"Jetzt aber schnell weg von der Bahn, da hört sich etwas verdammt laut an", meint Rainer Stark zu seinem Kollegen etwas unsicher und guckt gespannt, was sich hinter den Bäumen nähert. Die Piloten der Modellflugzeuge räumten die Landebahn und dann knatterte die T6 an den Besuchern vorbei und machte sich ohne einen Zwischenstopp wieder vom Acker. Etwas verschreckt blieben die Hobbypiloten stehen und dachten sich hinterrücks: "Was die Großen können, das können wir auch!"

Denn so ist das beim Modellfliegen. "Hier ist als das möglich, was es im Original auch gibt. Aber an Geschwindigkeit, Leichte und Technik können wir richtig viel basteln", so Rainer Stark, Zweiter Vorsitzender des Flugsportclubs.

Vor 28 Jahren ist er im Alter von 19 Jahren in den Flugverein eingetreten. Ganz bewusst hat er sich zum "erlernen" dieses Hobbys einem Verein angeschlossen. "Das empfehle ich übrigens jedem Modellflieger. Im Verein ist einfach immer jemand da, man kann sich austauschen und sich gegenseitig helfen."
Rainer Stark trägt die gelbe Sicherheitsweste mit der Aufschrift "Flugleiter". Natürlich gibt es auch beim Modellflug Regeln, an die man sich halten muss. Sicherheitszonen oder das Gewicht der Flugzeuge.

Familien-Ding aus Knetzgau

Davon kann Stefan Werner aus Knetzgau ein Lied singen. Er bastelt seine Maschinen alle selber. "Manche Teile musste ich drei- bis viermal basteln, damit das Gesamtgewicht des Flugkörpers die 25-Kilo-Grenze nicht überschreitet." Aber nach gut drei Jahren - inklusive einigen Bautiefs, bei denen das Gerät mal einige Wochen unberührt im Keller stand - war das Meisterstück dann fertig gestellt.

"Holm- und Rippenbruch!", ruft die Mutter dem 36-jährigen Familienvater hinter her, als er mit seinem Vater und dem Modellflieger zur Rollbahn geht.

Stefan Werner übt das Hobby jetzt schon 30 Jahre aus. Durch seinen Vater ist er da rein gewachsen. "Modellfliegen ist das zweite nach meiner Familie", strahlt der Vater dreier Kinder, wenn er über seine Leidenschaft spricht. "Mit den Kindern habe ich jetzt natürlich nicht mehr so viel Zeit. Aber vier bis fünf Stunden pro Woche widme ich schon meinem Hobby."

Wie immer ist er mit der ganzen Familie da. Seinem größten Sohn konnte er das Hobby nicht wirklich schmackhaft machen, aber die Tochter hat Blut geleckt und ist nun auch fleißige Modellfliegerin. Genauso bei Rainer Stark. Die Söhne sind von klein auf dabei. "Noch bevor sie eine Füllfeder halten konnten, konnten sie mit einer Fernsteuerung umgehen", lacht er und gibt dem 20-jährigen Tobias Anweisungen für den gemeinsamen Flug. Wie der Vater so der Sohne.

Ob Bastler oder Technikfreak, beim Modellfliegen ist eine ganze Bandbreite an Fähigkeiten gefragt. "Wer nicht gerne bastelt, kauft sich eben einen fertigen Modellflieger und kann diesen noch etwas anmalen oder mit Folie bespannen", erklärt Rainer Stark.

Andere kaufen sich eine Schachtel mit Holzteilen und basteln daraus einen Flieger. Präzisionsarbeit, Fingertechnik und Geduld ist gefragt. "Mit der Verarbeitung von verschiedenen Werkstoffen muss man sich auskennen, über das Verhalten von verschiedenen Materialien in der Luft sollte man Bescheid wissen." Oder einfach gesagt: Modellfliegen ist das Hobby der elf Handwerksberufe, so Rainer Stark.

Nach Materialverarbeitung kommen dann noch Computer- und Flugkenntnisse hinzu, denn die Flieger bleiben ja nicht einfach so in der Luft. Gesteuert werden sie von der Erde aus per Fernsteuerung, was die Hand-Augen-Koordination sehr trainiert. Fazit: Ein sehr vielseitiges Hobby, das das ganze Jahr hindurch ausgeübt werden kann.

Zum Fliegen treffen sich die Piloten der Modellflugsparte immer in Fischbach am Flugplatz. Die knapp 40 Mitglieder sind zwischen 15 und 75 Jahre alt und nur männlich. "Man kann da schon so einiges an Adrenalin rauslocken, wenn man schnell und tief über die Piste fliegt", erzählt Stark, dem es jetzt so langsam unter den Nägeln brennt und die Flieger der Kollegen am Himmel beobachtet.