Solche Szenen gibt es immer noch: Auf beiden Seiten der Hauptstraße mitten in Zeil parken Autos. Sie stehen teilweise auf gekennzeichneten Stellflächen (das ist zeitweise erlaubt), manche Pkw werden aber auch einfach halb auf dem Gehweg und halb auf der Straße außerhalb der weißen Linien geparkt (das ist verboten). In beide Richtungen fließt der Verkehr. Weil wegen der engen Straße und der geparkten Fahrzeuge kein Begegnungsverkehr möglich ist, muss ein Teil der Fahrer warten, bis die entgegen kommende Kolonne durch ist. Und manche Autofahrer haben diese Geduld nicht. Sie quetschen sich durch. Der eine oder andere Außenspiegel fliegt dabei davon.

Was die Situation besonders schlimm macht: Es gibt Autofahrer, die ihren Wagen so weit auf dem Gehweg abstellen, dass Fußgänger mit Rollatoren oder mit Kinderwagen vom Gehsteig auf die Fahrbahn wechseln müssen, um passieren zu können. Dabei ist die rechtliche Situation eindeutig: Das Parken auf dem Gehweg ist außerhalb von gekennzeichneten Stellflächen verboten.

Um der unbefriedigenden Verkehrslage in der Zeiler Hauptstraße sowie auf dem Marktplatz und in anderen Straßen Herr zu werden, hat Zeil im Juli die kommunale Parküberwachung eingeführt. Zusammen mit vier anderen Kommunen im Landkreis tat sie das; dort gibt es ähnliche Probleme.

Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) zog am Mittwochabend in der Sitzung des Stadtrates im Rathaus eine erste Bilanz. Die ist durchwachsen. Es gebe erste Erfolge, sagte er, aber die erhoffte Wirkung habe sich noch nicht eingestellt. Soll heißen: Es wird teilweise immer noch entgegen den Vorschriften geparkt.


Im Blindflug

Nach seinen Beobachtungen und den Erfahrungen der Kontrolleure "läuft es untertags relativ gut". Aber im Laufe des Tages lasse die Disziplin nach. Vor allem in den Abendstunden sei dann wieder die Situation vorhanden, wie sie die Stadt überhaupt nicht haben will - offenbar meinen viele Autofahrer, dass abends nicht kontrolliert wird. Das ist aber nicht so, und Stadelmann kündigte als Folge aus der Situation an: "Wir werden verstärkt nach 18 Uhr kontrollieren." Vor allem das Problem der Gehsteigparker sei nicht gelöst, beklagte er.

Der Stadtrat ist sich einig, dass der Weg zu einer besseren Verkehrsmoral nur über die Parküberwachung führt. Dabei ist die Altstadt nicht das einzige Problem. Zweiter Bürgermeister Dieter Köpf (CSU) wies darauf hin, dass die Situation in der Bamberger Straße nach wie vor unbefriedigend sei, ja sogar gefährlich. Dort werden Autos zwischen der Altach-Brücke und den Stadtwerken auf der Straße abgestellt. Nach den Verkehrsvorschriften ist das erlaubt. Aber: Es verengt die Fahrbahn so, dass ein Begegnungsverkehr kaum möglich ist. Das Problem: Wegen der Häuser und einer Kurve lässt sich nicht überblicken, ob Gegenverkehr kommt. Das heißt, Autofahrer müssen im Blindflug an den stehenden Pkw vorbeifahren.

In der Bamberger Straße haben sich die übergeordneten Verkehrsbehörden bisher geweigert, ein absolutes Halteverbot zuzulassen. Das wäre nach Ansicht des Stadtrates die Lösung. Und Zeil strebe ein solches Halteverbot an, versicherte der Erste Bürgermeister.

Eine andere Meinung zu der dortigen Situation hat die SPD-Stadträtin Julia Pfaff. Nach ihrer Darstellung tragen die auf der Straße geparkten Autos zur Verkehrsberuhigung bei. Wenn die Pkw nicht dort stehen würden, werde gerast, befürchtet sie.


Bislang 73 Verwarnungen

Bilanz In den ersten zwei Monaten der kommunalen Parküberwachung in Zeil haben die Kontrolleure 73 Verwarnungen ausgesprochen. Das waren, wie Bürgermeister Thomas Stadelmann dem Stadtrat erläuterte, im Juli 21 Verwarnungen und im August 52 Verwarnungen.

Geld Die 21 Juli-Verwarnungen bedeuten Kosten für die Autofahrer in Höhe von 570 Euro und die 52 August-Verwarnungen sind 820 Euro "wert". Über die Zahlungsmoral der ertappten Verkehrssünder konnte Thomas Stadelmann noch keine Angaben machen.