubraum." Damit kann sogar der Laie etwas anfangen.