Es war das sicherlich ausgefallenste Orgelkonzert, das der Landkreis Haßberge bisher erlebt hat: die Orgelradtour von Haßfurt über Limbach nach Zeil. Über 40 Rad fahrende Musikfreunde und viele weitere, die mindestens eine der drei Kirchen mit dem Auto oder zu Fuß ansteuerten, ließen sich auf dieses Angebot mit dem italienischen Organisten Paolo Oreni ein.

Auch Oreni war begeistert von dem Programm unter dem Motto "3 Orgeln, 3 Konzerte, 3 Epochen". "Welch eine Orgel, welch eine Kirche" - entschlüpfte ihm in Maria Limbach, wo er unbedingt für sich ein Bild vor dem Hochaltar haben wollte.


Interessante Instrumente

Wie kommt man auf die Idee zu einer Orgelradtour? Diese Frage beantwortete unserer Zeitung Florian Meyer. Er bildet mit Johannes Eirich und Ralf Hofmann das Organisationsteam für den Veranstalter, den Arbeitskreis Kirchenmusik im Dekanat Haßberge. "Wir haben hier im Dekanat keine wirkliche Konzertorgel. Die gibt es in Bamberg oder Würzburg. Aber wir haben durchaus sehr interessante Instrumente, und so kamen wir auf die Idee".

Das Programm begann in Haßfurt in der Ritterkapelle. Hier auf der Schlimbach-Orgel von 1890 (restauriert 2011 von Andreas Hemmerlein, Cadolzburg) standen Werke aus der Romantik auf dem Programm. Paolo Oreni, vielfach prämierter Solist, intonierte "Präludium und Fuge c-Moll" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Stücke aus Robert Schuhmanns "6 Studien in kanonischer Form" und eine eigene Improvisation.

Nach 20 Minuten Konzert ging es erstmals auf die Fahrräder, angeführt von Ralf Hofmann nach Maria Limbach, wo Pfarrer Ottmar Pottler die stattliche Gruppe auf der Kirchentreppe erwartete.


Faszinierendes Spiel

Oben auf der Empore spielte sich Paolo Oreni bereits ein in die älteste Orgel der Tour, gebaut von Johan Philipp Seuffert aus Würzburg 1756. Barocke Orgel - barocke Werke von Johann Sebastian Bach (Konzert in D-Dur nach Antonio Vivaldi) und von Domenico Scarlatti die Orgelbearbeitung der Cembalo-Sonaten - und wieder eine Improvisation von Paolo Oreni, die dem altehrwürdigen Instrument faszinierende Töne entlockte.

Am Altmain entlang ging es dann nach Sand, hinüber nach Zeil, wo die große Radfahrgruppe auf dem Weg nach St. Michael allerhand Aufsehen erregte. Hier nahm Paolo Oreni an der jüngsten der drei Orgeln Platz, erbaut 2009 von Thomas Eichfelder aus Bamberg. Hier erklang nochmals Johann Sebastian Bach (Fantasie und Fuge in g-Moll), dazu Charles-Marie Widor (Allegro aus Orgelsymphonie Nr. 6), und für die Improvisation hatten sich Florian Meyer und Ralf Hofmann etwas Besonderes gewünscht: am Tag nach dem nervenzerfetzenden Elfmeter-Viertelfinale bei der Fußball-Europameisterschaft improvisierte Oreni über die deutsche Nationalhymne. Und er tat es mit großer Inbrunst und Freude an der Musik und am Instrument.

"Vielen Dank, Mille Grazie", verabschiedete sich der Organist am Ende, und auch die Teilnehmer bedankten sich für diese originelle Idee, die auch durch das Sponsoring durch die Sparkasse Ostunterfranken und die drei Orgelbaufirmen realisiert werden konnte.