Sieben Quadratmeter Wohnraum pro Person - so ist es in den Leitlinien zur Art, Größe und Ausstattung von Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber des zuständigen Staatsministeriums im Freistaat Bayern festgelegt. Weiter: ein Kühlvolumen von 20 bis 30 Litern pro Person. Acht Bewohner müssen sich einen Herd teilen. Die Auflistung lässt sich beliebig fortsetzen, denn jedes noch so kleine Detail wurde in diesem Papier festgehalten.
Franz Hümmer, Mitarbeiter der Regierung von Unterfranken und zuständig für die Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis Haßberge, Schweinfurt, Gochsheim und Röthlein, kennt diese Leitlinien bereits in und auswendig. Seit 1990 ist er schon im Bereich der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen tätig. Er weiß, welche Menschen sich miteinander vertragen und welche Nationalitäten sich am besten nicht in einem Zweibettzimmer begegnen sollten. Sein Kollege Robert Stoppa ist gerade dabei, sich in all diese Feinheiten einzuarbeiten.

Ansprechpartner vor Ort

Seit Mitte September ist er als Hausverwalter in der Unterkunft in der ehemaligen Kaserne in Ebern tätig. Der Wirtschaftsfachwirt kommt aus der Branche. Mit einer Vollzeitstelle ist er Leiter des Hauses in Ebern und springt als Vertreter in sämtlichen anderen Unterkünften ein. "Wir sind Ansprechpartner für die Leute vor Ort", konkretisiert Franz Hümmer die Aufgabe von Robert Stoppa in Ebern: "Er muss sich kümmern, damit alles läuft. Mitunter ist er auch Ansprechpartner für den Helferkreis, kooperiert mit der Stadt, dem Landratsamt und auch mit der Migrationsberatung der Caritas."
Schon am zweiten Arbeitstag war Robert Stoppa mittendrin. Es scheint, als würden sich er und die Bewohner im ehemaligen Offizierswohnheim schon länger kennen. Es ist ein Miteinander. Fast alle Zimmer der beiden Obergeschosse des Hauses sind bereits belegt. Das Erdgeschoss steht noch leer. Zuletzt kam ein Mann aus Kuba. Die Mischung der Nationalitäten ist nun recht bunt: Menschen aus Syrien und Serbien, Albanien, Äthiopien, Vietnam und schließlich Kuba. Aber es geht noch viel mehr, weiß Franz Hümmer: "Wir haben Unterkünfte mit bis zu 25 verschiedenen Nationalitäten."

Warten auf Zuweisungen

Die Gemeinschaftsunterkunft in Ebern bietet Platz für 72 Personen. Bis Anfang Oktober wird es sicherlich kein freies Bett mehr geben. Bis zu 18 Menschen leben dann auf einem Flur zusammen. Sie teilen sich Küche und sanitäre Anlagen. Privatsphäre gibt es da wirklich nur auf den eigenen sieben Quadratmetern.
"Wir sind bereit", kommentiert Franz Hümmer, "wir warten auf die Zuweisungen aus Zirndorf. Die letzten Lücken werden aber sicherlich nicht an einem Tag gefüllt. Das passiert Schritt für Schritt." Robert Stoppa und Franz Hümmer haben kurz Zeit zum Verschnaufen. Dann klingelt schon wieder das Telefon und die Kinderbettchen müssen an die Bewohner verteilt werden. Denn Anfang Oktober erwarteten gleich zwei Familien Nachwuchs.
Die Erstaufnahmeeinrichtungen in München und Zirndorf weisen die Asylbewerber den Regierungsbezirken zu. Das erfolgt in Anlehnung an den Königsteiner Schüssel. Die Regierungsbezirke geben die Informationen an die Verwalter der Gemeinschaftsunterkünfte weiter. Nach Anzahl der freien Betten und mit einem gewissen Fingerspitzengefühl in Sachen Kultur und Religion suchen Franz Hümmer und Robert Stoppa die neuen Mitbewohner für ihre Häuser aus.

Amtliches und Feingefühl

Es ist ein amtlicher Bescheid, in deutscher Sprache, der den asylsuchenden Menschen ihren neuen Wohnsitz mitteilt. Binnen weniger Tage müssen sich die Asylbewerber und Flüchtlinge in den Unterkünften melden. Tun sie das nicht, begehen sie eine Ordnungswidrigkeit.
"Normalerweise findet der Transfer aus den Erstaufnahmeeinrichtungen dienstags und donnerstags mit einem Bus statt", erklärt Franz Hümmer. Einige der Neubürger haben sich auch mit dem Zug in Richtung Ebern aufgemacht. Mit ihrem suchenden Blick sind sie am Bahnhof aufgefallen. Von freundlichen Helfern wurden sie in die Gemeinschaftsunterkunft gebracht."Bei Ankunft weisen wir den Menschen zunächst ihre Zimmer zu. Die Grundausstattung liegt dann schon bereit. Wie auch in jedem normalen Mietshaus", sagt Franz Hümmer, "gibt es auch in der Gemeinschaftsunterkunft eine Hausordnung, die zu befolgen ist. Wir wollen hier ja für alle das Beste." Robert Stoppa übernimmt zwischendrin auch die eine und andere handwerkliche Tätigkeit. Als Reinigungsdienst wird er aber nicht fungieren. "Seinen persönlichen Wohnbereich muss jeder Bewohner selbst sauber halten", macht Franz Hümmer deutlich, "für die gemeinschaftlich genutzten Flächen wie Flur und Treppenhaus suchen wir Bewohner, die die Reinigung im Rahmen einer gemeinnützigen Tätigkeit übernehmen."Drei verschiedene Arten von sogenanntem individuellen Wohnraum gibt es in der Eberner Gemeinschaftsunterkunft: Zimmer ganz ohne Waschgelegenheit, Zimmer mit Waschgelegenheit und Zimmer mit Dusche, Toilette und Waschbecken. Das bringt der Grundriss des Hauses, der für die Nutzung der Bundeswehr entworfen wurde, mit sich. Die Sanitärräume für Frauen mussten deshalb neu eingebaut werden. Bis zu sieben Personen teilen sich ein Waschbecken. Jeweils zehn Bewohner benutzen einen Dusch- und einen Toilettenplatz. Badewanne gibt es keine einzige im Haus.

Kleiner "Fuhrpark"

Vor dem Gebäude parken mittlerweile verschiedene Modelle von Bobbycar, Drei- und Fahrrädern. Die Straßenkreide hat schon ihren Dienst geleistet. Der Rasen rund um das Haus zeigt die ersten grünen Spitzen. Und im Inneren des Hauses schallen die Nachrichten der arabischen und serbischen Fernsehsender durch die Flure. Es gab viele Menschen, die den Aufruf des Asylunterstützerkreises genützt haben, und ein gebrauchtes Fernsehgerät gespendet haben.
"Die Regierung stattet die Zimmer mit einem Anschluss und das Haus mit einer Satellitenschüssel aus", informiert Franz Hümmer. Für einen entsprechenden Receiver mussten die Asylbewerber und Flüchtlinge dann allerdings selbst sorgen. "Viele Familien haben sofort nach Ankunft danach gefragt", kann sich Franz Zeheter vom Unterstützerkreis erinnern. Dieser Kreis von Ehrenamtlichen sorgt weiterhin für soziale Abwechslung in der Gemeinschaftsunterkunft.

Ein Novum

Zeheter und die anderen Ehrenamtlichen hoffen auf geeignete Räumlichkeiten im Haus gegenüber der Gemeinschaftsunterkunft. Als Räume der Begegnung, zur Verteilung von Kleiderspenden, für den Sprachunterricht sowie Beratung, und einfach so zum Spielen.
Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) steht vollkommen hinter dieser Idee: "So haben die Asylbewerber einen geschützten Raum, wo sie sich treffen können. Wir wollen ja auch nicht gerne den ganzen Tag auf der Straße herumstehen."
Für Franz Hümmer, der Experte auf dem Gebiet der Gemeinschaftsunterkünfte für die Flüchtlinge und Asylbewerber ist, stellt die Art der Unterbringung in Ebern ein Novum dar. Denn die Wohneinheiten sind um einiges größeres, als in den anderen Gemeinschaftsunterkünften. Er sieht es als neue Herausforderung.

Ruf nach Arbeit

Arbeit spielt bei Asylbewerbern eine große Rolle. In den ersten neun Monaten ist es ihnen nicht gestattet, sich für den normalen Arbeitsmarkt zu bewerben. Nach Ablauf dieser Frist Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen, bedarf einer entsprechenden Prüfung. Denn Menschen aus Deutschland und der Europäischen Union haben Vorrang bei der Arbeitsplatzvergabe.
Nicht so in einem Flüchtlingswohnheim. "Jeder der was tun will, kann bei uns was tun. Wir haben immer Bedarf", sagt Franz Hümmer. Auch in Ebern fragen die Menschen nach Arbeit. Für die Pflege des Außenbereichs der Unterkunft und in der Schulbegleitung wurden bereits gemeinnützige Beschäftigungen mit einem Stundenlohn von 1,05 Euro vergeben. Mit Hochdruck wird nach weiteren Arbeitsgelegenheiten gesucht. "Natürlich schauen wir dabei auch auf die Qualifikationen der Menschen."