Politik kann so witzig sein - zumindest, wenn sie von einem wie Django Asül kommentiert wird. Die knapp 280 Besucher im Marktsaal von Rentweinsdorf (Landkreis Haßberge) hatten bei dem Gastspiel des Niederbayern mit türkischen Wurzeln am Sonntag jedenfalls immer was zu Lachen. Und beim Feuerwehrverein Sendelbach-Gräfenholz als Veranstalter sorgte das nahezu ausverkaufte Haus für zufriedene Gesichter.

Etwas Lokalkolorit zum Einstieg, das ist schon die halbe Miete für einen gelungenen Kabarettabend. Wenn einer wie in diesem Fall über die "Weltstadt Rentweinsdorf" mit dem "Villenviertel Sendelbach" oder das ach so weit entfernte Salmsdorf spöttelt, und dann noch eine brandaktuelle Steilvorlage wie die Stichwahl aufnimmt, hat er von Anfang an die Lacher auf seiner Seite und kann fast über alles reden.

Okay, es gehört schon ein bisschen mehr dazu, das Publikum über zweimal 50 Minuten hinweg bei der Stange zu halten, wie es Django Asül scheinbar mühelos schaffte. Mit sprudelndem Wortwitz und schauspielerischen Qualitäten, ohne großes Tamtam: Ein Stuhl, der erst gegen Ende des Programms mal zum Einsatz kam, und ein Bistrotisch waren die einzigen Requisiten auf der Bühne. Nicht zu vergessen ein Glas Weizenbier pro Halbzeit. Aber das diente wohl eher dazu, die Stimme zu ölen und vielleicht noch bayerische Bodenständigkeit zu demonstrieren als dass es dazu geeignet wäre, kabarettistischen Geistesblitzen zum Durchbruch zu verhelfen.

Nein, wie sich der TV-bekannte Wortkünstler über gesellschaftliche Trends, vor allem aber über Politik und Politiker in Berlin, Brüssel und München ausließ, das war höchst unterhaltsam - und dabei noch stilvoll: "Es hat schon ein gewisses Niveau" meinte eine Zuschauerin in der Pause, "er geht nicht unter die Gürtellinie".

Wobei Kanzlerin Angela Merkel bei Django Asül offenbar besonders hoch im Kurs steht - als Inspirationsquelle für spitze Bemerkungen. Die Zuschauer im Marktsaal jedoch hatten nichts zu befürchten, weder in der ersten Reihe noch weiter hinten. Im Gegensatz zu anderen seines Fachs hielt der Niederbayer brav Abstand, verbal und räumlich.

Lieber nahm er sich selbst auf die Schippe, kokettierte mit seiner türkischen Herkunft, der Frage nach seinem Gesundheitszustand und seinem Selbstverständnis als Sozialwesen. Als "Reise zum Ich" hatte Asül schließlich sein aktuelles Programm "Paradigma" auf seiner Website angekündigt. Doch irgendwie schlich sich das Thema Politik immer wieder ein.

Und es ist ja auch nicht so, dass die Ereignisse auf höherer Ebene die Menschen in Rentweinsdorf und Umgebung völlig unberührt ließen. Im Zweifelsfall gilt das, was Django Asül seinem Publikum als das "Privileg eines Kabarettisten" vorstellte: "Ich kann sagen, was ich will. Sie können auch sagen, was Sie wollen, aber es bringt nichts."