Die "Pfiffer" sind echte Glückspilze. Der Spitzname des 230-Seelen-Dorfes steht für ein Spitzenprädikat: Der nord-westlichste Stadtteil von Ebern darf sich seit Dienstag mit dem Titel "Dorf der Dörfer" schmücken. Den entsprechenden Wettbewerb des Online-Portals dieser Zeitung haben die Bischwinder souverän gewonnen. Der Preis kann sich sehen und hören lassen: Am Pfingstmontag kommt es auf dem Bischwinder Sportplatz zu einem Gastspiel der "Dorfrocker" aus Kirchaich.

Dorfrocker-Hit originell in Szene gesetzt

Deren Hit "Dorfkinder" musste in einem Video in Szene gesetzt werden - und das gelang der Bischwinder Dorfjugend in überzeugender Weise. "Einfach verrückt, mir fehlen die Worte", jubilierte Sarah Dietz, die das Video eingereicht hatte. "Dass man als kleines Kaff so etwas bewältigt, zeigt, wie groß der Zusammenhalt in unserem Dorf ist." Dass diese Unterstützung anhält, da ist sich die 25-Jährige, die in einer Apotheke arbeitet, sicher: "Wie es im Lied heißt und im Video gezeigt wird: Bei uns halten alle zamm." Seit Ostermontag, als die Internetabstimmung anlief, stand das ganze Dorf kopf. "Alle waren wie elektrisiert."

Nicht nur, dass FT-Redakteure schon früh am Morgen aus ihrer Feiertagsruhe geklingelt wurden, da der Startschuss nicht so recht klappen wollte, mit dem Frühschoppen rollte eine gewaltige Werbekampagne an. "Wir haben 4000 Handzettel gedruckt, in allen Nachbarorten verteilt und in den Eberner Geschäften ausgelegt", resümiert Andrea Lutsch, die "total überwältigt ist, wer uns alles unterstützt hat".

Schneeball-System via Internet

Über Facebook und E-mail-Adressen wurde ein riesiges Schneeballsystem losgetreten. "Wir bekamen sogar Klicks aus den USA, Österreich und der Schweiz", weiß Andrea Lutsch (27), die im Hauptberuf in einem Eberner Baustoffhandel beschäftigt ist. Jetzt aber trat sie als Werbemanagerin in Aktion.

Nur gut, dass Bischwind kürzlich in den Genuss schneller DSL-Leitungen gekommen ist. "Die müssen geglüht haben, sodass unsere härteste Konkurrenz über Facebook schon scherzhaft das Kappen der Internetleitung androhte", weiß Sarah Dietz über die Trunstadter, die "wir von Anfang als stärksten Gegner eingeschätzt hatten".

Vorbereitung beginnt mit Bürgerversammlung

Doch die hatten nicht mit der "Mutterstadt" gerechnet. "In Ebern hat's einen mords Umlauf gegeben", verspürten die Bischwinder Initiatoren, deren Aktion bis in den Stadtrat vordrang. Zumindest dessen Vereinssprecher, Jürgen Hennemann (SPD), setzte sämtliche Hebel in Bewegung und nutzte den Kulturringsverteiler für weitere Sympathie-Bekundungen. Und auch Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) wird die seit Wochen terminierte Bürgerversammlung in Bischwind am Donnerstag für so manche Glückwunschadresse nutzen.

"Mit so einem deutlichen Vorsprung hatten wir nie gerechnet, eigentlich hatten wir nie an unsere Chance geglaubt", meint Sarah Dietz in der Rückschau. Und richtet den Blick gleich nach vorn: "So eine große Veranstaltung hat es bei uns noch nie gegeben, aber wir werden das schon schaukeln, bei der Unterstützung, die wir in den letzten 14 Tagen erfahren haben." Auch die Vertreter der älteren Generation hätten sich von der Euphorie anstecken lassen. "Dabei kennen die gar kein Internet, wussten aber aus der Zeitung von der Aktion."

Und in der Tat, es gibt viel zu tun: Die Dorfgemeinschaft muss sich neben dem Show-Act um das gesamte Umfeld kümmern - von der Bewirtung bis zur Security. "Das stemmen wir, weil jeder mit anpacken wird", sind sich die beiden jungen Frauen einig.